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Umweltstandards

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Hintergrund: Unternehmen zu mehr Umweltschutz motivieren
In der Landwirtschaft und in vielen Industriebetrieben in Entwicklungsländern werden umwelt- und gesundheitsschädliche Substanzen eingesetzt und zum Teil nicht fachgerecht verarbeitet und entsorgt. Gleichzeitig werden Ressourcen wie Wasser, Energie oder Materialien nicht effizient eingesetzt. Zahlreiche Einwohner dieser Länder, mehrheitlich Arme, haben unter den direkten Folgen – zum Beispiel der Verschmutzung von Trinkwasser – zu leiden. Die Schäden an der Umwelt können so groß sein, dass die Entwicklung der betroffenen Länder gehemmt wird.
Umweltschutzmaßnahmen und umweltfreundliche Produktionsverfahren, die Ökosysteme schonen und natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen, sind langfristig entwicklungsfördernd – aber sie können Geld kosten und kurzfristig den Gewinn von Unternehmen mindern. Freiwillig für solche Maßnahmen und den daraus resultierenden allgemeinen Nutzen zu bezahlen, gilt bei vielen Unternehmen noch als "unwirtschaftlich".
Das kann sich ändern, wenn mit Mitteln der Marktwirtschaft für mehr Umweltschutz gesorgt wird. Dazu sind Rahmenbedingungen erforderlich, die zum einen sicherstellen, dass Verursacher von Umweltbelastungen auch für die durch sie entstehenden Kosten aufkommen müssen. Zum anderen können etwa über Zertifizierungen nachhaltig erzeugter Produkte und entsprechende Verbraucherinformationen für Unternehmen interessante Märkte geschaffen werden.
Ein wichtiges Element solcher Rahmenbedingungen sind Umweltstandards. Sie haben den Zweck, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und gleichzeitig die dauerhafte Verfügbarkeit der Naturressourcen und Ökosystemleistungen sowie den Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit zu gewährleisten. Umweltstandards definieren bestimmte Anforderungen an die Produktion und die gesamte Wertschöpfungskette – oft von der Herstellung bis zur Entsorgung. Unternehmen, die diese Anforderungen erfüllen, sichern sich langfristig Wettbewerbsvorteile.
Entwicklung und Verbindlichkeit von Umweltstandards
Umweltstandards entstehen in einem dynamischen Prozess. Er orientiert sich an naturwissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Erkenntnissen und Wertvorstellungen. Rechtliche Verbindlichkeit erhalten Umweltstandards durch staatliche Regelungen auf nationaler Ebene oder durch zwischenstaatliche und internationale Abkommen. Sie schreiben zum Beispiel Grenzwerte oder Pflichtkennzeichnungen vor. Auch als freiwillige Übereinkunft, zum Beispiel von Produzenten des ökologischen Landbaus, können Umweltstandards festgelegt werden.
Während staatliche Vorschriften verbindlich einzuhalten sind, dienen nicht-hoheitliche Standards als Handlungsempfehlung oder Beurteilungshilfe.
Verschiedene Standards
Im internationalen Handel sind vor allem drei Typen von Umweltstandards von Bedeutung:
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Produktstandards legen die Eigenschaften eines Produkts fest. Sie dienen in erster Linie dem Verbraucher- und Umweltschutz. Um die Verbraucher über den Produktstandard zu informieren, werden Kennzeichnungen und Gütesiegel verwendet.
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Produktions- und Prozessstandards machen Vorgaben für Produktionsprozesse. Zwei Arten werden unterschieden: Zum einen solche, die sich in den physischen Eigenschaften der Endprodukte niederschlagen (etwa die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, die zu Pestizidrückständen führen kann). Zum anderen Methoden, die sich zwar nicht in den physischen Eigenschaften niederschlagen, sich aber dennoch auf Umwelt und Menschen auswirken (etwa Wasserverbrauch, Kinderarbeit).
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Verhaltens- oder Systemstandards beziehen sich auf Unternehmensabläufe. Sie sollen das betriebliche Umweltmanagement verbessern.
Herausforderungen
Entwicklungsländer müssen sich an die in den Industrieländern vorgeschriebenen Umweltstandards halten, wenn sie ihre Waren in diese Länder exportieren wollen. Einige Standards werden darum als Handelsbarrieren empfunden. Dementsprechend werden sie von manchen Entwicklungsländern als Maßnahmen kritisiert, die nur dazu dienten, die Märkte der Industrieländer zu schützen. Vielen Entwicklungsländern fehlen außerdem die finanziellen und logistischen Ressourcen sowie ausreichende Informationen über die Entwicklung und Umsetzung von Standardisierungs- und Kennzeichnungsprozessen. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen sind die Investitionen, die für eine nachhaltige Produktion notwendig sind, eine Herausforderung. Die Umsetzung freiwilliger Standards kann allerdings auch Wettbewerbsvorteile bieten.
Wirkungen
Die Märkte für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen aus Entwicklungsländern sind noch vergleichsweise klein. Doch sie wachsen beachtlich und verschaffen schon heute weltweit sehr vielen Familien ein gutes Einkommen und steigern die unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit. Neben diesen sichtbaren Wirkungen auf die Wirtschaft sind auch günstige soziale und ökologische Effekte festzustellen. Das hat die vom BMZ beauftragte unabhängige Evaluierung "Einführung freiwilliger sozialer und ökologischer Standards in Entwicklungsländern" ergeben.
Der Schutz und die nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen und Ökosystemen, etwa durch den Verzicht auf Pestizide, durch Einsparungen beim Wasser- und Energieverbrauch oder durch verantwortungsvollen Umgang mit Abwässern und Abfällen, haben positive Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Im Zusammenspiel mit Sozialstandards haben ökologische Leitlinien die Lebens- und Arbeitsbedingungen insbesondere vormals schutzloser Menschen deutlich verbessert. Beispiele dafür sind die Verminderung von Sicherheits- und Gesundheitsrisiken im Arbeitsalltag oder die Verbesserung des sozialen Zusammenhalts in dörflichen Gemeinschaften und Kooperativen.
Von besonderer Bedeutung für die Entwicklungspolitik ist die Tatsache, dass Umweltstandards auch einen Beitrag zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) leisten. Die Reduzierung der weltweiten Armut durch erhöhte Einkommenschancen (MDG 1), das Recht auf Bildung (MDG 2), die Gleichstellung der Frau (MDG 3) und der Schutz der Umwelt (MDG 7) sowie weitere Anliegen der internationalen Gemeinschaft werden durch die Umsetzung von Umweltstandards gefördert.
Informationen

Publikationen

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Einführung freiwilliger sozialer und ökologischer Standards in Entwicklungsländern
(PDF 310 KB, barrierefrei) -
Märkte entwickeln, Wohlstand schaffen, Armut reduzieren, Verantwortung übernehmen – Die Wirtschaft als Partner der Entwicklungspolitik
(PDF 223 KB, barrierefrei) -
Ökologisches Wirtschaften
BMZ-Informationsbroschüre
(PDF 5 MB, barrierefrei) -
Unternehmerische Verantwortung aus entwicklungspolitischer Perspektive
BMZ Spezial 167
(PDF 609 KB, barrierefrei)





