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Privatwirtschaftsförderung
Nicaragua: Bio-Kakao aus dem Agroforst
Kakao ist ein wichtiges Exportprodukt Nicaraguas. Etwa 6.500 kleinbäuerliche Familienbetriebe leben vom Kakaoanbau. Mit konventionellen Anbaumethoden können die Bauern das Einkommen für ihre Familien heute jedoch nicht mehr sichern: Ihre Erträge und ihre Erlöse sind zu gering. Durch einseitige Bewirtschaftung der Flächen vermindert sich die Fruchtbarkeit der Böden immer mehr; und auf dem Weltmarkt hat der konventionelle Kakao wenige Chancen, weil er viele Qualitätskriterien nicht erfüllt.
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt im Auftrag des BMZ ein Programm, um den Bauern mit ihrem traditionellen Produkt Kakao Chancen für die Zukunft zu eröffnen. Dazu fördert die GIZ in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Ritter Sport und der nicaraguanischen Nichtregierungsorganisation ADDAC (Asociación para la Diversificación y el Desarollo Agricola Comunal) den ökologischen Kakaoanbau.
Ziel dieser öffentlich-privaten Entwicklungspartnerschaft (PPP) ist die Verbesserung des Einkommens der kleinbäuerlichen Familienbetriebe sowie der Schutz der Umwelt: Nicht nur die Menge und Qualität des Kakaos soll gesteigert werden, er soll in Zukunft auch ressourcenschonend erzeugt werden.
Eingesetzt wird dazu Agroforstwirtschaft, eine Produktionsmethode, die Elemente der Landwirtschaft mit Elementen der Forstwirtschaft kombiniert: Der Bio-Kakao wird in Mischkulturen gewonnen, wie sie unter natürlichen Gegebenheiten im Regenwald zu finden sind. Die Kakaobäume bekommen unter anderem größere Pflanzen zur Seite, die sie vor direkter Sonne und Wind schützen. Über eine mehrstufige Nutzung des Raums mit verschiedenen Kulturpflanzen erfolgt ein Schutz des Bodens bei gleichzeitiger Steigerung der Anzahl von vermarktungsfähigen Produkten wie Edelhölzer, Bananen, Zimt, Zitrusfrüchte, Kardamom und Mango. Die Erosionsgefahr wird somit gemindert und die Bodenfeuchtigkeit und -fruchtbarkeit wird bewahrt.
Kakao hat als Exportprodukt auf dem Weltmarkt bei stetig wachsender Nachfrage stark an Wert gewonnen. Die Erzeugung von Bio-Kakao ist deshalb nicht nur eine ideale Maßnahme, um die Umweltressourcen zu schonen, sondern ist für die Bauernfamilien auch wirtschaftlich attraktiv.
Das Programm arbeitet zurzeit mit etwa 2.300 Kleinbauernfamilien in den Regionen von Rancho Grande, Waslala, Kuskawas, Matiguas, La Dalia, Rio Blanco und Boca de Sábalos. Langfristig ist eine Ausweitung des Programmgebietes geplant.
Erste Erfolge
Das Programm bietet den Bauern technische Beratung bei der Biozertifizierung, dem Aufbau geeigneter Infrastrukturen und Verfahren sowie der nachhaltigen Qualitätssicherung ihres Produktes. Durch die Einführung von Kakaotrocknungstunneln, die mit Sonnenenergie funktionieren, wird für die Kakaotrocknung kein Holz mehr verbraucht – zuvor wurde dafür pro Kilogramm Kakao ein Kilogramm Holz verbrannt.
Das Unternehmen Ritter Sport garantiert den Bauern die Abnahme ihres Kakaos zu gerechten Einkaufspreisen. Dabei wird auf direkte Zahlungen an die Bauern besonderer Wert gelegt. Der Ertrag der Kakaobauern hat sich durch das Programm in kurzer Zeit bereits mehr als verdreifacht – und die Exportmenge stieg innerhalb von knapp zwei Jahren Projektlaufzeit von 30 auf über 500 Tonnen. Das entspricht einem Exportertrag von mehr als zwei Millionen US-Dollar – Geld, das den Kleinbauern und ihren Familien zugute kommt.
Engagement der GIZ
Die GIZ berät die betroffenen Bevölkerungsgruppen und Kooperativen, organisiert die erforderlichen Begleitmaßnahmen und unterstützt Kakaoerzeuger und -abnehmer beim Aufbau von fairen und langfristigen Arbeitsbeziehungen. Ein Entwicklungshelfer der GIZ betreut als Projektleiter den Aufbau einer Ankaufsstation und die Errichtung von Fermentier- und Trocknungsanlagen für die am Projekt beteiligten Kooperativen. Er berät die Kooperativen außerdem im Bereich Produktion und Vermarktung und koordiniert die Logistik und Kommunikation mit Ritter Sport in Deutschland.
Eine Entwicklungsstipendiatin der GIZ wird eine Programmdokumentation erstellen, neue Beratungsunterlagen erarbeiten, Publikationen für die Öffentlichkeit ausarbeiten sowie die praktischen Erfahrungen so zusammenfassen, dass andere Projekte darauf aufbauen können. In Kooperation mit einer französischen Universität werden Daten für eine Studie erhoben, um die Entwicklung in der Region und die Wirkungen des Entwicklungsvorhabens besser nachvollziehen und belegen zu können.
Die öffentlich-private Entwicklungspartnerschaft in Zahlen
Beitrag von Ritter Sport:
im ersten Jahr: etwa 350.000 Euro
im zweiten Jahr: etwa 170 000 Euro
Übernahme der gesamten Kosten für die Biozertifizierung der Bäuerinnen und Bauern
Beitrag der GIZ:
im ersten Jahr: etwa 160.000 Euro
im zweiten Jahr: etwa 160.000 Euro
Beitrag der ADDAC:
im ersten Jahr: etwa 16.000 Euro
im zweiten Jahr: etwa 16.000 Euro
Geplante Laufzeit: bis 2012
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