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Naturkatastrophen

Maßnahmen zur Katastrophen­vorsorge

Überschwemmung in Mosambik. Ein kleiner Junge auf dem Weg zu einer Ausgabestelle für Nahrungsmittel. Urheberrecht: Photothek.netUm das Risiko von Kata­stro­phen zu ver­min­dern, muss auf vie­len ver­schie­de­nen Ebe­nen zu­sam­men­ge­ar­bei­tet wer­den. Grund­lage ist, das Ri­si­ko zu ken­nen. In Ri­si­ko­ana­lysen wer­den des­halb so­wohl die Wahr­schein­lich­keit von Natur­er­eig­nis­sen als auch die An­fäl­lig­keit der be­trof­fe­nen Be­völ­ke­rung er­fasst. Da­rauf auf­bauend wer­den Maß­nah­men identi­fi­ziert, um das Ri­si­ko zu sen­ken. Sie kön­nen einer­seits der Kata­stro­phen­vor­beu­gung, also dem mittel- bis lang­fristigem Schutz vor Kata­stro­phen, und anderer­seits der Vor­be­rei­tung auf den Kata­stro­phen­fall zu­ge­rechnet werden. Ein wichti­ges Ele­ment da­von sind Früh­warn­systeme.

Wichtig ist, dass sich alle be­tei­ligen – Organi­sa­tionen, Insti­tu­tionen, Zivilgesellschaft auf lokaler und natio­naler Ebene. Je mehr und je flächen­deckender die ver­schie­denen Ele­mente zu einem System ver­knüpft werden, umso besser kann dieses Netz im Unglücks­fall rea­gieren. Deutsch­land stimmt seine Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit im Bereich der Kata­stro­phen­vorsorge des­halb eng mit anderen Geber­ländern ab. Dabei kom­men folgende Maß­nah­men zum Einsatz:

  • Risikoanalyse

  • Katastrophenvorbeugung

  • Vorbereitung auf den Katastrophenfall (inklusive Frühwarnung)

  • Katastrophenpräventiver Wiederaufbau

Risikoanalyse

Verdurstetes Rind in der Sahelzone. Urheberrecht: BMZDie Bewohner eines gefährdeten Gebietes müssen auf eine mög­liche Kata­stro­phe vor­be­rei­tet sein und wissen, was im Un­glücks­fall zu tun ist. Eine Ri­si­ko­ana­lyse hilft dabei, das Ri­si­ko­bewusst­sein zu stärken. Sie stellt den ersten Schritt eines Vor­sorge­kon­zeptes dar und be­steht aus zwei Pro­zessen: Zum einen werden po­ten­ziel­le Natur­er­eig­nisse in einem be­stimmten Gebiet genau identi­fi­ziert und Lösungs­an­sätze er­ar­bei­tet. Zum anderen muss die dazugehörige Anfälligkeitsanalyse beschreiben, welche Gruppen der Gesellschaft potenziell in welcher Häufigkeit welchen Schäden ausgesetzt sind. Die Risikoanalyse ist das Produkt aus Bedrohungsanalyse und der Anfälligkeitsanalyse.

Die Anfälligkeit wird durch verschiedene Faktoren bestimmt, wie zum Beispiel Umweltgesichtspunkte, soziales Umfeld, wirtschaftliche Situation und die Siedlungsdichte.

Dabei werden die Menschen vor Ort genauso beteiligt wie die verantwortlichen politischen Akteure. Die Betroffenen kennen sich am besten mit "ihren" Naturgefahren aus. Ihnen fehlt es aber in der Regel an den technischen, finanziellen und ordnungspolitischen Mitteln, dieses Wissen umzusetzen.

Katastrophenvorbeugung

Durch einen Taifun zerstörtes Haus auf den Philippinen. Urheberrecht: Jason Gutierrez/IRINBei der Kata­stro­phen­vor­beu­gung geht es darum, mittel- bis lang­fristigen Schutz vor Kata­stro­phen sicher­zu­stellen. Hierbei hel­fen bei­spiels­weise Raum- und Land­nutzungs­pläne. Sie müs­sen von den be­trof­fe­nen Ge­mein­den er­stellt und unter Berück­sichti­gung der Er­geb­nisse der Ri­si­ko­ana­lyse um­ge­setzt werden. In diesen Plä­nen müs­sen die Er­geb­nisse der Ri­si­ko­ana­lysen berück­sichtigt werden.

