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Hintergrund

Internationale Initiativen

Spätestens seit der ersten UNO-Weltkonferenz zum Thema Umwelt in Stockholm 1972 steht Wasser ganz oben auf der entwicklungs­politischen Agenda der inter­nationalen Gemein­schaft. Deutsch­land engagiert sich in vielen wichtigen inter­nationalen Initiativen für Verbesserungen im Wassersektor.

Internationale Süßwasserkonferenz

2001 hat die deutsche Bundes­regierung die Inter­nationale Süßwasser­konferenz in Bonn ausgerichtet. Die deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit orientiert sich an den zentralen Handlungs­empfehlungen der Konferenz sowie an den fünf "Bonner Schlüsseln", die von der Konferenz als Priorität für den Wasser­sektor identifiziert wurden.

Der erste Schlüssel umfasst eine sichere Wasser­versorgung für die Armen. Der zweite betrifft die Dezentralisierung. Die Schaffung neuer Partner­schaften zur Einbindung aller Beteiligten im Wasser­bereich beschreibt der dritte Schlüssel. Der vierte betont, wie wichtig es ist, dass die verschiedenen Wasser­nutzer – auch an grenz­über­schreitenden Gewässern – kooperieren und nachhaltig handeln. Der fünfte Schlüssel umfasst verbesserte politische und rechtliche Rahmen­bedingungen und verbesserte Regierungs­führung.

Wasserdekade "water for life"

Für den Zeitraum 2005 bis 2015 haben die Vereinten Nationen eine Wasser­dekade "water for life" ausgerufen. Das BMZ fördert in diesem Zusammen­hang die Aktivitäten von UN-Water. UN-Water hat die Aufgabe, die Arbeit der mehr als zwei Dutzend im Wasser­sektor aktiven UN-Institutionen zu koor­dinieren und zu unter­stützen. 2007 hat das Büro zur Wasser­dekade (UNW-DPC) im Campus der Vereinten Nationen in Bonn seine Arbeit auf­ge­nommen. Hier werden die Aktivitäten und Programme zur Kapazitäts­entwicklung aufeinander abgestimmt und verstärkt. Das Büro wird vom BMZ und vom Bundes­ministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Weltwasserforum (WWF)

Das Weltwasserforum findet alle drei Jahre statt und beschäftigt sich mit Fragen der weltweiten Wasser­versorgung und des Wasser­managements.

Zum ersten Weltwasserforum trafen sich 1997 auf Initiative des Welt­wasser­rats (World Water Council, WWC) Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in Marrakesch. Ziel dieser Konferenz war es, sich über Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Wasser­ressourcen zu einigen. Die Teil­nehmer beauftragten den Welt­wasser­rat damit, eine "Vision für Wasser, Leben und Umwelt für das 21. Jahr­hundert" zu entwickeln.

Diese Vision bildete eine der Diskussions­grund­lagen für das zweite Welt­wasser­forum im März 2000 in Den Haag. Das Forum verabschiedete ein Aktions­programm für den nach­haltigen Umgang mit Süß­wasser in den kommenden 25 Jahren.

Das dritte Weltwasserforum fand 2003 im japanischen Kyoto statt und war der Höhe­punkt des inter­nationalen Jahres des Süß­wassers, das unter dem Motto "From Declarations to Actions" ("Von Absichtserklärungen zu Aktivitäten") stand. In einer Minister­deklaration wurden die auf dem Welt­gipfel von Johannes­burg verabschiedeten Ziele im Wasser­bereich bestätigt. Auf dem Forum wurde außerdem der "Hashimoto Aktionsplan des Beirats des General­sekretärs der Vereinten Nationen zu Wasser und sanitärer Grund­versorgung" (UNSGAB) vorgestellt. Er enthält Anregungen für konkrete Maßnahmen im Wasser- und Sanitär­versorgungs­sektor.

Unter dem Motto "Local Action for Global Challenge" (frei über­setzt "durch Aktionen vor Ort der globalen Heraus­forderung begegnen") fand im März 2006 in Mexiko-Stadt das vierte Welt­wasser­forum statt.

Das fünfte Weltwasserforum mit dem Leit­gedanken "Bridging Divides for Water" ("Klüfte überbrücken für Wasser") trat im März 2009 in Istanbul zusammen. Dort lag der Fokus auf globalen Heraus­forderungen wie dem Klima­wandel und der Ernährungs­sicherung. Doch auch Themen wie Bevölkerungs­entwicklung, Energie­gewinnung, Wasserver- und -entsorgung, Schutz von Wasser­ressourcen, Finanzierungs­fragen, Bewusstseins­bildung und Wissens­vermittlung wurden von den mehr als 20.000 Teil­nehmerinnen und Teilnehmern diskutiert.

