Nichtregierungsorganisationen
Nichtregierungsorganisationen (NROs, auf Englisch non-governmental organisations, NGOs) sind prinzipiell alle Verbände oder Gruppen, die nicht von Regierungen oder staatlichen Stellen abhängig sind und gemeinsame Interessen vertreten, ohne dabei kommerzielle Ziele zu verfolgen – von Gewerkschaften über Kirchen bis zum Sportverein. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff NRO jedoch besonders für Organisationen, Vereine und Gruppen durchgesetzt, die sich gesellschaftspolitisch engagieren. Einige wichtige und typische Betätigungsfelder von NROs sind Entwicklungspolitik, Umweltpolitik und Menschenrechtspolitik.
Die Kompetenzen der Nichtregierungsorganisationen
Nichtregierungsorganisationen sind Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements sowohl in den Partner- als auch den Geberländern. Die Stärke der Nichtregierungsorganisationen liegt unter anderem in der hohen Motivation und Sachkompetenz ihrer Mitarbeiter und Partner sowie in ihrer Nähe zu unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen – einer wesentlichen Voraussetzung zur Mobilisierung von Selbsthilfe und Eigeninitiative.
Ein gemeinsames Merkmal aller NROs ist, dass sie über keine staatlichen Machtmittel verfügen und dass der Staat keinen direkten Einfluss auf sie hat. Dennoch – oder gerade deshalb – ist die Akzeptanz der Arbeit von NROs bei der Bevölkerung und in den Medien weltweit groß. Dadurch haben viele NROs einen besseren Zugang zu den Menschen als staatliche Einrichtungen. Sie schaffen vielerorts ein besonderes Vertrauensverhältnis.
Dieses hat sich schon oft, gerade in politisch sensiblen Situationen, als grundsolide Basis erwiesen, um auch in kritischen Momenten noch in Kontakt und Gesprächen zu bleiben. Und dies auch in Ländern, mit denen eine staatliche Zusammenarbeit aus politischen Gründen schwierig oder unmöglich ist.
Nichtregierungsorganisationen tragen entscheidend dazu bei, dass die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit verankert wird. Sie geben entscheidende Anstöße für die gesellschaftliche Diskussion – in Europa ebenso wie in Entwicklungsländern. Immer größere Bedeutung erlangen sie auch als "watchdogs", also als Mahner und "Anwälte" der Menschen, deren eigene Stimme im politischen Raum kein Gehör findet.
Beim Aufbau des Zivilen Friedensdienstes hat die deutsche Zivilgesellschaft - NROs und Kirchen - die Vorreiterrolle eingenommen.
Die Stärke der NROs liegt in ihren engen Kontakten zur Zivilgesellschaft. Und dies auch in Ländern, mit denen eine staatliche Zusammenarbeit aus politischen Gründen schwierig oder unmöglich ist. Durch ihre langjährige Erfahrung vor Ort haben NROs oftmals langfristige entwicklungsfördernde Strukturen und Netzwerke aufgebaut. Seit einigen Jahren findet daher ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen der Bundesregierung und den NROs statt. Zusammen mit Kirchen, politischen Stiftungen und anderen privaten Trägern werden sie regelmäßig an der Erarbeitung von entwicklungspolitischen Länder- und Regionalkonzepten des BMZ beteiligt.
Die Vielfalt der NROs
Allein in Deutschland gibt es mehrere Tausend entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen – Fördervereine, Initiativgruppen, Aktionsbündnisse, Arbeitsgemeinschaften, Solidaritätskreise, Partnerschaftseinrichtungen, Stiftungen, entwicklungspolitische Netzwerke und viele mehr.
Die meisten dieser Organisationen sind private, kirchliche oder politisch orientierte Träger von Programmen und Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Die wichtigsten Arbeitsbereiche der NROs sind die Armutsbekämpfung, die Förderung von Meinungsbildungs- und Partizipationsprozessen, der Aufbau sozialer und institutioneller Strukturen, die Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe und entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.
Derzeit sind 118 deutsche entwicklungspolitisch ausgerichtete Nichtregierungsorganisationen im Dachverband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) zusammengeschlossen. Jährlich kommen im Durchschnitt 10 neue Mitglieder hinzu. Viele kleinere Nichtregierungsorganisationen sind zudem über entsprechende Landesnetzwerke in die Arbeit von VENRO eingebunden. Die Gesamtzahl der bei VENRO organisierten entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen beläuft sich daher auf rund 2.000.
Die Förderung von NROs
Um ihre Programme durchführen zu können, sind die meisten NROs auf ehrenamtliche Arbeit und Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. Bei der Finanzierung ihrer entwicklungspolitischen Arbeit werden die NROs aber auch von staatlichen Stellen unterstützt. Kommunen, Bundesländer, das BMZ, aber auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen können auf Antrag Geld für die Arbeit der NROs zur Verfügung stellen. Diese Fördermittel sind eine wichtige Ergänzung der Eigenmittel der NROs. Bei vielen Maßnahmen von NROs besteht der Hauptanteil der finanziellen Mittel aus solchen staatlichen Zuschüssen. Das BMZ hat die Vorhaben der privaten Träger im Jahr 2008 mit 33 Millionen Euro gefördert. Im Haushaltsjahr 2009 wird die Förderung 38 Millionen Euro betragen.
Damit Programme und Projekte privater deutscher Träger der Entwicklungszusammenarbeit bezuschusst werden können, müssen unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Gemeinnützigkeit der Organisation und Sitz in Deutschland
fachliche und administrative Kompetenz
Erfahrung in der Zusammenarbeit mit leistungsfähigen, nicht gewinnorientierten Partnerorganisationen in Entwicklungsländern
Das zu fördernde Projekt muss die wirtschaftliche und/oder soziale Lage armer Bevölkerungsschichten unmittelbar verbessern oder zur Achtung der Menschenrechte beitragen.
Der private Träger muss mindestens 25 Prozent der Projektkosten als Eigenanteil aufbringen.
Die im Auftrag des BMZ tätige Beratungsstelle für private Träger in der Entwicklungszusammenarbeit (bengo) unterstützt und berät private Träger bei der Antragstellung.


