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Öffentliche Finanzen im Rohstoffsektor

Steuerbefolgung im Rohstoffsektor


Die Ausnutzung von Steuerlücken und Gewinnverlagerung in die Länder mit niedriger Steuerbelastung (Base Erosion and Profit Shifting, BEPS) durch multinationale Rohstoffkonzerne schadet der Mobilisierung der Eigeneinnahmen in den Entwicklungsländern. Dies bedeutet eine zunehmende Belastung der öffentlichen Haushalte auf Grund fehlender Steuereinnahmen und mindert die Möglichkeiten dieser Länder, eigene Entwicklung und Erreichung der SDGs zu finanzieren. Die Manipulation der Steuerbemessungsgrundlage erfolgt dabei häufig mit Hilfe sogenannter interner Verrechnungspreise (Transfer Pricing). Zur Stärkung der Steuerbehörden in unseren Partnerländern mit aktivem Bergbau entwickelte das Sektorprogramm Rohstoffe und Entwicklung daher das Transfer Pricing Risk Assessment Tool.

Obwohl per se nicht illegal, können Verrechnungspreismechanismen von Konzernen zur Steuervermeidung und somit zum Nachteil für den Staat eingesetzt werden. Als Transfer Pricing bezeichnet man die preisliche Bewertung von Gütern oder Leistungen, die innerhalb eines Unternehmens zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen ausgetauscht und somit nicht von Dritten bezogen werden. Dies tritt besonders in Konzernen, die mehrere Unternehmen in sich vereinen auf. Im Falle eines Missbrauchs zu Steuervermeidungszwecken, können mit Hilfe von Transfer Pricing-Praktiken Gewinne zwischen einzelnen Unternehmen innerhalb eines Konzerns verschoben werden. Häufig werden Gewinne dabei an Unternehmen in Gebiete übertragen, in denen eine niedrigere Steuerbelastung herrscht. Dem Staat, in dem der Gewinn eigentlich erwirtschaftet wurde, entgehen somit für seine Entwicklung wichtige Einnahmen.

Im Falle der Rohstoffwirtschaft fehlt den zuständigen Steuerbehörden in Entwicklungsländern häufig an sektorspezifischer Expertise, um Verrechnungspreisrisiken im Bergbau zu erkennen und zu mindern. Effektive Risikobewertungsmechanismen sind daher insbesondere für Entwicklungsländer mit begrenzten Audit-Ressourcen sehr wichtig. Um zu ermitteln, ob illegitime Verrechnungspreistaktiken angewandt wurden, benötigen die Steuerbehörden Informationen, die es ihnen ermöglichen, zwischen einerseits missbräuchlicher und andererseits standardmäßiger Industriepraxis zu unterscheiden.

Das Toolkit for Transfer Pricing Risk Assessment for the African Mining Industry begegnet dieser Herausforderung, indem es eine benutzerfreundliche, einfache Schritt-für-Schritt Anleitung bereitstellt, um festzustellen, ob risikoreiche Unternehmenstransaktionen im Bergbausektor für die Verrechnungspreisprüfung ausgewählt werden sollen. Ferner enthält es die genauen Informationen, die die Steuerbehörden für die Ermittlung und Bewertung von Verrechnungspreisfragen benötigen.

Das Instrument dient in erster Linie der Verwendung von Steuerbehörden in ressourcenreichen Entwicklungsländern und hilft diesen dabei sektorspezifische Expertise aufzubauen um Transfer Pricing Risiken im Bergbausektor zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Für weitergehende Informationen kontaktieren Sie bitte Anna Kravtsenko.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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