Bauvorschriften regeln zum Beispiel die Bau­weise, aber auch die Anzahl der Häuser, die er­rich­tet werden dürfen. Dadurch können in erd­be­ben­ge­fähr­deten Ge­bieten Einstürze ver­mie­den werden. Die Nutzung von Flächen muss eben­falls geregelt werden. So stellen Über­schwem­mungen durch Flüsse oder Dauer­regen große Gefahren dar. Hier hilft es, wenn vor­beu­gend Stau­dämme und Deiche errichtet und Über­flutungs­felder ausgewiesen werden.

Vorbereitung auf den Katastrophenfall

Überschwemmung in Mosambik. Menschen müssen in der Hauptstadt Maputo durch einen Fluss waten, weil die Straße und die Brücke von den Wassermassen zerstört wurden. Urheberrecht: Photothek.netMit der Vor­be­rei­tung auf den Ka­ta­stro­phen­fall sollen die Schäden und Opfer­zah­len bei Ein­tritt eines Extrem­er­eig­nisses so ge­ring wie mög­lich ge­hal­ten werden. Sie um­fasst Früh­warnung, Eva­ku­ierungs- und Not­fall­pläne, Ko­ordi­na­tions­struk­turen, Vor­hal­tung von Not­ver­sorgung sowie Trai­ning und Fort­bil­dung der zu­stän­di­gen Ak­teure und von Frei­wil­li­gen.

All diese Maß­nah­men müs­sen mög­lichst eng ver­zahnt und alle Teile der Be­völ­ke­rung in­for­miert und mit ein­be­zogen werden. Ein besonderes Augen­merk wird dabei auf Früh­warn­systeme gelegt. Durch sie sollen die Be­trof­fenen in die Lage kommen, schnell auf kurz­fristige Ereig­nisse zu reagieren.

Vor tropischen Wirbel­stürmen können Fach­leute inzwischen mehrere Tage im Voraus warnen. Die Gefahr von Dürre­kata­stro­phen kann schon mehrere Monate vorher er­kannt werden. Bis heute lassen sich jedoch Erd­beben noch nicht durch Früh­warn­systeme sicher vorhersagen.

Dennoch können durch Seebeben ausgelöste Tsunamis in Zukunft rascher und sicherer vor­her­ge­sagt und hin­sicht­lich des zu er­war­ten­den Ausmaß erfasst werden. Vier Jahre nach der ver­hee­renden Flut­kata­stro­phe im Indischen Ozean ist das indonesisch-deutsche Tsunami-Früh­warn­system GITEWS im November 2008 in Betrieb ge­gangen. Es hat in­zwischen schon mehr­fach seine Wirk­sam­keit unter Beweis stellen können. Künftig sichert ein Netz aus seis­mo­lo­gischen Sta­tio­nen, Küsten­pegeln und Warn­bojen die indo­ne­sische Küste. Hinzu kom­men um­fang­reiche Trai­nings­maß­nahmen von Be­hör­den und Ge­mein­den sowie Auf­klärungs­kam­pagnen der Be­völ­ke­rung. Deutsch­land trägt mit 50 Millionen Euro einen großen An­teil der Kosten. Indonesien betreibt inzwischen das System selbst und wird von Deutschland noch im Rahmen einer mehr­jäh­rigen Ausbau- und Opti­mierungs­phase unterstützt.

Katastrophenpräventiver Wiederaufbau

Ein übergreifendes Ziel der deutschen Entwick­lungs­politik ist es, den Kreis­lauf aus Armut und Schutz­losig­keit zu durch­brechen. Ent­wick­lungs­orien­tierter Wieder­auf­bau ver­sucht daher, die Be­kämp­fung der Armut mit effek­tiver Kata­stro­phen­vor­sorge zu ver­bin­den und die Lebens­situa­tion besonders be­dürf­ti­ger Menschen nach­haltig zu verbessern.

Zusammen mit den Betroffenen vor Ort werden Stra­te­gien aus­ge­ar­bei­tet, um die Menschen zu schützen und gleich­zeitig ihre Kom­pe­tenzen zu stärken. So werden bei­spiels­weise Slum­be­wohner dabei unter­stützt, einen le­ga­len Rechts­status und somit auch Zu­gang zu öf­fent­lichen Dienst­leistungen zu erhalten. In länd­lichen Gebieten werden neue Anbau­flächen bei ihrer Er­rich­tung vor Erd­rutschen geschützt, um sie "katastrophensicher" zu machen.

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