Gesundheit stärkenGlobale Impfallianz Gavi: Wiederauffüllungskonferenz im Januar 2015

Impfprogramme sind eine der wirksamsten und kostengünstigsten Investitionen, die wir zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt tätigen können.

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Bill Gates über die Rolle Deutschlands als Gastgeber der Gavi-Wiederauffüllungskonferenz (Video auf Englisch mit deutschen Untertiteln)

Bill Gates über die Rolle Deutschlands als Gastgeber der Gavi-Wiederauffüllungskonferenz (Video auf Englisch mit deutschen Untertiteln)

© Bill & Melinda Gates Foundation

Gesundheit ist ein Schwerpunkt der deutschen G7-Präsidentschaft im Jahr 2015. Ein erster Höhepunkt war die Wiederauffüllungskonferenz der globalen Impfallianz Gavi am 26. und 27. Januar in Berlin. Die Konferenz fand auf Einladung der Bundesregierung und unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel statt und wurde vom BMZ mitveranstaltet.

Bereits im Vorfeld der Konferenz diskutierte Minister Müller gemeinsam mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe und vielen nationalen und internationalen Gästen unter der Überschrift "Gemeinsam für eine gesunde Zukunft – auf starke Gesundheitssysteme kommt es an!"

Es ging bei der Veranstaltung um die Frage, wie auch in den ärmsten Ländern eine medizinische Basisversorgung sichergestellt werden kann. Ein weiteres wichtiges Thema war die Ebola-Epidemie.

Neben dem Geschäftsführer der Impfallianz Gavi, Seth Berkley, sprach unter anderem die senegalesische Gesundheitsministerin Awa Marie Coll-Seck und berichtete über die Erfahrungen in ihrer Heimat. Bundesminister Müller betonte, dass Deutschland die von Ebola betroffenen Staaten nach Abklingen der Epidemie nicht alleine lassen wird, sondern auch zukünftig in die Gesundheitsstrukturen der Länder investieren wird.

Bei der Geberkonferenz am folgenden Tag versammelten sich viele hochrangige Regierungsvertreter und Partner der Impfallianz. Das angestrebte Ergebnis – 7,5 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum von 2016 bis 2020 – konnte sogar noch übertroffen werden.

Minister Müller zeigte sich mit dem Ergebnis hoch zufrieden: "Mit den heute zugesagten 7,539 Milliarden Dollar können weitere 300 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Welt geimpft werden. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre können damit wesentlich verstärkt und erweitert werden. Allein Deutschland erhöht seine Unterstützung bis 2020 auf 600 Millionen Euro. Wir wollen damit auch die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffes und grundlegende Gesundheitsstrukturen in den betroffenen Ländern unterstützen. Im Jahr 2030 soll kein Kind auf der Welt mehr an vermeidbaren Krankheiten sterben."

Impfungen retten Leben

Impfungen sind eine der effektivsten Maßnahmen, um Infektionskrankheiten zu verhindern. Sie verhindern Todesfälle fördern die Gesundheit und leisten einen wichtigen Beitrag zu Bildung und Wirtschaftswachstum. Gavi, eine Allianz aus Regierungen von Geber- und Entwicklungsländern, Privatwirtschaft, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft, setzt sich dafür ein, das Leben von Kindern zu retten und die Gesundheit der Menschen zu schützen – durch vereinfachten Zugang zu Impfungen in Entwicklungsländern und die Stärkung der dazu notwendigen Gesundheitssysteme.

Unter dem Motto "jedes Kind erreichen – reach every child" will Gavi weitere 300 Millionen Kinder zwischen 2016 und 2020 impfen. Dafür benötigt die Impfallianz 7,5 Milliarden US-Dollar neuer Geberbeiträge.