Im März 2012 wird Marseille Gast­geber des sechsten Welt­wasser­forums sein, das unter dem Motto "Time for Solu­tions" (Zeit für Lösungs­ansätze) stehen wird.

Jährliche Weltwasserwoche in Stockholm

Die Weltwasserwoche in Stockholm ist das führende inter­na­tio­nale Forum zum Thema Wasser und Entwicklung. Seit 1991 treffen sich in der schwedischen Haupt­stadt jedes Jahr Fachleute aus aller Welt, um über die umwelt­verträgliche Nutzung der Ressource Wasser zu diskutieren. Die Stock­holmer Welt­wasser­woche ist zu einem der wichtigsten Diskussions­foren für die Entwicklungs­politik im Wasser­sektor weltweit geworden. Schwer­punkt­thema 2011 war Wasser in Zeiten der rasanten Ur­ba­ni­sie­rung ("Water in an Urbanizing World"). Die nächste Welt­wasser­woche findet im August 2012 statt und wird den Zusammen­hang zwischen Wasser und Ernährungs­sicherung behandeln.

Wasserinitiative der Europäischen Union (EUWI)

Die Bundesrepublik engagiert sich auch in der Wasser­initiative der Euro­päischen Union (EU Water Initiative, EUWI), einem Politik­forum, in dem die Geber­aktivitäten der EU-Länder ab­ge­stimmt werden. Dazu wurden unter anderem vier Arbeits­gruppen mit regionalem Schwer­punkt gebildet – je eine für Afrika, Latein­amerika, Osteuropa/Kaukasus/Zentralasien und den Mittelmeer­raum.

Deutschland war von 2005 bis 2007 Mitglied der EUWI-Steue­rungs­gruppe und ist aktives Mitglied der Afrika-Arbeits­gruppe, deren Vorsitz es 2006 inne­hatte. Deutsch­land organisierte kürzlich zusammen mit der EU-Kommission ein Experten­treffen zum Thema Integration des "Nexus­gedankens" (Schnitt­stelle zwischen Wasser, Energie und Ernährungs­sicherung) in die zukünftige EU-Entwicklungs­zusammen­arbeit. Die Bundes­republik ist außerdem am Prozess der aktuell diskutierten Umgestaltung der Wasser­initiative der EU aktiv beteiligt.

EU-AKP-Wasserfazilität

Ein Finanzierungsinstrument, mit dem zusätzliche Ressourcen für den Wasser­bereich mobilisiert werden sollen, ist die Wasser­fazilität zugunsten der Länder Afrikas, des kari­bi­schen Raums und des Pazi­fi­schen Ozeans (AKP-Staaten). Sie fördert neue Pro­jekte durch Zuschüsse und unterstützt den Aufbau von Partner­schaften zwischen dem öffentlichen Sektor und Privat­initiativen.

In der ersten Phase 2005 bis 2007 wurden insgesamt 500 Millio­nen Euro über die EU-AKP-Wasser­fazilität in Wasser­vorhaben investiert. Deutsch­land trug 117 Millionen Euro dazu bei. Etwa 14,5 Millionen Menschen erhielten im Rahmen der geförderten EU-Projekte Zugang zu sauberem Trink­wasser. Rund 3,5 Millionen von ihnen steht nun außerdem eine verbesserte Sanitär­ver­sor­gung zur Verfügung, 10,5 Millionen Menschen wurden von Hygiene-Programmen erreicht.

Im Rahmen des 10. Euro­päischen Entwicklungs­fonds werden für den Zeit­raum 2009 bis 2013 200 Millionen Euro für Projekte zum Thema Wasser bereit­gestellt.

Dämme und Wasserkraft

Das BMZ hat die Arbeit der Welt­staudamm­kommission (World Commission on Dams, WCD) unterstützt. Ziel der Welt­staudamm­kommission war es, die Entscheidungs-, Planungs- und Management­mechanismen für große Staudämme zu verbessern und die Entwicklungs­wirkung von Staudämmen – sowohl Kosten als auch Nutzen – objektiv zu beurteilen. Der Schluss­bericht der WCD ("Dams and Development: A New Framework for Decision-Making"), der einen neuen Rahmen zur Entscheidungs­findung vorstellt, wurde im November 2000 veröffentlicht.

Als eine der ersten Regierungen hat die deutsche Bundes­regierung die Empfehlungen des WCD-Abschluss­berichts für ihre Entwicklungs­zusammen­arbeit ver­bind­lich gemacht. Sowohl das Energie- als auch das Wasser­sektor­konzept des BMZ spiegeln dies wider.

