Hauptinhalt

Wasser für Menschen

Trinkwasser und Sanitärversorgung

Tubu Mädchen im Tibesti-Gebirge schöpft Wasser. Urheberrecht BMZ"Die Zustände hier sind furchtbar. Überall ist Abwasser. Es verschmutzt unser Wasser. Die meisten Leute nehmen Eimer und Plastiktüten als Toilette. Unsere Kinder bekommen ständig Durchfall und andere Krankheiten wegen des ganzen Drecks."
(
Mary Akiniy, Kibera, Nairobi, Kenia
aus: Bericht über die menschliche Entwicklung 2006: Nicht nur eine Frage der Knappheit – Macht, Armut und die globale Wasserkrise)

Schmutziges Wasser macht krank und schränkt zukünftige Wasser­ressourcen­nutzungen ein. Besonders arme Menschen in ländlichen Regionen und in den Slums der Groß­städte leiden unter dem Mangel an sauberem Trink­wasser und einer fehlenden sanitären Basis­ver­sorgung. Nach Angaben des Entwicklungs­programms der Vereinten Nationen (UNDP) haben über 2,6 Milliarden Menschen, also mehr als 40 Prozent der Welt­bevölkerung, keinen Zugang zu angemes­senen sanitären Einrichtungen – das bedeutet für sie: menschen­unwürdige Lebens­bedingungen ertragen.

Laut Schätzungen stehen 80 Prozent aller Krank­heiten in Entwicklungs­ländern im Zusammen­hang mit Wasser, das Erreger enthält. Allein 5.000 Kinder unter fünf Jahren sterben täglich an Durchfall­erkrankungen. Sanitärversorgung ist Würde.

Wassermangel und -verschmutzung machen arm

Weil sie krank sind, können sie nicht arbeiten und müssen ihr letztes Geld für Medi­kamente ausgeben – Krank­heiten verschlimmern die ohnehin schlechten Lebens­bedingungen armer Menschen noch weiter. Wer krank ist, hat keine Chance aus der Armuts­falle zu entkommen. Jedes Jahr gehen in den Entwicklungs­ländern fünf Milliarden Arbeits­tage und mehr als 400 Millionen Schultage durch wasser­induzierte Krankheiten verloren.

Arme zahlen obendrein oft wesentlich mehr für Wasser als wohl­habende Familien. Weil sie nicht an das Versorgungs­netz angeschlossen sind, müssen sie ihr Wasser von privaten Händlern kaufen. In den Ländern Afrikas südlich der Sahara gehen durch unzureichende Wasser- und Sanitär­versorgung jährlich fünf Prozent des Brutto­inland­produktes verloren – mehr Geld, als durch die gesamte Entwicklungs­zusammen­arbeit in diese Region fließt.

Wassermangel verhindert Bildung und Gleichberechtigung

Kinder in einem Flüchtlingslager in Kenia stehen an um Wasser zu holen. Urheberrecht: Manoocher Deghati/IRINMillionen Frauen und Mädchen sind jeden Tag für viele Stunden damit beschäftigt, große Mengen Wasser von weit entfernten Zapfstellen oder Gewässern zu holen. Sie sind in vielen Regionen traditionell für die Wasser­versorgung ihrer Familien verantwortlich.

Die Zeit, in der sie Wasser schleppen, können sie weder für den Besuch einer Schule noch für eine Arbeit nutzen, mit der sie etwas Geld verdienen könnten.

Gelingt es, eine ländliche Wasserver­sorgung aufzubauen, verbessert sich nicht nur die Gesundheit der Einwohner. Die Frauen werden entlastet und können die gewonnene Zeit und die gesparte Kraft für ihre Ausbildung oder eine Erwerbs­tätigkeit nutzen. Ein Programm, das die Bundes­regierung im Hai-Distrikt in Tansania unterstützt, hat gezeigt, das durch eine bessere Wasser­versorgung die gesell­schaftliche Stellung der Frauen steigt, beispiels­weise durch ihr Engagement in Wasser­nutzungs­gruppen.

Löchrige Rohre, überfordertes Management

Eine mit Lederlappen und Draht provisorisch gefllickte Wasserleitung in Syrien. Urheberrecht: Jürgen WelschofDie Betreiber der Wasserversorgung und Abwasser­entsorgung arbeiten in vielen Ländern ineffizient und nicht bedarfs­gerecht. Oft fehlen erforderliche technische Einrichtungen und viele Mitarbeiter im Wasser­sektor sind nur schlecht ausgebildet. Die maroden Rohr­leitungen werden kaum instand gehalten, wertvolles Trink­wasser versickert dadurch ungenutzt und Abwasser wird oft nicht angemes­sen entsorgt und trägt so zur Umwelt­verschmutzung bei.

Weil viele Betriebe unter Missmanage­ment leiden, können sie ihre Kosten nicht decken. Für Investitionen ist kein Geld vorhanden und das Leitungs­netz wird nicht in die anwachsenden Stadt­randgebiete ausgedehnt.

Wasser- und Sanitärversorgung für alle

Deutschland unterstützt die Wasser- und Abwasserbetriebe in seinen Partner­ländern. Finanzierungen und Organisations- und Management­beratung helfen ihnen dabei, kunden­orientierter und wirtschaftlich effizienter zu werden.

Bei der Unterstützung der städtischen Wasser­versorgung und Abwasser­entsorgung stehen oft die Instand­setzung des bestehenden Leitungs­netzes und die Ausbildung der Fachkräfte im Vorder­grund. Im ländlichen Bereich liegt der Schwer­punkt auf der Einrichtung dezentraler Ver- und Entsorgungsverfahren.

Kläranlagen können die in Haushaltsabwässern enthaltenen Nähr­stoffe für die Landwirtschaft nutzbar machen und die Umwelt­belastung vermindern. Darum unterstützt die Bundesrepublik ökologische Abwasser­konzepte, auch als "ecosan" bekannt, die darauf basieren, das Wasser zu reinigen, Nähr­stoffe zu gewinnen und wieder in die Umwelt zurückzuführen.

Festes Element aller entsprechenden Programme sind Hygiene- und Sensibili­sierungs­maßnahmen sowie die Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer bei der Planung und Ausführung der Vorhaben.

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
Fenster schließen