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Welthandel

Schiff im Hafen von Mogadischu. Urheberrecht: Siegfried Modola/IRIN

Hintergrund: Das Welthandelssystem

Technische Fort­schritte bei der Kommunikation und Produktion heben die Grenzen zwischen Ländern immer schneller auf und mindern die Wirksamkeit einer Handels­politik, die auf Abgren­zung von In- und Ausland ausgerichtet ist. Besonders deutlich wird dies bei elektronisch "transportierbaren" Dienst­leistungen wie zum Beispiel der Entwicklung von Software. Fast jeder Ort der Welt wird als Produktionsstätte oder als Absatzmarkt in Betracht gezogen. Ob Entwicklung, Buchhaltung, Marketing, Verkauf oder Produktion: Die Verlagerung ganzer Unternehmen an neue Standorte oder die Auslagerung einzelner Bereiche ist heute Standard; je nachdem, wo die Lohnkosten am niedrigsten sind, wo gut qualifiziertes Personal zu finden ist oder wo der Absatz am größten ist.

Auch die Globalisierung des Handels schreitet voran: Während das Volumen des weltweiten Handels 1948 bei 124 Milliarden US-Dollar lag, waren es 2005 etwa 20.670 Milliarden US-Dollar.

Mädchen lernen im Jugendzentrum von Tanga den Umgang mit Computern. Urheberrecht: Ute Grabowski/photothek.netDurch die Welt­wirtschafts­krise sank das Volumen des welt­weiten Handels laut An­gaben der Welt­handels­or­ga­nisation (WTO) im Jahr 2009 um 23 Prozent auf 12.147 Milliarden US-Dollar. Seit mehr als 70 Jahren hat es keinen so starken Rück­gang gegeben. Für 2010 erwartet die WTO einen Anstieg von 9,5 Prozent.

Auch die weltweiten Direktinvestitionen von ausländischen Kapital­gebern sind 2008 in Folge der Weltwirtschaftskrise um 14 Prozent auf 1.700 Milliarden US-Dollar gesunken. Die Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) geht in ihrem Welt­investitions­bericht von einem weiteren Rückgang auf 1.200 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 aus. 2010 sollen die Werte wieder auf 1.400 Milliarden US-Dollar ansteigen, 2011 auf 1.800 Milliarden US-Dollar.

Laut UNCTAD waren 2008 vor allem die westlichen Industrieländer vom Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen betroffen, während die Entwicklungsländer insgesamt sogar zulegen konnten. Ihr Anteil an den gesamten ausländischen Direktinvestionen lag bei 43 Prozent. Für 2009 hat die UNCTAD angesichts der Welt­wirt­schafts­krise erwartet, dass auch in Afrika, Asien und Latein­amerika das Engagement ausländischer Konzerne sinkt.

Probleme von Entwicklungsländern

Für die meisten Entwicklungsländer hat die Liberalisierung des Welthandels nicht die erhofften Verbesserungen gebracht. Kleine und arme Entwicklungsländer bleiben weitgehend vom wachsenden Handel ausgeschlossen. Um für Investoren attraktiv zu werden, sind sie im globalen Standortwettbewerb gezwungen, Zugeständnisse zu machen: Sie richten darum zum Beispiel Freihandelszonen ein oder senken die Steuern. Durch solche Maßnahmen entgehen den Regierungen jedoch Einnahmen, die dringend für Investitionen in Bildung, Gesundheit, Soziales und Infrastruktur benötigt würden.

Oft können Unternehmen in Entwicklungsländern noch nicht mit ausländischen Wettbewerbern konkurrieren. Weil sich in vielen Ländern noch keine effektive Exportwirtschaft entwickeln konnte, hilft auch eine schnelle Marktöffnung nicht weiter – ohne einen gewissen Außenschutz ist es sehr schwierig, eine Exportwirtschaft erfolgreich aufzubauen. Erschwerend kommen die großen Schwan­kungen von Welt­markt­preisen hinzu, vor allem bei Roh­stof­fen. Sie gefährden die wirtschaftliche Stabilität vieler Entwicklungs­länder. Und die Subventionen der Industrieländer, vor allem im Agrarsektor, führen dazu, dass viele Produkte aus weniger entwickelten Regionen auf dem Weltmarkt nicht konkurrieren können.

Regeln für fairen weltweiten Handel

Nach 1945 versuchten die Siegermächte das internationale Finanz-, Währungs- und Handelssystem neu zu ordnen. Zur Stabilisierung und Finanzierung des Wiederaufbaus wurden die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet. Die Wieder­be­lebung des Welthandels sollte eine Internationale Handels­organi­sation (ITO) übernehmen. Doch die Idee scheiterte. Stattdessen wurde das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) verabschiedet. Es sollte die Zölle und Abgaben im internationalen Handel abbauen und einen Prozess zur Lösung von Handelskonflikten etablieren. In insgesamt acht mehrjährigen Verhandlungsrunden wurden die Zölle schrittweise gesenkt, dabei wurde auch über den Abbau von Subventionen verhandelt.

Bei der letzten Verhandlungsrunde innerhalb des GATT, der so­ge­nannten Uruguay-Runde (1986 bis 1994) wurden die Verein­ba­rungen erweitert. Hinzu kamen das Allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS) und das Überein­kommen über handels­bezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS).

Als Nachfolgeorganisation entstand 1995 die Welt­handels­organi­sation (WTO). Sie basiert auf dem GATT und ist heute das wichtigste Forum für den Welthandel. Die WTO legt Regeln für den inter­natio­nalen Umgang mit Waren, Dienstleistungen und geistigem Eigentum fest, die fast alle Menschen der Welt betreffen. Das GATT blieb als eines der wichtigsten Abkommen für den internationalen Handel innerhalb der WTO bestehen und wird weiterentwickelt.

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