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Finanzdienstleistungen

Finanzdienstleistungen für Arme: Mikrofinanzierung

Projekt CARD, Philippinen, Innenansicht der Bank, (c) sparkassenstiftungKleinstkredite – schon ab 50 US-Dollar – und andere sogenannte Mikrofinanz­leis­tungen, wie Versicherungen und Spareinlagen sowie die Verein­fachung von Bank­über­wei­sungen, sind ein wichtiges Instrument, um armen Bevölkerungsgruppen dabei zu helfen, ihre Existenz zu sichern und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2006 an Muhammad Yunus und die von ihm gegründete Mikrofinanzbank haben dies einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt.

Kurz gefasst bedeutet Mikrofinanzierung, dass benachteiligten Bevölkerungsgruppen, denen herkömmliche Banken aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung stehen, finanzielle Basisdienstleistungen angeboten werden.

Das thematische Spektrum von Mikrofinanzorganisationen ist groß: Landwirtschaftliche Genossenschaftsbanken verleihen Geld für den Kauf von Saatgut; Kleinkredite für den Wohnungsbau helfen dabei, dass sich auch ärmere Menschen eigenen, menschenwürdigen Wohnraum leisten können; zinsbegünstigte Kredite ermöglichen Firmen, Umweltschutzmaßnahmen durchzuführen oder erneuerbare Energien zu nutzen; die Verknüpfung der Vergabe von Kleinkrediten an Frauen mit Beratungen zur HIV/AIDS-Vorsorge hilft, die Gesundheitssituation der Familien zu verbessern.

Frauen spielen beim Aufbau von Mikrofinanzorganisationen eine tragende Rolle. Für sie ist es oft noch schwieriger als für Männer, Geldgeschäfte zu tätigen. Der Zugang zu einem Kleinstkredit kann der erste Schritt zu ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit sein. Viele erfolgreiche Kleinstkreditprogramme arbeiten vorrangig mit Frauen zusammen. Insgesamt sind mehr als 80 Prozent der Mikrofinanzkunden Frauen.

2008 erhielten mehr als 75 Millionen Menschen einen Mikrokredit. Der Bedarf ist jedoch deutlich höher: Mehr als eine Milliarde Menschen leben in Armut. Viele von ihnen könnten mit Hilfe von Kleinstkrediten ihre Lebenssituation entscheidend verbessern.

Deutsches Engagement

Eine junge Frau steht vor dem Eingang zur ProCredit Bank. (c) KfWDie Förderung von Mikrofinanzierung ist ein wichtiges Instrument zur Stärkung der Selbst­hilfekräfte in den Entwick­lungs­ländern. Sie ist darum fester Bestandteil der deutschen Entwicklungs­politik und in das deutsche Gesamtkonzept für die Finanz­sektor­förderung eingebunden. Die Bundesrepublik gehört zu den führenden Geberländern in diesem Bereich.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die Arbeit von Mikro­finanz­organi­sationen auf vielfältige Art. Durch­führungs­organi­sationen des BMZ wie die KfW Entwicklungsbank oder die DEG, die sich auf Finanzielle Zusammenarbeit spezialisiert haben, vergeben zum Beispiel Kredite zur Absicherung von Mikrofinanzorganisationen oder übernehmen Beteiligungen.

Insbesondere die GIZ unterstützt im Auftrag des BMZ den Aufbau und die Erweiterung von Mikro­finanz­organi­sationen und beraten staatliche Stellen bei der Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für Mikrofinanzgeschäfte.

Auch Nichtregierungsorganisation, gemeinnützige Stiftungen des Bankensektors und Bankenverbände engagieren sich. Sie passen zum Beispiel erfolgreiche Finanzmodelle an die Bedingungen von Entwick­lungs­ländern an und übertragen sie auf die Gegebenheiten vor Ort.

Die Anbindung der Mikrofinanzorganisationen an den internationalen Finanzmarkt und ihre Vernetzung untereinander ist ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Ziel des deutschen Engagements ist es außerdem, die Organi­sationen finanziell unabhängig und profitabel zu machen: Nur wenn sich eine Mikrofinanzorganisation langfristig selbst trägt, kann sie einen nachhaltigen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten.

Refinanzierungsengpässe durch die Finanzkrise

Die globale Finanzkrise hat bei vielen Mikrofinanzinstitutionen Refinanzierungsengpässe verursacht wodurch die Kreditvergabe stagniert. Um die Liquiditätsschwierigkeiten zu überbrücken, hat das BMZ durch die KfW Entwicklungsbank und gemeinsam mit der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) 2009 die globale "Micro­finance Enhancement Facility" aufgelegt. Sie stellt hierfür knapp 500 Millionen US-Dollar für Mikrofinanzinstitutionen zur Verfügung.

Deutschland fördert außerdem regionale Fonds zur Unterstützung von Mikrofinanzinstitutionen wie den European Fund for South-East Europe (EFSE) oder den regionalen Investitionsfonds für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen in Afrika südlich der Sahara (REGMIFA), der im Dezember 2009 gestartet ist.

Um das Angebot von Währungsabsicherungen für Unternehmen in Entwicklungsländern zu erweitern, hat sich Deutschland Ende 2008 am Lokalwährungsfonds TCX beteiligt. Er ermöglicht lokalen Mikrofinanzinstitutionen und Banken sowie bi- und multilateralen Entwicklungsfinanzierern Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern Kredite in Lokalwährung zu gewähren. Wegen der starken Abwertung zahlreicher lokaler Währungen ist dies für viele Unternehmen überlebenswichtig, weil sie ihre Einnahmen ebenfalls in lokaler Währung erwirtschaften.

Im Zusammenhang mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist außerdem die Erweiterung des Zugangs zu Mikroversicherungen für einkommensschwache Menschen ein wichtiger Schwerpunkt der Zusammenarbeit.

Hintergründe hierzu finden Sie im Positionspapier

Weitere Informationen hierzu finden Sie auch unter
Soziale Sicherung.

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