Kooperation mit der Zivilgesellschaft 13 Millionen Soforthilfe für den Fairen Handel in Zeiten von Covid-19

Aprikosenernte in Tunesien

Aprikosenernte in Tunesien

Aprikosenernte in Tunesien

14. Oktober 2020 | Zusammen mit seinen Partnern Fairtrade International und dem Forum Fairer Handel investiert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in einen Hilfsfonds über 13 Millionen Euro, um nachhaltig produzierende kleinbäuerliche Betriebe in Entwicklungsländern dabei zu unterstützen, in der Corona-Krise Jobs zu erhalten.

Die In­itia­ti­ve ist ein wich­ti­ges Bei­spiel für ei­ne ge­lun­ge­ne Ko­ope­ra­ti­on von zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­ren und dem BMZ.

Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler: "Co­ro­na macht deut­lich, wie eng wir auf der Welt ver­bun­den und wie ver­wund­bar wir sind. Die Ärms­ten in den Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­dern brau­chen un­se­re So­li­da­ri­tät – erst recht in Kri­sen­zei­ten. Ich bin dank­bar, dass es uns ge­mein­sam mit un­se­ren lang­jäh­ri­gen Part­nern im Fai­ren Han­del ge­lun­gen ist, nach­hal­tig pro­du­zie­ren­de klein­bäu­er­li­che Be­trie­be schnell zu un­ter­stüt­zen."

Mit dem Zu­schuss­fonds sol­len 400.000 Klein­bäue­rin­nen und -bau­ern in 24 Län­dern des Glo­ba­len Sü­dens, die un­mit­tel­bar durch die Co­ro­na-Pan­de­mie in Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten sind, schnell, un­bü­ro­kra­tisch und wir­kungs­voll un­ter­stützt wer­den. Die So­fort­hil­fe wird da­bei zu­nächst zur Lin­de­rung der aku­ten Not­la­ge der Klein­bäue­rin­nen und -bau­ern und für Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ge­gen die wei­te­re Aus­brei­tung des Vi­rus ein­ge­setzt. In gro­ßem Um­fang wer­den Le­bens­mit­tel, Saat­gut und Hy­gie­ne­ar­ti­kel in länd­li­chen Re­gio­nen ver­teilt und Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen zu Co­vid-19 über die lo­ka­len Me­di­en lan­ciert. Gleich­zei­tig wird durch die Be­reit­stel­lung von Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­den und klei­ne­ren Ma­schi­nen (Ge­wächs­haus-, Mahl-, Schäl-, Röst-, Trock­nungs- und Kom­post­an­la­gen), die Über­nah­me von lau­fen­den Be­triebs­kos­ten und durch ge­ziel­te Be­ra­tungs­dienst­leis­tun­gen die Ge­schäfts­kon­ti­nui­tät der Or­ga­ni­sa­tio­nen von Pro­du­zen­tin­nen und Pro­du­zen­ten (Bau­ern­ko­ope­ra­ti­ven, Ver­ar­bei­tungs­be­trie­be, Ex­port­un­ter­neh­men) für fair ge­han­del­te Agrar­roh­stof­fe si­cher­ge­stellt.

Be­reits zu An­fang der Pan­de­mie im April 2020 war ab­seh­bar, dass Han­dels­part­ner im Glo­ba­len Sü­den Un­ter­stüt­zung be­nö­ti­gen wür­den. Feh­len­de so­zia­le Ab­si­che­rung und un­zu­rei­chen­de Struk­tu­ren im Ge­sund­heits­we­sen sind in vie­len Län­dern Rea­li­tät. Das stellt Pro­du­zen­tin­nen und Pro­du­zen­ten ge­ra­de in Kri­sen­zei­ten vor exis­ten­zi­el­le Her­aus­for­de­run­gen. Gau­tam Mo­han von Tea Pro­mo­ters In­dia be­rich­tet, dass die Tee­ern­te ge­ra­de auf ih­rem Hö­he­punkt war, als die dor­ti­ge Aus­gangs­sper­re ein­ge­führt wur­de. "Die kom­plet­te Wirt­schaft in der Re­gi­on Dar­jee­ling hängt von ei­ner gu­ten First-Flush-Ern­te ab. Si­cher wird auch un­se­re First-Flush-Ern­te da­von be­trof­fen sein. Wir wer­den uns nach Kräf­ten be­mü­hen, si­cher­zu­stel­len, dass das Vi­rus nicht nach Dar­jee­ling kommt und je­der si­cher und ge­schützt ist."