Millenniumsziele weiterverfolgen, globale Partnerschaften fördern

Der deutsche G7-Vorsitz fällt in das entwicklungspolitisch bedeutende Jahr 2015: Die im Jahr 2000 vereinbarten Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) laufen aus. Im September 2015 soll eine "Post-2015-Agenda" auf einem UN-Gipfeltreffen verabschiedet werden. Neue Herausforderungen, vor allem Aspekte der Nachhaltigkeit, werden stärker in den Mittelpunkt rücken. Diese Themen werden auch die deutsche G7-Präsidentschaft prägen.

Als Gastgeber der Gavi-Wiederauffüllungskonferenz zeigte die deutsche G7-Präsidentschaft:

  • Wichtige Millenniumsentwicklungsziele wie die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit werden mit Nachdruck weiter verfolgt.
  • Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass im Rahmen der neuen "Post-2015-Agenda" globale Partnerschaften eine wichtige Rolle spielen: Gavi ist ein gutes Beispiel für eine solche Partnerschaft.

Impfen senkt die Kindersterblichkeit

Gavi stellt sich vor (Video in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln)

Gavi stellt sich vor (Video in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln)

© Gavi

Impfungen haben sich als besonders effiziente und erfolgreiche Interventionen zur Senkung der Kindersterblichkeit erwiesen. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation haben die Impfprogramme, die Gavi seit ihrer Gründung im Jahr 2000 gefördert hat, dazu beigetragen, über sechs Millionen Todesfälle zu verhindern. So konnte beispielsweise die Sterblichkeit aufgrund von Masernerkrankungen in den letzten 15 Jahren um drei Viertel gesenkt werden. 2013 sind 84 Prozent der Kinder weltweit in ihrem ersten Lebensjahr gegen Masern geimpft worden.

Die Gavi Alliance leistet hervorragende Arbeit – bis heute hat sie etwa 440 Millionen Kinder geimpft und sie dadurch vor lebensgefährlichen Krankheiten bewahrt. Mit der Eindämmung von Kinderlähmung und Masern sind echte Erfolgsbeispiele zu verzeichnen, auch wenn das wichtige Ziel der Ausrottung dieser Krankheiten noch nicht erreicht wurde. Wir alle wissen, es gibt noch sehr viel zu tun: 2013 sind 6,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren gestorben, ein großer Anteil davon an vermeidbaren oder leicht heilbaren Krankheiten. Daher gilt es, das Ziel von Gavi, bis zum Jahr 2020 weitere 300 Millionen Kinder zu impfen, mit aller Kraft zu unterstützen.

Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Der deutsche Beitrag

Wir wollen hier in Berlin etwas erreichen, das für die nächste Periode von 2016 bis 2020 eine gute Nachricht für 300 Millionen Kinder sein soll. Wir wollen so viele Kinder durch Impfung vor Krankheiten wie Lungenentzündung, Masern, schwerem Durchfall oder Röteln schützen. […] Wir in Deutschland haben uns angesichts der Herausforderung von Ebola dazu entschlossen, unseren Beitrag für die nächste Periode auf 600 Millionen Euro zu erhöhen.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel bei der Gavi-Geberkonferenz am 27.1.2015

Die Schauspielerin Maria Furtwängler, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, Bill Gates, der Gründer der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, sowie einige Kinder im BMZ in Berlin

Die Schauspielerin Maria Furtwängler, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, Bill Gates, der Gründer der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, sowie einige Kinder im BMZ in Berlin

© Michael Gottschalk/photothek.net

Das BMZ unterstützt die Arbeit der Impfallianz Gavi seit 2006 und hat seitdem bis einschließlich 2014 insgesamt 134 Millionen Euro bereitgestellt. Als Gastgeber der Wiederauffüllungskonferenz hat Deutschland seinen Beitrag für Gavi erheblich aufgestockt: Bis 2020 sollen insgesamt 600 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Gestärkte Gesundheitssysteme sind die Grundlage, um überhaupt erfolgreiche Impfprogramme durchführen zu können. Diese Verbindung halten wir für zentral, denn nur so ist nachhaltige Wirksamkeit möglich, auch im Hinblick auf die zunehmende Übernahme von Eigenverantwortung durch die Partnerländer.

