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Naturkatastrophen
Hintergrund: Naturkatastrophen nehmen zu
Sieht man vom Jahr 2009 ab, ist die Zahl der schweren Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut Studien des CRED-Instituts für Katastrophenforschung (Centre for Research on the Epidemiology of Disasters) lag der Durchschnittswert zwischen 1990 und 1996 bei 250 Ereignissen pro Jahr, im Zeitraum von 2000 bis 2008 waren es durchschnittlich 392 Naturkatastrophen pro Jahr.
Viele Millionen Menschen leben ständig mit der Bedrohung durch Naturgefahren: Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) sind jedes Jahr weltweit rund 118 Millionen Menschen einem Erdbebenrisiko ausgesetzt, 343,6 Millionen Menschen müssen damit rechnen, dass ein tropischer Wirbelsturm ihre Heimat verwüstet. 521 Millionen Menschen leben mit der Bedrohung, dass sie von einer Flut getroffen werden und 130 Millionen Menschen mit dem Risiko einer möglichen Dürre.
Seit 1975 haben weltweit mehr als 2,2 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen ihr Leben verloren, so die Internationale Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (International Strategy for Disaster Reduction, ISDR) der Vereinten Nationen. Zwei Drittel der Opfer und der wirtschaftlichen Schäden sind auf Stürme, Überschwemmungen, Dürren und andere Wetterphänomene zurückzuführen.
Große Katastrophen wie der Tsunami im Indischen Ozean 2004 (mehr als 230.000 Tote), der Zyklon Nargis in Myanmar 2008 (rund 140.000 Tote) oder das verheerende Erdbeben auf Haiti Anfang 2010 (mehr als 200 000 Tote) treffen arme Länder besonders hart. Die geografische Lage ist dabei nur ein Risikofaktor. Entscheidender ist der Entwicklungsstand einer Gesellschaft. Zahlreiche Studien bestätigen die Wechselwirkung von Katastrophenanfälligkeit und Armut.
Rund 90 Prozent der Opfer von Naturkatastrophen entfallen auf Entwicklungsländer, während die Sachschäden zu 90 Prozent in den Industrieländern liegen. Laut Weltkatastrophenbericht 2010 der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) kamen beim schwersten Erdbeben 2007 im Nordwesten Japans elf Menschen ums Leben, rund 100 Personen wurden verletzt. Auf Haiti hingegen verloren über eine Millionen Menschen ihr Zuhause, zudem führten in der Folge eine Cholera-Epidemie, die schlechte Gesundheits- und Versorgungslage sowie politische Instabilität zu vielen weiteren Todesopfern.
Klimawandel, Umweltzerstörung, Übernutzung landwirtschaftlicher Flächen, zunehmende Verstädterung, schlechte Regierungsführung und fehlende Frühwarn- und Anpassungsmaßnahmen haben in den letzten drei Jahrzehnten zur zunehmenden Zahl und Schwere von Katastrophen geführt. Der Ende 2011 erscheinende fünfte Bericht der zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) beschäftigt sich daher insbesondere mit der Frage, wie zukünftig Naturkatastrophen durch Anpassung an den Klimawandel verhindert werden können.
Mangelnde Vorsorge, verheerende Folgen
Eine Katastrophe ist laut Definition der Vereinten Nationen "die Unterbrechung der Funktionsfähigkeit einer Gemeinschaft oder Gesellschaft, die hohe menschliche, materielle, ökonomische und ökologische Verluste verursacht und die Fähigkeit der betroffenen Gemeinschaft oder Gesellschaft übersteigt, diese aus eigener Kraft zu bewältigen."
Armen Menschen fehlen meist die Mittel, um sich gegen extreme Naturereignisse wirksam zu schützen. Die UNDP-Studie "Reducing Disaster Risk – A Challenge for Development" (2004) bestätigt, dass die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Katastrophen durch Armut verursacht werden. Naturkatastrophen führen zu verheerenden materiellen Schäden: Sie zerstören Wohnhäuser, Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Fabriken, Ackerland, Telefon-, Strom- und Wasserleitungen – und vernichten so die Lebens- und Produktionsgrundlagen von Millionen Menschen.
Während in Industrieländern die materiellen Schäden durch Versicherungen, staatliche Unterstützung und nationale Spendenbereitschaft größtenteils aufgefangen werden, können Entwicklungsländer in den meisten Fällen die akute Notlage allein nicht bewältigen. Naturkatastrophen führen oft zu einer Kette von Folgeproblemen: Armut, Unterernährung, Obdachlosigkeit, Seuchenausbrüche, Migration und auch bewaffnete Konflikte können durch sie ausgelöst oder verschärft werden.
Auch für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist der Zusammenhang von Katastrophen und Entwicklung ein wichtiger Aspekt: Ohne Vorsorge wird die zerstörerische Kraft von Naturkatastrophen weiterhin verheerend sein und den Fortschritt in den Entwicklungsländern immer wieder teilweise zunichte machen, die Armut verschärfen und so nachhaltige Entwicklung verhindern.
Informationen

Siehe auch
Externe Links
- Weltkatastrophenbericht 2010 der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (englisch)
- Annual Statistical Review: Numbers and Trends 2009
Eine Publikation des Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED)
(PDF 2,5 MB, englisch) - Jahresbericht 2010 der Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) (englisch)
- Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (IPCC)
(englisch)