"Mit dem Fonds ha­ben wir die Mög­lich­keit, un­se­ren Han­dels­part­nern in den Län­dern des Glo­ba­len Sü­dens mit ex­trem ho­hem In­fek­ti­ons­ge­sche­hen wich­ti­ge Not­hil­fe zur Ver­fü­gung zu stel­len und so seit Jahr­zehn­ten auf­ge­bau­te Struk­tu­ren im Fai­ren Han­del zu sta­bi­li­sie­ren", be­rich­tet Mat­thi­as Fied­ler, Ge­schäfts­füh­rer des Fo­rums Fai­rer Han­del. So wird über die Mit­glie­der des Fo­rums Fai­rer Han­del die So­fort­hil­fe di­rekt an ih­re Han­dels­part­ner ka­na­li­siert.

Um si­cher­zu­stel­len, dass die be­reit­ge­stell­te So­fort­hil­fe auch wir­kungs­voll ein­ge­setzt wird, wird die­se von Fair­tra­de In­ter­na­tio­nal in en­ger Ab­stim­mung mit den Part­nern in den be­trof­fe­nen Län­dern um­ge­setzt. "Mit­hil­fe un­se­rer Netz­wer­ke vor Ort kön­nen wir die Hilfs­leis­tung ko­or­di­nie­ren und ab­wi­ckeln. So stel­len wir si­cher, dass Hil­fe ge­nau dort an­kommt, wo sie be­nö­tigt wird. Fair­tra­de hat­te im Früh­som­mer be­reits 3,4 Mil­lio­nen Eu­ro aus ei­ge­nen Mit­teln be­reit­ge­stellt, aber das Aus­maß der Pan­de­mie über­steigt un­se­re ei­ge­nen Mög­lich­kei­ten. Da­her be­grü­ßen wir die Un­ter­stüt­zung sehr", sagt Clau­dia Brück, Vor­stän­din von Trans­fair e.V. / Fair­tra­de Deutsch­land. 

"Die ak­tu­el­le Kri­se hat die ge­sam­te Wirt­schaft des Lan­des in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen, auch un­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on", be­rich­tet Sig­fre­do Be­ni­tez von ei­ner Fair­tra­de-zer­ti­fi­zier­ten Kaf­fee­ko­ope­ra­ti­ve in El Sal­va­dor. "Wir muss­ten ei­ni­ge Be­schäf­tig­te nach Hau­se schi­cken. Die noch aus­ste­hen­den Löh­ne ha­ben wir mit­hil­fe der Fair­tra­de-Prä­mie aus­zah­len kön­nen."

Mit ei­ner Lauf­zeit von zwei Jah­ren be­weist die In­itia­ti­ve Weit­sicht: Ne­ben aku­ter Not­hil­fe und Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ge­gen die wei­te­re Aus­brei­tung des Vi­rus wer­den auch Mit­tel für ei­nen nach­hal­ti­gen Wie­der­auf­bau nach der Pan­de­mie be­reit­ge­stellt und Maß­nah­men un­ter­stützt, die Er­näh­rung und Ein­kom­men der länd­li­chen Be­völ­ke­rung auf ei­ne brei­te­re Ba­sis stel­len.

Die In­itia­ti­ve ist ein wich­ti­ges Bei­spiel für ei­ne ge­lun­ge­ne Ko­ope­ra­ti­on von zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Ak­teu­ren, dem BMZ und der GIZ: "Es ist die Auf­ga­be der deut­schen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, ge­ra­de in Kri­sen­zei­ten schnell agie­ren zu kön­nen. Das ha­ben wir dank der part­ner­schaft­li­chen Zu­sam­men­ar­beit mit den Ak­teu­ren des Fai­ren Han­dels am kon­kre­ten Bei­spiel Co­vid-19 ge­schafft. Das zeigt, dass ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit der Ak­teu­re der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit nicht nur wich­tig, son­dern es­sen­zi­ell für den Er­folg un­se­rer Ar­beit ist", er­läu­tert Bun­des­mi­nis­ter Dr. Gerd Mül­ler.