We Care Toolkit zu Care-Arbeit in der internationalen Zusammenarbeit veröffentlicht

Von der Kinderbetreuung über die Pflege von älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen bis hin zum Kochen, Putzen oder Einkaufen – weltweit leisten Frauen und Mädchen einen Großteil der bezahlten und unbezahlten Sorge- und Pflegearbeit (Care-Arbeit). Im globalen Durchschnitt verbringen sie dreimal so viel Zeit mit diesen Aufgaben wie Männer und Jungen.

Dies führt dazu, dass Frauen am Ende ihres Lebens im Schnitt insgesamt sieben Jahre weniger Zeit für unter anderem Bildung und Beruf zur Verfügung standen. Dieses Ungleichgewicht wird durch Krisen wie die Covid-19-Pandemie und den Klimawandel noch weiter verschärft und bildet ein entscheidendes Hindernis für Geschlechtergerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung.

Das Toolkit und die 5R

Als Voraussetzung für die Gleichstellung der Geschlechter muss unbezahlte und bezahlte Care-Arbeit auf internationaler Ebene in den Fokus gerückt werden. Mit dem „Toolkit on Paid and Unpaid Care Work“ hat UN Women einen „Werkzeugkasten“ mit einer Vielzahl an Materialien und Ressourcen geschaffen, der auf dem Original „Toolkit on Recognizing, Reducing and Redistributing Unpaid Work and Care“ aus dem Jahr 2016 aufbaut. Dieses wurde nun insbesondere um die zwei Rs „reward“ und „representation“ ergänzt. Das Toolkit richtet sich an alle, die zu Care-Arbeit im Kontext der Gleichberechtigung der Geschlechter arbeiten. Skizziert wird ein ganzheitlicher Ansatz mit dem Ziel, unbezahlte Care-Arbeit anzuerkennen (recognize), zu reduzieren (reduce) und umzuverteilen (redistribute) sowie Entlohnung (reward) und Repräsentation (representation) für bezahlte Care-Arbeiter*innen zu erhöhen. Deutschland hat die Erstellung des Toolkits im Rahmen seiner G7-Präsidentschaft unterstützt. Es ist unter folgendem Link zu finden: A Toolkit on Paid and Unpaid Care Work: From 3Rs to 5Rs (Externer Link)

Care-Arbeit in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Symbolbild: Umrisse von Menschen, Überwindung von Geschlechtergrenzen. Auf einer Wand sind die Umrisse von Körpern zu erkennen. Vor der Wand laufen Menschen, die allerdings nicht zu erkennen sind weil sie sich schnell bewegen und sie auf dem Foto unscharf dargestellt werden.

Das BMZ engagiert sich dafür, das Thema Care-Arbeit stärker auf der internationalen Bühne zu verankern. Bundesministerin Svenja Schulze bezeichnet die „gerechte Verteilung von Pflege- und Sorgearbeit“ als „wesentliche(n) Hebel für die Gleichberechtigung und die wirtschaftliche Stärkung von Frauen“.

Im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft wurde Care-Arbeit oben auf die politische Agenda gesetzt. Die G7 Entwicklungsminister*innen riefen unter anderem zur Unterstützung der „Global Alliance for Care“ auf – der ersten Multi-Akteurs-Partnerschaft zu diesem Thema, welche im Rahmen des Generation Equality Forum gelauncht wurde.

Außerdem sagten die G7-Staats- und Regierungschef*innen dem Weltbank Child Care Incentive Fund eine kollektive Unterstützung von 79 Millionen US-Dollar zu. Dadurch soll der Zugang zu einer hochwertigen Kinderbetreuungsinfrastruktur und damit die wirtschaftliche Stärkung von Frauen sowie das Wohlergehen von Familien und Gesellschaft gefördert werden.

Der G7-Gipfel 2022 wird vom 26. bis 28. Juni auf Schloss Elmau in den bayerischen Alpen stattfinden.

Unter dem Titel „Who cares? Spotlight on Gender Equality and the Care Sector in International Development Cooperation“ richtete das BMZ am 7. April 2022 im Zuge der deutschen G7-Präsidentschaft und in Kooperation mit UN Women und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) außerdem eine internationale Fachkonferenz zum Thema Care-Arbeit aus. Beleuchtet wurden Ansätze für eine geschlechtergerechte Transformation der Care Economy in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Abschließend wurde resümiert, dass es noch weitere Investitionen und politische Aufmerksamkeit benötigt, um bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit gerecht zu gestalten.