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Hintergrund

Ursachen für die Zerstörung der Waldbestände

Großer See mit Wald, Urheberrecht: Jürgen KernGenerell liegen die Ursachen der Wald­zerstörung im Bevölkerungs­wachstum und in der Armut der stark wachsenden Bevölkerungen. Für 2030 wird eine Welt­be­völ­ke­rung von 8,2 Milliarden prognostiziert. Hinzu kommen nicht nachhaltige Formen der Land­nutzung und ungesicherte Eigentums­verhältnisse an Wald, Bäumen und Kohlenstoff. Die steigende weltweite Nach­frage nach mineralischen und biologischen Rohstoffen, Nahrungs- und Futtermitteln, Biokraftstoffen und anderen Agrarprodukten verstärkt die Flächenkonkurrenz und den Druck auf die Wälder.

Die Umwandlung von Wäldern in Acker- und Weideflächen gilt als die wichtigste Triebkraft bei der Zerstörung tropischer Wälder. Ausweitung von Infrastruktur, wie Straßenbau und das Vor­dringen menschlicher Siedlungen, stehen an zweiter Stelle, etwa gleichauf mit der Holznutzung. Oft wird zuerst das Holz – häufig illegal – eingeschlagen, nachfolgend wird auf der Rodungsfläche Landwirtschaft oder Palmölanbau betrieben, so dass sich die Treiber der Zerstörung addieren. Konflikte, Naturkatastrophen und die Auswirkungen des Klimawandels schließlich überlagern und verstärken die genannten Faktoren. Die Änderung des Klimas hat bereits dazu geführt, dass weltweit Waldbrände zuge­nommen haben und sich die Artenzusammensetzung in Wäldern geändert hat.

Mängel bei der Regierungsführung

Wesentliche Treiber der Entwaldung, zum Beispiel die Agro­industrie oder der Bergbau, liegen außerhalb des Wald-Sektors. Schwache Regierungen und teils korrupte Forstverwaltungen erschweren die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren und damit die Beachtung von Waldbelangen in übergeordneten Politiken wie Armutsbekämpfungsstrategien. In den wenigsten Staatshaushalten ist die Waldwirtschaft angemessen berücksichtigt. Nur wenige Staaten erzielen tatsächlich die Einnahmen aus Waldwirtschaft, die gesetzlich vorgesehen sind. Auch der Nutzen von Ökosystem­dienst­leistungen wird häufig nicht realisiert.

Viele Länder befinden sich im Prozess der Dezentralisierung von staatlicher Autorität und Entscheidungsbefugnis. In den letzten Jahren hat sich die Politik für Landreformen und Beteiligung lokaler Bevölkerung an der Ressourcenbewirtschaftung zwar vielerorts geöffnet, die Umsetzung verläuft aber noch zögerlich.

Illegaler Handel und kriminelle Methoden

Die Gewinnspannen beim Geschäft mit Tropenholz sind hoch. Dadurch sind illegaler Raubbau und Handel zu einem lukrativen internationalen Geschäft geworden. Der weltweite ökonomische Schaden der illegalen Holznutzung ist dabei enorm, denn pro Jahr gehen den Staaten mehrere Milliarden Euro an Steuereinnahmen und Abgaben verloren.

In Kamerun, Indonesien, Brasilien und anderen Ländern wird der Anteil an illegal geschlagenem Holz auf 50 bis 80 Prozent geschätzt. Nur wenige rücksichtslose Konzerne und korrupte Entscheidungsträger profitieren – die Bevölkerung hat keinen Nutzen und wird immer ärmer. Holzdiebstahl und die gewaltsame Vertreibung oder Enteignung der Bewohner von Waldgebieten sind keine Seltenheit.

Wälder liefern aber nicht nur Holz: Im Kongobecken lagern zum Beispiel wertvolle Coltanreserven. Das Erz wird als wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Mobiltelefonen benötigt. Sein hoher Weltmarktpreis hat dazu geführt, dass große Regen­wald­gebiete zerstört wurden.

Bewaffnete Konflikte

Um die Ressourcen des Waldes, um wertvolle Bodenschätze in den Wäldern und um Landreserven werden häufig bewaffnete Konflikte ausgetragen. Auch als Quelle für die Finanzierung kriegerischer Konflikte werden die Einnahmen aus den Wäldern missbraucht. Das Militär ist in manchen Ländern ein Hauptakteur beim Holzeinschlag und -handel.

So wurden zum Beispiel in Liberia während des Taylor-Regimes Wälder abgeholzt, um mit den Gewinnen Waffen zu finanzieren. Naturwaldgebiete und Nationalparks in Ruanda und in der Demokratischen Republik Kongo waren Kriegsgebiete, Guerillatruppen ziehen sich bis heute dorthin zurück. Oft sind auch Kriegsflüchtlinge gezwungen, Waldgebiete zu nutzen und sie dadurch – ungewollt – zu schädigen.

Fehlende Nachhaltigkeit der Nutzung

Waldzerstörung bringt kurzfristige Gewinne. Die langfristige nachhaltige Nutzung von tropischen Naturwäldern ist häufig weniger gewinnbringend als andere Landnutzungsarten wie Landwirtschaft oder Bergbau. Dies führt häufig dazu, dass die nachhaltige Waldbewirtschaftung sowohl für die Regierungen als auch den Privatsektor eine geringe Priorität besitzt.

Insgesamt sind die Preise für tropische Hölzer nicht hoch genug, um den wahren Wert des Waldes zu reflektieren. Nichtsdesto­weniger wurden in den letzten Jahren tropische Naturwälder auf lokaler, nationaler sowie globaler Ebene verstärkt als wertvolle Ressource wahrgenommen, insbesondere wegen ihrer Ökosystemdienstleistungen wie zum Beispiel Kohlenstoff­speicherung. Um dieses Potenzial nutzen zu können, müssen jedoch noch wesentliche Elemente guter Regierungsführung sichergestellt werden.

Ein grundlegendes Hindernis für die Nachhaltigkeit der Waldnutzung sind unklare Besitz- und Nutzungsrechte für Land, Waldprodukte und neuerdings auch Kohlenstoff. Ohne diese langfristige Sicherheit der Land- und Waldnutzung ist es unwahrscheinlich, dass sich nachhaltige Waldbewirtschaftung durchsetzen kann.

Laut dem Statusbericht "Tropische Waldwirtschaft 2011" der Internationalen Tropenholzorganisation (International Tropical Timber Organization, ITTO) hat sich die Ausbreitung nachhaltig bewirtschafteter Wälder in den Jahren 2005 bis 2010 von 36 Millionen Hektar auf 53 Millionen Hektar erhöht. Trotz dieses Anstiegs entspricht diese Fläche lediglich rund zehn Prozent der gesamten Waldfläche in den Tropen.

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