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Fertigung einer Autokarosserie in Mexiko. Urheberrecht: Photothek.net

Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Armut bekämpfen und Gerechtigkeit schaffen

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Kein Land kann sich nachhaltig entwickeln, wenn sich nicht auch seine Wirt­schaft entwickelt. Breiten­wirk­sames Wirtschaftswachstum ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Reduzierung der Armut. Wirt­schafts­wachs­tum schafft Beschäftigungsmöglichkeiten, die armen Bevölkerungs­gruppen helfen, ihre Existenz aus eigener Kraft zu sichern. Durch die zu­neh­mende Globalisierung von Wirtschaftsprozessen und die Liberalisierung des Handels stehen die Partner­länder der Entwicklungs­zusammen­arbeit vor großen Heraus­for­derungen – aber auch vor großen Chancen für ihre eigene Entwicklung. Einigen Ländern und Unter­nehmen gelingt es bisher gut, sich an die neuen Bedingungen und den globalen Wett­bewerb an­zu­passen. Anderen Ländern fällt das schwer. Es besteht die Gefahr, dass sie von der weltweit positiven Wachs­tums­dynamik ausgeschlossen und letztlich benachteiligt werden. Um allen eine gerechte und nach­haltige Teilhabe am globalen Wachs­tums­prozess zu ermöglichen, fördert die deutsche Entwick­lungs­politik wirtschaftliche Entwick­lung auf Grund­lage der Grundsätze der sozialen und ökologischen Marktwirtschaft.


Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft

Die sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme der Entwick­lungs­länder zu lösen, ist eine Heraus­forderung, die nicht alleine auf Regierungs­ebene bewältigt werden kann. Erforderlich ist eine inten­sive Zusammen­arbeit aller gesell­schaft­lichen Kräfte. Besonders großen Einfluss auf die Gestaltung der Globali­sierung haben Unternehmen der Privatwirtschaft. Durch Zusammen­arbeit mit ihnen können zusätzliche Kräfte, Know-how und Geld für die Entwicklungs­zusammen­arbeit gewonnen werden. Das Engage­ment und die Gestal­tungs­kraft privater Unternehmen dringen außerdem oft in Bereiche vor, die der Staat aus politischen, ökono­mischen oder logis­ti­schen Gründen nicht erreichen kann. Die deutsche Bundes­regierung arbeitet darum auf verschiedenen entwick­lungs­poli­tischen Ebenen intensiv und sehr erfolgreich mit der Privatwirtschaft zusammen.


Fairer Handel

Verbraucherinnen und Verbraucher spielen eine wichtige Rolle im Welthandelssystem, denn durch ihre Kaufentscheidungen können sie unmittelbar Einfluss auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern nehmen. Der Faire Handel ("Fair Trade") leistet einen Beitrag zur Armutsbekämpfung und fördert nachhaltiges Wirtschaften. Wer fair gehandelte Produkte kauft, sichert den Produzentinnen und Produzenten ein gerechtes Einkommen, von dem sie sich und ihre Familien ernähren können. Langfristige Handelsbeziehungen und faire Preise, die in der Regel über dem Welt­marktniveau liegen, schaffen Planungssicherheit und ermöglichen es den Pro­duzenten­or­ga­ni­sa­tionen, in die Zukunft zu investieren. Bisher hat der Faire Handel nur einen kleinen Anteil am Welt­handel. Er hat dennoch das Potenzial, Globalisierung gerecht zu gestalten und trägt dazu bei, un­ge­rechte Weltwirtschaftsstrukturen langfristig abzubauen.


Deutschlands Ziel: Faire Regeln im internationalen Handel

Die globale Marktwirtschaft erfordert internationale Einrichtungen, die geeignete Rahmenbedingungen für einen fairen weltweiten Handel schaffen. Das wichtigste Forum dafür ist die Welthandels­organisation (WTO). Sie legt seit 1995 Regeln für den Verkehr von Waren, Dienstleistungen und geistigem Eigentum fest, die fast alle Menschen der Welt betreffen. Ziel der deutschen Entwicklungs­politik ist, zu einer stabilen und sozial verantwortlichen Weltwirtschaftsordnung beizutragen. Die Bundesrepublik setzt sich auf inter­nationaler Ebene dafür ein, handelsverzerrende Subventionen in den Industrieländern abzubauen und die Märkte der Industrieländer für die Produkte der Entwicklungs­länder zu öffnen. Um zu verhindern, dass aus Wettbewerb Ausbeutung wird, engagiert sie sich außerdem für menschenwürdige Arbeitsbedingungen.


Sozialstandards

Die globale Konkurrenz um Märkte und Investoren ist hart. Um sich kurzfristig Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, werden in manchen Entwicklungsländern grundlegende Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer missachtet – die Sozialstandards. Deutschland setzt sich für die weltweite Durchsetzung dieser Standards ein, denn ihre Einhaltung ist ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Kooperationsländern und zur Minderung der Armut. Viele Unternehmen haben inzwischen festgestellt, dass Sozialstandards auch ein Wettbewerbsvorteil sein können.


Umweltstandards

Umweltschutzmaßnahmen und umweltfreundliche Produktionsverfahren, die Ökosysteme schonen und natürliche Ressourcen nachhaltig nutzen, sind langfristig entwicklungsfördernd und volkswirtschaftlich rentabel. Für Unternehmen sind sie oftmals auch betriebswirtschaftlich lohnend und zudem ein Wett­bewerbs­faktor. In jedem Fall erfordern sie Veränderungen, die teilweise eine Vielzahl von Akteuren und Kunden­beziehungen betreffen, um wirksam zu sein. Der Staat und auch die Unter­nehmen können mit Mitteln der Marktwirtschaft Anreize für Umwelt- und Ressourcen­management schaffen, um das Vorsorge- und Verursacherprinzip umzusetzen. Ein wichtiges Element solcher Rahmenbedingungen sind Umweltstandards. Sie haben den Zweck, eine auf Nachhaltigkeit ausgelegte Entwicklung zu fördern und damit natürliche Ressourcen auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Bundes­republik unterstützt ihre Kooperationsländer bei der Einführung solcher Standards.


Information und Kommunikation

Trotz der schnellen technischen Entwicklung gibt es weltweit viele Menschen, denen der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und den damit verbundenen Möglichkeiten verwehrt bleibt. Laut der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) hatten beispielsweise in Subsahara-Afrika 2008 im Durchschnitt nur 18 von 100 Einwohnern ein Mobiltelefon, das Internet nutzen sogar lediglich drei von 100 Einwohnern. Im Gegensatz dazu kamen in Deutschland 118 Mobiltelefone auf 100 Menschen und 69 von 100 nutzten das Internet. Informations- und Kommunikationstechnologien werden für die Entwicklungszusammenarbeit immer wichtiger. Sie sind nicht nur unverzichtbare Werkzeuge für die Projektplanung und Koordination, sie spielen auch für das Erreichen spezifischer Entwicklungsziele eine zentrale Rolle.



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