Welttag gegen Kinderarbeit Entwicklungsminister Müller: "Kinderarbeit steigt wieder – 160 Millionen Kinder müssen weltweit arbeiten – auch für unseren Wohlstand."

Pressemitteilung vom 12. Juni 2021 | Berlin – Die Zahl arbeitender Kinder nimmt nach jahrelangem Rückgang erstmals wieder weltweit zu, wie ein neuer Bericht der internationalen Arbeits­organisation (ILO) und des Kinderhilfs­werks der Vereinten Nationen (UNICEF) zeigt. Die Organisationen warnen, dass durch die Corona-Pandemie bis Ende 2022 weltweit bis zu 46  Millionen Kinder zusätzlich in Kinderarbeit gedrängt werden könnten.

Minister Müller, Heil und Altmaier (von links) bei einer Pressekonferenz zum Lieferkettengesetz am 12. Februar 2021
Ein Junge in Mali arbeitet an einer Nähmaschine.

Minister Müller: "Kinder brauchen Zukunft. Die stei­gen­den Zahlen bei der Kinderarbeit sind alarmierend. Wir können es nicht einfach so hinnehmen, dass 160 Millionen Mädchen und Jungen weltweit arbeiten müssen. Die Corona-Pandemie wird die Situation für die Kinder weiter verschlechtern. In Afrika ist die Lage am dramatischsten. Dort muss beinahe jedes fünfte Kind arbeiten.

Viele von ihnen schuften auch für unseren täglichen Konsum: auf Kaffee- oder Kakaoplantagen oder in Coltan-Minen für unsere Handys. Am Freitag hat der Bundestag deshalb das Lieferkettengesetz beschlossen. Das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit muss in den Lieferketten eingehalten werden. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Welt ohne Kinderarbeit. Denn es ist nicht hinnehmbar, dass unser Wohlstand auf Ausbeutung und Kinderarbeit beruht.“

In vielen armen Ländern konnten Familien schon vor der Corona-Pandemie nicht ausreichend finanziell unter­stützt werden. Eltern, die aufgrund von Aus­gangs­sperren oder wegen einer Ansteckung mit dem Coronavirus ihrer Arbeit nicht nachgehen können, haben nun noch weniger Geld, um ihre Familie zu ernähren. Deswegen sind jetzt immer mehr Kinder gezwungen, zu arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. Ein Großteil der betroffenen Kinder findet nie mehr den Weg in die Bildung zurück.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzt sich dafür ein, die Rechte von Kindern weltweit zu stärken und ausbeuterische Kinderarbeit zu bekämpfen.

  • Insgesamt fördert das BMZ rund 60 Vorhaben und Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarbeit. 
  • Partnerländer werden unter anderem unterstützt, die Ursachen von Kinderarbeit in verschiedenen Sektoren – wie Baumwolle, Bergbau oder Textil – zu bekämpfen und Bildungsprogramme auszubauen.
  • Mit dem weltweiten Corona-Sofortprogramm wird zusätzlich die Zusammenarbeit mit UNICEF zur Stärkung der Kinder in Flüchtlings­gebieten und mit der Internationalen Landwirtschaftsorganisation zu Kinderarbeit in der Landwirtschaft ausgebaut. Der Landwirtschaftssektor ist mit 70 Prozent aller arbeitenden Kinder weiterhin am stärksten betroffen. 
Schülerinnen und Schüler einer Schule in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik

Der Internationale Tag gegen Kinderarbeit wurde 2002 von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ins Leben gerufen und wird jedes Jahr am 12. Juni begangen.

Die Bundesregierung hat alle relevanten internationalen Konventionen wie die ILO-Konventionen 138 zum Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung und Konvention 182 hinsichtlich unverzüglicher Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit ratifiziert.