Auf Betreiben der WCD wurde in 2001 das Dialogforum für nach­haltige Dämme (Dams and Development Project, DDP) ins Leben gerufen. Ziel des Projekts, das bis 2007 lief, war die Förderung nationaler Staudammdialoge und die Verbesserung der Planung und des Betriebs von Staudämmen.

Seit 2009 ist das BMZ durch die GIZ im Hydropower Sustaina­bi­lity Assessment Forum (HSAF) und dessen Nach­folge­strukturen vertreten. Ziel des BMZ war es, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten und zur Über­arbeitung und Gestaltung des neuen Hydropower Sustainability Assessment Protocols (HSAP) beizu­tragen. Insbesondere die ökologischen und sozialen Aspekte sollten gestärkt werden und eine möglichst breite Anerkennung erhalten.

Gruppe der Acht (G8)

Die Bundesregierung beteiligt sich an der Umsetzung des G8-Afrika-Aktionsplans. Dieser wurde 2003 durch einen spe­ziellen Wasser­aktions­plan ergänzt. Er enthält einen konkreten Maßnahmen­katalog und hat das Ziel, in den afrikanischen Staa­ten für alle Sektoren – also Haushalt, Industrie und Land­wirt­schaft – nachhaltig genügend Wasser zur Verfügung zu stellen.

Für den Bereich "grenz­über­schreitendes Wasser­ressourcen-Management" hat Deutsch­land die Feder­führung übernommen. Afrikanische Institutionen werden dabei unterstützt, die Ko­ope­ra­tion bei der Nutzung von grenz­über­schreitenden Wasser­ressour­cen zu verbessern. Politischer Partner der deutschen G8-Initiative ist der Afrikanische Rat der Wasser­minister (AMCOW).

Auch 2008 und 2009 stand das Thema Wasser auf der G8-Agenda. So wurde beim Gipfel 2008 im japanischen Toyako die Basis­sanitär­versorgung erstmals gleich­berechtigt mit dem Thema Trink­wasser behandelt. Ein Jahr später wurde in L’Aquila, Italien, eine Gemeinschafts­erklärung der G8 und ihrer afrika­ni­schen Partner zur Stärkung der Afrika-G8-Partnerschaft zur Wasser- und Sanitär­versorgung beschlossen. Als größter bilateraler Geber im Wasser­sektor in Afrika hatte sich Deutsch­land intensiv für diesen partner­schaftlichen Ansatz eingesetzt.

Gemeinsames Monitoring Programm (JMP)

Die Bundesregierung unterstützt das Gemeinsame Monitoring-Programm (Joint Monitoring Programme, JMP), das von der Welt­gesundheits­organisation (WHO) und dem Kinder­hilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF) gegründet wurde. Ziel des JMP ist es, den weltweiten Stand der Wasser- und Sanitär­versorgung zu beobachten und darüber zu berichten. Das Programm erhebt globale Daten zum Zugang der Menschen zu Wasser- und Sanitär­versorgung und erlaubt so eine Aussage zur Erreichung der Millenniums­entwicklungs­ziele (MDG) im Wassersektor.

Internationales Jahr der sanitären Grundversorgung 2008

Die deutsche Regierung hat sich intensiv dafür eingesetzt, dass das Jahr 2008 von den Vereinten Nationen zum "Inter­nationalen Jahr der Sanitär­versorgung" erklärt wurde. Dadurch wurde ein wichtiger Erfolg erzielt: Noch nie wurde die Bedeutung von Sanitär­versorgung für die nachhaltige Entwicklung, die Gesund­heit und die Würde der Menschen weltweit auf allen Ebenen so intensiv diskutiert.

Auch auf höchster politischer Ebene – auf dem G8-Gipfel und dem Gipfel der Afrikanischen Union – stand das Thema auf der Tages­ordnung. Während der "AfricaSan-Konferenz" im Februar 2008 verabschiedeten 32 afrikanische Ministerinnen und Minister die "eThekwini-Minister­erklärung". Darin verpflichteten sie sich, das Thema Sanitär­versorgung auf der politischen Tages­ordnung zu verankern, nationale Strategien zu entwickeln, Rollen und Ver­antwort­lich­keiten der verschiedenen Institutionen zu klären und mehr eigene Mittel bereit­zustellen. Ähnlich hochrangig besetzte Konferenzen fanden auch in Asien und Latein­amerika statt.

