Berlin Energy Transition Dialogue Minister Müller: Brauchen Engagement von EU und Privatwirtschaft gegen Energiemangel in Afrika

Pressemitteilung vom 16. März 2021 | Berlin – Die Hälfte aller Afrikaner hat keinen Zugang zu elektrischem Strom. Das ist das Ergebnis einer Studie zur Energiewende in Afrika, die das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) heute beim Berlin Energy Transition Dialogue vorstellt.

Solaranlage in Namibia

Solaranlage in Namibia

Solaranlage in Namibia

Entwicklungsminister Gerd Müller: "Elektrisches Licht, gekühlte Lebensmittel, Internetzugang – vieles, was für uns in Europa selbstverständlich zum Alltag gehört, ist für viele Afrikaner unerreichbar. Sie haben keinen sicheren und erschwinglichen Zugang zu elektrischer Energie. Kinder können nach Einbruch der Dunkelheit ohne elektrisches Licht ihre Schularbeiten nicht machen, Frauen müssen stundenlang nach Feuerholz suchen, weil das die einzig verfügbare Energiequelle für den Kochherd ist. Ganz akut gibt es jetzt in der Corona-Krise keinen Strom für eine verlässliche Kühlkette für die Impfstoffe. Die Logistik für die Verteilung der Impfstoffe wird dadurch zusätzlich erschwert. Dabei hat der afrikanische Kontinent das Potenzial, in wenigen Jahren ausreichend Energie für alle Menschen zu produzieren – verlässlich, günstig und auch nachhaltig.

Afrika kann zum grünen Kontinent der erneuerbaren Energien werden. Dafür müssen aber jährlich zusätzlich 35 Milliarden US-Dollar in die afrikanische Energieinfrastruktur investiert werden. Mehr Investitionen müssen eine Priorität für die Entwicklungszusammenarbeit der EU sein – wir brauchen eine echte europäisch-afrikanische Energiepartnerschaft. Die EU muss ihren Green Deal auf Afrika ausweiten. Aber die notwendigen Investitionen können nicht nur von staatlicher Seite kommen, auch die Privatwirtschaft muss sich stärker engagieren. Mit Programmen wie der Grünen Bürgerenergie für Afrika und Energising Development hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hier schon vorgelegt. Millionen Afrikaner erhalten so Zugang zu klimafreundlicher Energie."

Die Studie Energiewende Afrika – Mehr Dynamik für Energiezugang, Resilienz und Wohlstand wurde im Auftrag des BMZ von der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) in Zusammenarbeit mit den deutschen Entwicklungsorganisationen GIZ und KfW erstellt. Sie zeigt, dass die Hälfte aller Afrikaner, rund 550 Millionen Menschen, keinen Zugang zu elektrischem Strom hat. Dort, wo Zugang besteht, ist er oft unzuverlässig und teuer. Die Studie zeigt, dass es trotzdem möglich ist, bis 2030 einen universellen und nachhaltigen Zugang zu elektrischer Energie in Afrika sicherzustellen. Dazu sind zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Aktuell werden pro Jahr circa 30 Milliarden US-Dollar in die afrikanische Energieinfrastruktur investiert, nötig wären bis 2030 jährlich bis zu 65 Milliarden US-Dollar.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die Entwicklung des Energiesektors in 32 afrikanischen Ländern. So wurden allein mit der "Initiative Grüne Bürgerenergie für Afrika" mehr als 200 Lehr- und Fachkräfte zu erneuerbaren Energietechnologien aus- und weitergebildet. Über 100 soziale Einrichtungen und 50 lokale gemeinnützige Organisationen wurden bei der Planung beziehungsweise Installation von dezentralen erneuerbaren Energiesystemen und der Gestaltung von kommunalen Energieprojekten unterstützt.

Das Programm "Energising Development" fördert den Aufbau dezentraler Energiestrukturen in ländlichen Regionen Afrikas. 26,6 Millionen Afrikanerinnen und Afrikanern werden dadurch bis 2025 Zugang klimafreundlicher Energie erhalten.