Dr. Friedrich Kitschelt, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Gesundheit ist auch über die Förderung von Gavi hinaus ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und wird vom BMZ mit rund 750 Millionen Euro pro Jahr unterstützt. Davon gibt das BMZ fast 400 Millionen Euro pro Jahr für Maßnahmen aus, die einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern leisten.

Deutschland setzt vor allem auf die Stärkung nationaler Gesundheitssysteme, ohne die eine Steigerung der Impfraten nicht möglich wäre. Dabei achtet das BMZ auf eine enge Verzahnung seiner bilateralen Aktivitäten mit der Unterstützung durch die Impfallianz Gavi. So wird in Ostafrika der Ausbau der Logistik im Gesundheitsbereich unterstützt und dadurch die Versorgung der Kliniken mit Impfstoffen und Medikamenten verbessert.

Die G7 und das Thema Gesundheit

Ein sieben Monate altes Mädchen in Antananarivo, Madagaskar, wird gemessen, um zu prüfen, ob sie noch immer unterernährt ist.

Ein sieben Monate altes Mädchen in Antananarivo, Madagaskar, wird gemessen, um zu prüfen, ob sie noch immer unterernährt ist.

© Guy Oliver/IRIN

Die Herausforderungen, die Gesundheit besonders von Müttern und Kindern zu verbessern, sind immens. Daher setzt sich die Bundesregierung seit Jahren verstärkt für diesen Bereich ein – auch im G7-Kontext. Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten, die Stärkung von Gesundheitssystemen und die Verbesserung der Gesundheit von Kindern und Müttern ist ein Kernanliegen der G7 und war auf allen Gipfeltreffen der vergangenen Jahre ein zentrales Thema.

Die Impulse und die finanzielle Unterstützung durch die G7/G8 haben im vergangenen Jahrzehnt zu einem starken Ausbau der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern geführt und die Situation der Menschen deutlich verbessert.

Die G7/G8 haben auch die Impfallianz Gavi schon bei der ersten Wiederauffüllungskonferenz im Jahr 2011 maßgeblich unterstützt: Mehr als die Hälfte der Beiträge von Geberländern wurden von den G7/G8-Staaten aufgebracht (4,3 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum bis 2015.

Gavi – ein Modell globaler Partnerschaft

Grafik: Erfolge von Gavi

Grafik: Erfolge von Gavi

© Gavi

Gavi ist ein erfolgreiches Modell globaler Partnerschaft, wie Deutschland und andere G7-Partner sie verstärkt auch im Rahmen der künftigen Agenda für nachhaltige Entwicklung anstreben: Partner der Impfallianz sind Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk UNICEF, die Weltbank, die Bill & Melinda Gates Stiftung, Impfstoffhersteller aus Industrie- und Schwellenländern, Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens und Nichtregierungsorganisationen. Dadurch, dass zunehmend auch die Entwicklungsländer selbst Verantwortung für die Initiative übernehmen, wird ihre Nachhaltigkeit und Wirksamkeit gesichert.

Das Beispiel der Impfallianz Gavi zeigt sehr gut, wie wichtig die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Regierungen, internationalen Organisationen, Zivilgesellschaft und nicht zuletzt dem Privatsektor ist (...). So erhöht die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Regierungen der geförderten Länder die 'Ownership' für das Unterstützungsprogramm: Dadurch wächst die Bereitschaft der Partnerländer, die Programme mit zu finanzieren. Die Privatwirtschaft leistet über Preisreduktionen einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die Impfprogramme finanzierbar bleiben. Das Beispiel der Impfallianz Gavi zeigt, dass globale Partnerschaften vielschichtig und komplex sind und trotzdem effizient gemanagt werden können.

Dr. Friedrich Kitschelt, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung