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Naturkatastrophen
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Entwicklung der internationalen Debatte zum Schutz vor Naturkatastrophen und dafür entwickelte Instrumente
Internationale Dekade zum Schutz vor Naturkatastrophen 1990 bis 1999
Die internationale Gemeinschaft hat erkannt, dass Katastrophen nachhaltige Entwicklung verhindern, Armut verschärfen und so die Verwirklichung der Millenniumsentwicklungsziele gefährden. Angesichts verheerender Naturkatastrophen in den 1970er und 1980er Jahren riefen die Vereinten Nationen das Jahrzehnt von 1990 bis 1999 zur Internationalen Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen (International Decade for Natural Disaster Reduction, IDNDR) aus. Dadurch gewann die Katastrophenvorsorge erstmals international an Bedeutung.
Während der Dekade war das IDNDR-Sekretariat in Genf Zentrum aller Aktivitäten. 1999 rief der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan dazu auf, die Anstrengungen weiter zu führen. Nach der Dekade wurde daher die Internationale Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (International Strategy for Disaster Reduction, ISDR) gegründet, die diese Aufgabe übernommen hat. Ziel war es, die gesammelten Erfahrungen zu nutzen sowie laufende Projekte und Kooperationen weiterzuverfolgen. Ein eigenes ISDR-Sekretariat wurde in Genf eingerichtet. Es steht unter der Leitung des Untergeneralsekretärs für humanitäre Angelegenheiten und Koordinators für Nothilfe der Vereinten Nationen.
Im Zuge der Internationalen Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen wurde schon 1990 das Deutsche IDNDR-Komitee zur Katastrophenvorbeugung in Bonn eingerichtet. Seine Aufgabe ist, Katastrophenvorsorge besser in das Denken und Handeln von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu integrieren. Seit Abschluss der Dekade setzt das Komitee seine Aktivitäten unter dem Dach der ISDR als "Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e.V." (DKKV) fort.
Erste Weltkonferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen in Yokohama 1994
1994 trafen sich die Vertreter der Vereinten Nationen zur Weltkonferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen in Yokohama. Auf der Konferenz wurde erstmals eine Richtschnur zur Minderung von Naturkatastrophen verabschiedet (The Yokohama Strategy for a safer world). Außerdem tauschten Politiker zum ersten Mal auf internationaler Ebene ihre Erfahrungen mit der Katastrophenvorsorge aus und Experten entwickelten gemeinsam neue Konzepte.
Die Konferenz machte deutlich, dass technische Lösungen zum Schutz vor Katastrophen nicht ausreichen, sondern dass die betroffenen Menschen mit ihren Fähigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten sowie ihrem sozialen und ökonomischen Umfeld stärker einbezogen werden müssen. Katastrophenvorsorge wurde als Bestandteil der nachhaltigen Entwicklung anerkannt.
Internationale Konferenzen zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen 1998, 2003 und 2006
1998 fand die erste internationale Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen in Potsdam statt. Frühwarnung gilt als das wichtigste Element nationaler und internationaler Vorsorgestrategien für das 21. Jahrhundert.
Im Oktober 2003 riefen die Vereinten Nationen zur zweiten Konferenz auf, die in Bonn stattfand. Das Konferenzthema war: "Integration von Frühwarnung vor Naturkatastrophen in öffentliche Politik".
Die Teilnehmer diskutierten über die Notwendigkeit verbesserter Frühwarnsysteme und legten Rahmenbedingungen fest, wie solche Systeme weltweit eingerichtet werden können. Auf Empfehlung der Konferenz wurde in Bonn das Sekretariat für die "Plattform zur Förderung von Frühwarnung" eingerichtet (UN/ISDR-PPEW). Die Plattform ist Teil der Internationalen Strategie zur Katastrophenvorsorge (ISDR).
Unter dem Motto "Vom Konzept zum Handeln" fand im März 2006 in Bonn die dritte Internationale Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen (Early Warning Conference III) statt. Hunderte Expertinnen und Experten diskutierten über die Förderung von speziellen Projekten und entwickelten weitere Lösungen zur Katastrophenvorsorge. Als ein Ergebnis der Konferenz wurde eine Checkliste ausgearbeitet, die Regierungen und lokale Verwaltungen bei der Entwicklung effizienter Frühwarnsysteme unterstützt.
In Bonn kam zum Ausdruck, dass die einzelnen politischen Bereiche immer stärker verwoben werden müssen, um Katastrophen effektiv entgegenwirken zu können. Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe, Sicherheits- und Umweltpolitik müssen dazu miteinander in Einklang gebracht werden.
Zweite Weltkonferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen in Kobe 2005
Im Januar 2005 – nur wenige Wochen nach dem schweren Seebeben und dem Tsunami im Indischen Ozean – fand die zweite Weltkonferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen im japanischen Kobe statt. Ihr Motto: "Eine sicherere Welt für alle".
