Grundsätze: Warum brauchen wir Entwicklungspolitik?
Jeden Tag sterben mehr als 26.000 Kleinkinder – an Hunger, an Krankheiten, durch Gewalt und Kriege. Etwa 1,4 Milliarden Menschen auf der Welt müssen von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag leben – fast jeder Fünfte von uns. Täglich werden allein im brasilianischen Amazonasbecken Waldflächen abgeholzt oder abgebrannt, die etwa so groß wie 4.000 Fußballfelder sind.
Kein Staat kann diese und die vielen anderen brennenden Probleme der Gegenwart allein bewältigen. Unser Leben ist heute enger mit dem der Menschen in anderen Ländern verflochten als jemals zuvor. Darum müssen wir auch unseren Herausforderungen gemeinsam entgegentreten: einschneidende Veränderungen sind nötig – weltweit.
Deutschland stellt sich dieser Verantwortung. Die Bundesregierung engagiert sich in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft für die Bekämpfung der Armut, für Frieden und Demokratie, für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung und für den Erhalt der Umwelt und der natürlichen Ressourcen.
Eines der wichtigsten Instrumente, um diese Ziele zu erreichen, ist Entwicklungspolitik. Sie sichert die Zukunft und ist ein Gebot der Menschlichkeit.
Entwicklungspolitik – weil sie allen hilft
Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Terrorismus, Kriege und Bürgerkriege grenzüberschreitend wirken. Konflikte in anderen Ländern gefährden auch die Sicherheit der Menschen in Deutschland. Wer Sicherheit will, muss sich um weltweiten Frieden bemühen. Entwicklungszusammenarbeit hilft, Krisen zu verhindern und Konflikte zu bewältigen.
Auch Umweltprobleme machen nicht an nationalen Grenzen halt. Der hohe Verbrauch fossiler Brennstoffe und die damit verbundene Belastung der Atmosphäre durch Kohlendioxid wirkt sich weltweit auf das Klima aus. Entwicklungszusammenarbeit, die in den Partnerländern den Umweltschutz, umweltfreundliche Produktionsweisen und den Einsatz erneuerbarer Energien fördert, trägt zum globalen Umweltschutz bei.
Durch die enge Verflechtung des Weltwirtschaftssystems bleibt keine Volkswirtschaft unberührt von den Krisen anderer Länder und Regionen. Eine wichtige Basis der deutschen Wirtschaft ist das Exportgeschäft, das von einer stabilen Weltwirtschaft abhängt. Finanz- und Wirtschaftskrisen in Afrika, Asien oder Südamerika führen auch in Deutschland zum Verlust von Arbeitsplätzen. Entwicklungszusammenarbeit, die darauf ausgerichtet ist, die Volkswirtschaften in den Partnerländern zu stabilisieren, stärkt auch die Wirtschaft in Deutschland und in den anderen Geberländern.
Entwicklungspolitik hilft also nicht nur den Nehmern, sondern auch den Gebern. Manchmal sogar ganz direkt: Durch Investitionen in die Entwicklungszusammenarbeit entstehen kulturelle Beziehungen und wirtschaftliche Partnerschaften, die am Ende für alle Seiten Gewinn bringen.
Entwicklungspolitik – weil Wohlstand verpflichtet
Gerechtigkeit und Solidarität sind Grundwerte des menschlichen Lebens: Keiner darf wegsehen, wenn in einem anderen Land unmenschliche Verhältnisse herrschen – wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.
Unsere Kultur basiert auf dem Ideal, dass die Starken die Schwachen unterstützen. Und im deutschen Grundgesetz steht: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."
Die Allgemeinheit, das sind in der globalisierten Welt nicht nur die Menschen in Deutschland, sondern auch die Menschen auf anderen Kontinenten. Der Reichtum der Welt konzentriert sich in den Industriestaaten – sie tragen dadurch Verantwortung dafür, die Armut der Welt zu beseitigen.
Moderne Entwicklungszusammenarbeit ist aber mehr als wohltätige Hilfe für die Armen. Sie fördert die Selbsthilfe und trägt dazu bei, dass Menschen sich aus eigener Kraft aus ihrer Armut befreien können.
Deutschland war selbst einmal Empfängerland internationaler Entwicklungshilfe. Unser im Zweiten Weltkrieg stark zerstörtes Land erhielt durch den Marshallplan Unterstützung in Milliardenhöhe aus den USA. Die Deutschen erlebten, wie wichtig und erfolgreich Hilfe sein kann. Den Wohlstand und die Werteordnung, die unser Land heute kennzeichnen, verdanken wir auch dieser vorausschauenden Nachkriegspolitik, die langfristige Entwicklung und Partnerschaft zur Grundlage hatte. Nicht zuletzt diese Erfahrung bewog die Bundesregierung, selbst in der Entwicklungspolitik aktiv zu werden und als erstes Land in Europa ein Entwicklungsministerium einzurichten.
Informationen
Siehe auch
- Themen und Schwerpunkte
- Wege und Akteure
- Entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit
- Geschichte des Bundesministeriums
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung


