Welt-Zoonosentag Internationale Allianz soll Gesundheitsrisiken im Handel mit Wildtieren reduzieren

Pressemitteilung vom 5. Juli 2021 | Berlin – Jedes Jahr sterben fast drei Millionen Menschen an Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen – so­genannten Zoonosen. Dazu zählen Aids, Ebola aber auch das Corona-Virus. Am heutigen Welt-Zoo­nosen­tag stellen das Bundes­entwicklungs­ministerium (BMZ) und das Bundes­umwelt­ministerium (BMU) zusammen mit internationalen Partnern und Nicht­regierungs­organisa­tionen eine neue inter­nationale Allianz gegen Gesundheits­risiken im Wildtier­handel vor, die sich für die Vermeidung neuer Zoo­nosen engagiert.

Siehe auch
Brillenflughunde, Elternpaar mit Jungtier
Grafische Darstellung des One-Health-Ansatzes: One Health steht im Mittelpunkt und hat Wechselwirkungen mit gesunden Menschen, gesunden Tieren und gesunder Natur.

Die "Internationale Allianz gegen Gesund­heits­risiken im Wild­tier­handel" wurde von BMZ und BMU initiiert. In einem ersten Schritt haben sich Vertreterinnen und Vertreter von mehr als 50 Organisationen aus so unter­schiedlichen Bereichen wie Human- und Tier­ge­sund­heit, Natur­schutz, Ernährung und Land­wirt­schaft zusammen­getan und gemeinsame Ziele fest­gelegt. Dazu gehören Regierungen, UN-Organisationen, Nicht­re­gierungs­orga­ni­sationen und Wissen­schafts­ein­richtungen, darunter der WWF, der NABU, die Wildlife Conservation Society und die Zoolo­gische Gesellschaft Frankfurt. Erste Maßnahmen sind bereits in Umsetzung.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller: "Die Botschaft am Welt-Zoonosen­tag ist klar: Wir stehen vor einer größeren Gefahr, als vielen bewusst ist. Drei Viertel aller neu auftretenden Infektions­krankheiten sind Zoonosen. Es gibt 1,7 Millionen nicht erkannte Viren in Säuge­tieren und Vögeln. Experten haben Dutzende zoo­notische Viren identifiziert, die Pandemie­potenzial haben. Je enger der Kontakt zwischen Wild-, Nutztieren und Menschen ist, desto wahrscheinlicher ist eine Über­tragung auf den Menschen. Im weltweiten Kampf gegen die Wilderei und den illegalen Wildtier­handel ist Deutschland deshalb einer der größten Geldgeber. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist ein Schwerpunkt der Ent­wicklungs­zusammen­arbeit. Deutschland ist der zweitgrößte bilaterale Geber für den Schutz von Biodiversität."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Naturzerstörung erhöht das Risiko, dass Viren von Tieren auf Menschen übertragen werden und so neue Pandemien entstehen. Das ist der Stand der Wissenschaft, wie ihn der Welt­biodiversitäts­rat im vergangenen Jahr weltweit zusammen­getragen hat. Der illegale Wildtier­handel, der ungezählte Arten bedroht und inzwischen zu den lukrativsten Formen der grenz­überschreitenden organisierten Kriminalität gehört, muss entschlossen bekämpft werden. Außerdem muss der legale Wildtier­handel besser kontrolliert werden. Für diese globalen Kraft­anstrengungen gilt es, neue Allianzen zu schmieden. Darum ist es gut, wenn Natur­schutz, Entwicklungs­zusammen­arbeit und Gesundheits­schutz hier an einem Strang ziehen."

Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland: "Der Handel mit Wildtieren muss in vielen Bereichen weltweit eine grundsätzliche Neuauf­setzung erfahren. Die vorherrschenden Handels­strukturen müssen hinsichtlich ihrer Risiken analysiert und entsprechende Gegen­maßnahmen entworfen und umgesetzt werden. Dazu kommt: Je mehr wir Öko­systeme zerstören und ins Ungleich­gewicht bringen, je enger der Mensch und sein Vieh mit Wildtieren in Kontakt kommen, desto höher ist das Risiko für den Sprung von Krank­heiten von Tier auf Mensch. Am Ende kann nur ein gesunder Planet eine sichere Lebens­grundlage für uns Menschen bilden."

Jörg-Andreas Krüger, NABU-Präsident: "Wenn wir Pandemien zukünftig vermeiden möchten, müssen wir auch zu Wildtieren 'Distancing' betreiben. Viren unterscheiden nicht, ob Tiere legal oder illegal, nachhaltig, für den Verzehr, die traditionelle Medizin oder andere Zwecke gefangen, gezüchtet, gehandelt und getötet wurden. Sie brauchen nur eines: Kontakt. Und den liefern wir ihnen durch das Eindringen in ihren Lebensraum, Ausbeutung und Massen­tierhaltung. Wissenschaftler schwenken schon lange die roten Fahnen, doch Politik und Öffentlich­keit sind bisher nicht ausreichend aufgewacht und viele notwendige Schritte blieben aus. Gerade deshalb ist die Initiative des BMZ und des BMU so wichtig."

Seit 2013 stellt Deutschland international jährlich mindestens 500 Millionen Euro für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern und anderen Ökosystemen bereit, davon rund 80 Prozent aus dem BMZ-Haushalt und circa 20 Prozent aus dem BMU. Zudem baut das BMZ seinen Arbeitsbereich "One Health" aus, in dem die Gesundheit von Mensch, Tier und Natur ganzheitlich betrachtet wird.