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Sozialstandards

Gesellschaftliche Verantwortung
in Unternehmen: Freiwillige Verhaltenskodizes
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kann keine Sanktionen bei der Missachtung von Sozialstandards verhängen. Deshalb spielen private Initiativen wie freiwillige Verhaltensregeln und Gütesiegel eine wichtige Rolle bei der weltweiten Durchsetzung von Kernarbeitsnormen. Inzwischen gibt es viele Initiativen, in denen Privatwirtschaft, Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Gewerkschaften gemeinsam an der Einführung von Sozialstandards arbeiten (Multi-Stakeholder-Initiativen).
Durch freiwillige Verhaltenskodizes können auch deutsche Unternehmen dazu beitragen, dass Menschenrechte in den Entwicklungsländern geachtet werden. Wenn bei der Vergabe von Produktionsaufträgen an ausländische Firmen nicht nur Preise, sondern auch Sozialstandards ausschlaggebend sind, bemühen sich die Firmen, diese Bedingungen einzuhalten. So können geregelte Arbeitszeiten, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und das Verbot von Kinderarbeit durchgesetzt werden. Auch für die deutschen Unternehmen bringt das vielfältige Vorteile mit sich, unter anderem kann die Qualität der Produkte gesteigert werden. Das positive Image, das Firmen, die Sozialstandards einhalten, bei den Verbrauchern haben, kann zudem den Marktwert eines Unternehmens erhöhen.
Runder Tisch Verhaltenskodizes
Gemeinsam mit Vertretern von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Behörden hat das BMZ 2001 den Runden Tisch Verhaltenskodizes gegründet. Er fördert freiwillige Verhaltenskodizes in deutschen Unternehmen, die über Produktionsstätten in Entwicklungsländern verfügen oder mit dortigen Zulieferern zusammenarbeiten.
Der Runde Tisch hat unter anderem einen international sehr beachteten Ansatz zur partizipativen Umsetzung von Sozialstandards erarbeitet. Er hat außerdem einen Ratgeber mit Beispielen aus der Praxis herausgegeben, an denen sich Unternehmen orientieren können.
Branchenweit gültige Verhaltensregeln
Da es für viele mittelständische Unternehmen sehr schwierig ist, einen eigenen Verhaltenskodex zu entwickeln, haben einige Wirtschaftszweige Initiativen ins Leben gerufen, um branchenweit gültige Normen zu erarbeiten.
Ein Beispiel dafür ist der "Common Code for the Coffee Community" (deutsch: Gemeinsamer Kodex für die Kaffee-Gemeinschaft). Er hat das Ziel, einen weltweit gültigen Verhaltenskodex für die sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Kaffee zu entwickeln. Das BMZ hat diese Initiative 2002 gemeinsam mit der GTZ (heute: GIZ) und dem deutschen Kaffeeverband ins Leben gerufen. Der Kodex soll dazu beitragen, dass sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Rohkaffeeproduzenten verbessern und umweltschädliche Anbaumethoden vermieden werden.
Auch für den Einzelhandel gibt es entsprechende Initiativen. Um die Arbeitsbedingungen in ausländischen Zulieferbetrieben zu ändern, hat die Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) einen Verhaltenskodex eingeführt. Er beruht auf den Konventionen der ILO. Die Unternehmen des deutschen Einzelhandels haben sich nicht nur dazu verpflichtet, ihre Lieferanten zu überprüfen und zu bewerten. Sie unterstützen sie auch aktiv bei der Einführung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen. Ziel ist es, langfristig zur Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen in den jeweiligen Lieferländern beizutragen.
Die Ergebnisse der Überprüfungen werden in einer Datenbank festgehalten, auf die die Mitgliedsunternehmen zugreifen können. So muss nicht jedes einzelne Unternehmen eigene Prüfer in die Betriebe schicken.
Informationen

Publikationen

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Unternehmerische Verantwortung aus entwicklungspolitischer Perspektive
BMZ Spezial 167
(PDF 609 KB, barrierefrei) -
Märkte entwickeln, Wohlstand schaffen, Armut reduzieren, Verantwortung übernehmen – Die Wirtschaft als Partner der Entwicklungspolitik
(PDF 223 KB, barrierefrei) -
Kooperation mit dem Privatsektor im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit – Kooperationsformen
(PDF 347 KB, barrierefrei)





