Geberkonferenz UN-Hilfskonferenz zu Afghanistan in Genf: Minister Müller fordert UN-Nothilfefonds

Pressemitteilung vom 13. September 2021 | Vor der ersten internationalen Geber­konferenz für Afghanistan seit der Rück­kehr der Taliban hat Entwicklungs­minister Gerd Müller einen UN-Nothilfe­fonds von 10 Milliarden Euro gefordert. 

Minister Gerd Müller:

"Die Situation in Afghanistan ist dramatisch. Es baut sich eine humanitäre Katastrophe auf: Die Menschen leiden nicht nur unter der gewaltsamen Machtübernahme der Taliban. Dazu kommt eine schwerwiegende Dürre. Und die Corona-Pandemie grassiert mit ungebremster Wucht. Schon jetzt ist fast die Hälfte der Bevölkerung auf Hilfe angewiesen – über 18 Millionen Menschen. In den kommenden 12 Monaten werden voraussichtlich die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sein. Aber der humanitäre Bedarf für Afghanistan ist derzeit nur zu rund 40 Prozent gedeckt. Die inter­natio­nale Gemeinschaft muss jetzt schnell handeln und alles tun, um die Grund­versorgung der afghanischen Be­völ­ke­rung aufrecht zu erhalten."

"Wir dürfen auch die anderen Weltkrisen nicht aus dem Blick verlieren: Jemen, die Sahel-Region oder den Krisenbogen um Syrien. Die Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen stehen bereit, um schnelle Hilfe zu leisten. Doch es mangelt an verlässlicher und vor­aus­schauen­der Finanzierung. Die Nahrungsmittelreserven des Welternährungsprogramms reichen für Afghanistan nur bis Ende September. Im Jemen wurden Hilfen gekürzt. Das können wir nicht akzeptieren, nur weil die Gelder nicht da sind."

"Eine Reform ist grundsätzlich notwendig. Die UN und ihre Hilfswerke dürfen nicht dauerhaft zum Bittsteller werden.  Sie müssen vorausschauend handeln können und dafür ausreichend finanziert werden. Dann könnten wir in vielen Krisenregionen ganz anders handeln."

Mit einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von 10 Milliarden Euro könnten wir vorausblickend weltweit Tod durch Hunger und fehlende Medikamente verhindern. Warum tun wir das nicht? Das System der internationalen Hilfe muss verändert, muss reformiert werden. Weg von der Krisenintervention hin zu einer Krisenprävention. Es kann nicht sein, dass erst gestorben werden muss.  Es gilt, vorsorgend zu investieren. Früh zu handeln, ist viel vernünftiger, als zu warten."

"Die Weltgemeinschaft steht an einem Scheideweg: Die Weichen bei der UN zu stellen, dass die Staaten­gemeinschaft Krisen besser vorbeugen kann oder unkontrollierte Flucht und millionen­faches Leid weiter zu akzeptieren. Deutschland geht hier bereits voran und stellte ein um­fassendes Hilfspaket von 600 Millionen Euro für die schnelle Versorgung der Binnen­vertriebenen und Flüchtlingen in Afghanistan und in der Region bereit. Die internationale Gemeinschaft muss nun ebenfalls handeln."