168 UN-Mitgliedsstaaten verabschiedeten in Kobe einen gemeinsamen Rahmenaktionsplan (Hyogo Framework for Action - HFA). Er gilt als Handlungsrahmen für die nächsten zehn Jahre für die Umsetzung von weltweiten Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos von Katastrophen. Auch die Bundesregierung beteiligt sich an seiner Umsetzung.
Im Abschlussdokument der Weltkonferenz wird vor allem auf den engen Bezug zwischen der Vorsorge einerseits und der nachhaltigen Entwicklung andererseits hingewiesen: Staaten sowie internationale und regionale Organisationen sollen Katastrophenvorsorge umfassend berücksichtigen. Dieser Aspekt ist auch für die Entwicklungszusammenarbeit wichtig: Katastrophenvorsorge kann nur erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten – Regierung, Zivilgesellschaft, Bevölkerung und privater Sektor.
Globale Plattform zur Reduzierung der Katastrophenrisiken
Im Juni 2007 fand in Genf zum ersten Mal ein Treffen der weltweiten Plattform zur Reduzierung der Katastrophenrisiken (Global Platform for Disaster Risk Reduction) statt. Die Ziele des Treffens waren, das Bewusstsein für die Reduzierung von Katastrophenrisiken zu steigern, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und die Umsetzung des in Kobe verabschiedeten Hyogo-Aktionsplanes weiter voranzubringen. Das zweite Treffen der weltweiten Plattform fand im Juni 2009 in Genf statt. Dort wird auch das dritte Treffen vom 8. bis 13. Mai 2011 ausgerichtet. Die Globale Plattform ist zum zentralen Forum für alle an der Reduzierung von Katastrophenrisiken beteiligten Akteure geworden. Ergänzend zu den weltweiten Treffen wurden regionale Plattformen eingerichtet, die unter anderem Fortbildungen und Seminare veranstalten. Bislang haben sich über 150 Staaten und rund 140 Organisationen an den Aktivitäten der Globalen Plattform beteiligt.
Instrumente zur Reaktion auf Naturkatastrophen
Die Feststellung, dass internationale Hilfe nicht schnell genug in den betroffenen Ländern ankommt, führte 2005 durch Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Gründung einer zentralen Koordinationsstelle (Central Emergency Response Fund, CERF).
Mitte 2006 wurde auf Initiative der Weltbank die Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist die verstärkte Integration der Katastrophenvorsorge in von Naturkatastrophen bedrohten armen Ländern. Das Finanzierungsinstrument soll dazu dienen, nationale Vorsorgekapazitäten aufzubauen und nach Katastrophen eine schnelle Schadensermittlung zu ermöglichen. Außerdem soll es einen katastrophenpräventiven Wiederaufbau befördern. Die Fazilität wird von einer Reihe von Gebern, darunter seit 2009 auch Deutschland, mit Fördermitteln unterstützt und arbeitet in enger Partnerschaft mit dem ISDR.
Katastrophenvorsorge im Kontext der Klimarahmenkonvention
Auch im Zuge der Klimarahmenkonvention gewinnt Katastrophenvorsorge an Bedeutung. Bei den Vertragsstaatenkonferenzen auf Bali (2007), in Posen (2008), Kopenhagen (2009) und Cancún (2010) wurde ihre Bedeutung als zentrales Instrument zur Anpassung an den Klimawandel hervorgehoben. Der Ende 2011 erscheinende fünfte Bericht der zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) beschäftigt sich daher insbesondere mit den Zusammenhängen zwischen der Vermeidung von Naturkatastrophen und der Anpassung an den Klimawandel.
EU-Strategie zur Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern
Die Europäische Union verabschiedete im Februar 2009 eine Strategie zur Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern. Sie unterstützt die Berücksichtigung der Katastrophenvorsorge in der nationalen und lokalen Entwicklungsplanung der Partnerländer, fördert die Analyse von Katastrophen und Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung und ermöglicht zielgerichtete Hilfsmaßnahmen. Die EU-Strategie ist verknüpft mit anderen Strategien, zum Beispiel zur Anpassung an den Klimawandel oder zur Gestaltung der humanitären Hilfe.
Informationen

Siehe auch
Externe Links
- Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV)
- Internationale Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (ISDR) (englisch)
- Zentraler Nothilfefonds der Vereinten Nationen (CERF) (englisch)
- Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) (englisch)
- Erste Internationale Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen (englisch)
- Zweite Internationale Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen (englisch)
- Dritte Internationale Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen (englisch)
- Hyogo Framework for Action 2005–2015
(PDF 406 KB, englisch) - EU-Strategie zur Unterstützung der Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern






