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Soziale und ökologische Aspekte

Kleinbergbau

Kleinbergbau in Mosambik

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern werden mineralische Rohstoffe neben dem industriellen Bergbau auch im Kleinbergbau gefördert. Mit einfachen Mitteln und unter geringem Einsatz von Maschinen werden mineralische Rohstoffe aus Lagerstätten abgebaut, die für den industriellen Bergbau ungeeignet sind. Die Aufbereitung ist häufig ineffizient und geschieht unter Verwendung umweltschädlicher und giftiger Chemikalien. Kleinbergleute verfügen selten über einen Arbeitsvertrag oder Schürflizenzen, sind also nicht formalisiert. Sie arbeiten häufig selbstorganisiert oder unter der Kontrolle lokaler Patrone, aber auch illegal. Der Rohstoffabbau geschieht meist unter prekären Arbeitsbedingungen, ohne Beachtung von Arbeits-, Kinder- oder Frauenrechten. Nicht selten verdienen Kleinbergleute nur wenige Euro am Tag, während die Gewinne an Zwischenhändler und lokale Patrone gehen. Die Ursachen dieser Probleme sind schwache staatliche Institutionen, ungenügenden gesetzliche Rahmenbedingungen sowie die fehlende Regulierung des Sektors.

Der Kleinbergbausektor birgt jedoch gleichzeitig große Entwicklungspotenziale. Weltweit sind schätzungsweise 15 bis 30 Millionen Menschen in mehr als 30 Ländern im Kleinbergbau beschäftigt. Unter Berücksichtigung von zu versorgenden Familienangehörigen und nachgelagerter Lieferketten, sind nach Schätzungen der Weltbank global 80 bis 100 Millionen Menschen existenziell vom Kleinbergbau abhängig. Damit trägt der Kleinbergbau als wichtige Einkommensquelle maßgeblich zur Existenzsicherung der lokalen Bevölkerung bei.

Der Kleinbergbau als Entwicklungschance – das Engagement des Sektorprogramms Rohstoffe und Entwicklung

Unterstützung der Erarbeitung eines Leitfadens für den Kleinbergbau (ASM Guidance)

Die Herausforderungen im Kleinbergbau lassen sich nur mit der gemeinsamen Anstrengungen von Geber- und Entwicklungsländern bewältigen. Ein wichtiger Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Rohstoffsektor ist das Intergovernmental Forum on Mining, Minerals, Metals and Sustainable Development (IGF). Das Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung unterstützt das IGF finanziell und inhaltlich bei der Erarbeitung eines Leitfadens Managing Artisanal and Small-scale Mining (ASM Guidance). Dabei handelt es sich um einen Leitfaden für Regierungen zum entwicklungsorientierten Umgang mit dem Kleinbergbau.

Erarbeitung von Konzepte und Strategien zur Ausweisung und Verwaltung von ASM Zonen

Im Rahmen des Sektorprogrammes Rohstoffe und Entwicklung werden Konzepte und Strategien zur Identifizierung, Ausweisung und Verwaltung von Kleinbergbauzonen („ASM Zonen“) entwickelt. Ziel ist es, staatlichen Institutionen in Partnerländern realistische Instrumente für die Planung und Regulierung sowie stetige Formalisierung des Kleinbergbaus aufzuzeigen.

Die erarbeiteten Konzepte und Strategien zu den „ASM Zonen“ wurden 2016 in Genf auf dem jährlichen Treffen des IGF vorgestellt und an einem „Sustainability Round Table“ des IGF auf der Mining INDABA in Kapstadt im Januar 2017 diskutiert. Der daraus entstandene Leitfaden Concepts and Strategies for the Designation and Management of ASM Zones wurde im März 2017 veröffentlicht.

Im Rahmen von Pilotprojekten werden  Partnerländer bei der Ausweisung und Regulierung von Kleinbergbauzonen unterstützt.  Erstes Pilotland ist nach Anfrage der dortigen Regierung die Dominikanische Republik. Der Kleinbergbau gilt als wichtiger Faktor für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Land, weshalb eine Verbesserung der Organisation dieses Sektors, von Abbau bis zur Export, erzielt werden soll.

Etablierung einer verantwortungsvollen Lieferkette aus dem Kleinbergbau auf Gold

Die in den letzten Jahren eminente Diskussion von Sorgfaltspflichten in der Lieferkette hat gezeigt, dass Unternehmen als Partner entlang der Lieferketten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Produktionsbedingungen bestimmter Rohstoffe zum gemeinsamen Vorteil leisten können. Maßnahmen zur Sorgfaltspflicht in Lieferketten bis hin zu Zertifizierungssystemen dienen der Stärkung der Beziehungen zwischen Produzenten und Abnehmern und zielen auf eine glaubwürdige Einhaltung international anerkannter Mindeststandards ab, was z.B. im Falle eines sog. „Closed Pipe“-Ansatzes von einem eindeutigen Herkunftsort idealerweise bis hin zu verantwortungsbewussten Kunden und Endverbrauchern kommuniziert werden kann.

Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit strebt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung daher an, verantwortungsbewusstes Engagement deutscher Rohstoffabnehmer zu fördern und Kunden in Deutschland zu sensibilisieren. Dem Kleinbergbau auf Gold kommt hierbei aufgrund seiner Entwicklungsrelevanz eine besondere Bedeutung zu.

Goldscheideanstalten repräsentieren einen zentralen Dreh- und Angelpunkt für die Förderung der Sorgfaltspflicht und der Verantwortung in der Lieferkette von Gold. International ist dabei zunehmend der Trend zu beobachten, dass sich Goldscheideanstalten mit ihren Einflussmöglichkeiten auf die Arbeitsbedingungen im Kleinbergbau bewusst auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen. Zwar zählt Deutschland nicht zu den weltweit größten Standorten für die Gold-Raffinade, dennoch könnten deutsche Goldscheideanstalten mit der Gestaltung geeigneter Rahmenbedingungen in der Lieferkette positive Akzente setzen und somit zu der konstruktiven internationalen Reflexion dieses Themas beitragen.

Rohstoffe und Entwicklung setzt in Zusammenarbeit mit einer deutschen Goldscheideanstalt eine Pilotmaßnahme um, mit dem Ziel der Etablierung einer Closed Pipe Lieferkettenbeziehung unter Einbezug von verantwortungsbewusstem Kleinbergbau auf Gold. Die theoretische Machbarkeit und den Hintergrund einer solchen Lieferkettenbeziehung hat die BGR in einem Bericht „Der Bezug von Gold aus dem Kleinbergbau. Prüfbericht zur Pilotierung verantwortungsvoller Rohstoff-Lieferketten“ veröffentlicht.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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