Das Internationale Jahr der Sanitär­versorgung hat bewirkt, dass das Thema aus der Tabu­zone geholt wurde. Auch hat sich die Daten­grund­lage für politische Entscheidungs­prozesse deutlich verbessert, da im Rahmen der OECD beschlossen wurde, die Ausgaben für Trink­wasser und Sanitär­versorgung getrennt zu erheben. Als ein Beitrag zum Inter­nationalen Jahr der Sanitär­versorgung unter­stützte die Bundes­regierung auch die Gründung des Netz­werkes SuSanA (Sustainable Sanitation Alliance), in dem mehr als 100 inter­nationale Orga­ni­sa­tionen, Nicht­regierungs­organisationen (NROs), Universitäten und Firmen vertreten sind, die sich für die schnelle Verbreitung nachhaltiger Sanitär­versorgung einsetzen.

Sustainable Sanitation – the Drive to 2015

In Fortsetzung des Internationalen Jahres der Sanitär­versorgung hat sich die deutsche Regierung für die inter­nationale Kampagne "Sustainable Sanitation – the Drive to 2015" starkgemacht und durch die enge Ko­ope­ra­tion mit ihren Partnern dazu bei­getragen, diese Initiative inter­national zu etablieren.

Die Initiative geht auf die Folge­konferenz des Inter­nationalen Jahres der Sanitär­versorgung in Tokio im Januar 2010 zurück. Sie ist als Sensibilisierungs­kampagne konzipiert, um sanitäre Grund­versorgung prominent auf der inter­nationalen, nationalen und lokalen politischen Tages­ordnung zu platzieren. So soll die Zu­sam­men­arbeit in diesem Bereich auf ver­schiedenen Ebenen und zwischen unter­schiedlichen Sektoren – zum Beispiel zwischen dem Bildungs-, Gesundheits-, und Wasser­sektor – gefördert werden. Darüber hinaus sollen vor allem nach­haltige Ansätze und Inno­vationen für die sanitäre Grund­versorgung unter­stützt werden. Ziel ist, den Anteil der Menschen, die über keine sanitäre Basis­versorgung verfügen, bis 2015 zu halbieren (MDG 7).

Mit der Verabschiedung einer UN-Resolution am 20. Dezember 2010 wurde die Initiative "Sustainable Sanitation – the Drive to 2015" fest im inter­nationalen Instru­men­ta­rium verankert, das die Erreichung dieses Millenniums­entwicklungs­ziels vorantreiben soll. Die Mitglieds­staaten sind somit aufgerufen, ihre Bemühungen im Bereich sanitäre Grund­versorgung massiv zu verstärken. Dies umfasst unter anderem die Aus­weitung bereits existierender Ansätze sowie die Bereit­stellung weiterer finanzieller Mittel für Sanitär­lösungen. Empfohlen wird eine ganz­heit­liche Heran­gehens­weise, die alle Aspekte der Sanitär­versorgung inklusive Abwasser­transport und -klärung umfasst.

Globale Wasserpartnerschaft (GWP)

Deutschland unterstützt die Globale Wasser­partner­schaft (Global Water Partnership, GWP). Die GWP ist ein inter­nationales Netz­werk aus Regierungs­vertretern, UN-Behörden, Entwicklungs­banken, Forschungs­einrichtungen, Nicht­regierungs­organisationen und privaten Institutionen. Dieses Netz­werk umfasst inzwischen mehr als 2.500 Partner und ist in mehr als 160 Ländern der Erde aktiv. Die GWP wurde 1990 gegründet und spielte eine führende Rolle bei der Entwicklung des integrierten Wasser­ressourcen-Manage­ments (IWRM). Deutschland gehört zu der Geber­gruppe, die die GWP inhaltlich und finanziell unterstützt.

Water Integrity Network (WIN)

Schätzungen zufolge gehen durch Korrup­tion weltweit 30 bis 40 Prozent der finanziellen Ressourcen des Wasser­sektors verloren. Im August 2006 wurde das Water Integrity Network (WIN) gegründet, um Korrup­tion im Wasser­sektor zu bekämpfen und Armut zu reduzieren. WIN ist ein Netz­werk von Personen und Institutionen. Es verfolgt eine zwei­gleisige Strategie: Zum einen soll globales Eintreten für Integrität im Wasser­sektor (advocacy) den Konsens fördern, dass die Bekämpfung von Korrup­tion und die Förderung von Trans­pa­renz und Partizipation notwendig sind, um armuts­relevante Sektor­ziele zu erreichen. Zum anderen soll die Unter­stützung lokaler Aktions­programme die Integrität in bestimmten lokalen Umfeldern verbessern und zum besseren Verständnis des Themas beitragen.

Das WIN-Sekretariat ist bei Transparency International in Berlin angesiedelt. Es wird durch das BMZ sowie die Nieder­lande, Schweden und die Schweiz gefördert.

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