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Boden
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Hintergrund: Wir verlieren an Boden
Der Boden ist als Grundlage für Ackerbau und Viehwirtschaft eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen des Menschen. Doch gutes Acker- und Weideland wird immer knapper – besonders in Gebieten mit relativ trockenem Klima. Vor allem durch unangepasste und zu intensive landwirtschaftliche Nutzung werden dort große Flächen zerstört: Die Vegetation geht zurück, der Boden kann nicht mehr genügend Wasser aufnehmen und speichern, wird vom Wind abgetragen, versalzt oder versandet. Nach und nach wird durch solche sogenannten Desertifikationsprozesse aus ehemaligen Acker- und Weideflächen unfruchtbares Land.
In den vergangenen 40 Jahren musste ein Drittel der weltweiten Ackerflächen aufgegeben werden, weil Bodenerosion – also die übermäßige Abtragung der Böden – sie unproduktiv gemacht hat. Jedes Jahr gehen nach Schätzungen von Fachleuten weitere 20 Millionen Hektar für die Landwirtschaft verloren (zum Vergleich: Deutschland hat eine Größe von knapp 36 Millionen Hektar).
Schnelles Handeln ist gefragt, denn die Prognosen sind düster. Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird das verfügbare Ackerland bis zum Jahr 2025 im Vergleich zu 1990 spürbar zurückgehen: in Afrika um rund zwei Drittel, in Asien um etwa ein Drittel und in Südamerika um etwa zwei Fünftel. Steigende Bevölkerungszahlen verschärfen diese Entwicklung zusätzlich. Sie wird dramatische Folgen für die Sicherung der Ernährung haben. Daher gilt: Wer die Armut bekämpfen will, muss die Desertifikation bekämpfen. Und wer die Desertifikation bekämpft, verringert damit zugleich die Armut.
Trockengebiete besonders bedroht
Trockengebiete bedecken mehr als ein Drittel der Landfläche der Erde. Sie zeichnen sich durch eine enorme biologische Vielfalt aus und sind Ursprung wichtiger Nahrungsmittel wie Mais, Kartoffeln, Reis oder Hülsenfrüchte. Trockengebiete sind der Lebensraum und die Existenzgrundlage für einen großen Teil der Weltbevölkerung. Mehr als zwei Milliarden Menschen leben hier, neunzig Prozent von ihnen in Entwicklungsländern, die meisten sind direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig. Inzwischen sind jedoch rund 70 Prozent der Flächen, die diese Menschen für ihr Überleben benötigen, von Wüstenbildung, Verödung oder Bodenerosion bedroht.
Besonders von diesen Problemen betroffen sind die 50 am wenigsten entwickelten Länder der Welt; rund zwei Drittel ihrer Landesfläche besteht aus Trockengebieten. In Afrika und Asien leben etwa 40 Prozent, in Südamerika etwa 30 Prozent der Bevölkerung in Gegenden, die von Desertifikation bedroht sind.
Der Klimawandel verschärft das Problem, denn er wirkt sich gerade auf die Trockenzonen der Erde besonders drastisch aus. Diese Regionen gehören zu den verwundbarsten Lebensräumen. Sie reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der Durchschnittstemperaturen und Niederschlagsmengen. Klimaexperten sagen voraus, dass Häufigkeit und Ausmaß von Extremwetterereignissen wie Dürren, Sandstürmen und Starkniederschlägen zunehmen werden.
Ursachen: Unangepasste Landnutzung
Desertifikation hat nichts mit natürlich vorkommenden Wüsten in extrem trockenen Erdteilen zu tun. Sie ist vom Menschen verursacht. Indem fruchtbare Böden falsch bewässert oder zu intensiv genutzt werden ("Übernutzung"), wird ihnen erheblicher Schaden zugefügt. Abholzung gibt zudem den Boden der Erosion preis.
Immer mehr Menschen müssen ernährt werden – laut FAO steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln bis 2050 um 50 Prozent – und die traditionellen Anbaumethoden halten mit der Entwicklung nicht Schritt. Die steigende Nachfrage nach Agrarland führt dazu, dass auch Flächen bewirtschaftet werden, die sich für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung nicht eignen und schnell ausgelaugt sind. Hinzu kommt, dass in einigen Regionen riesige Monokulturen angelegt werden, um die Bedürfnisse der reichen Länder, etwa nach Soja und Mais, zu befriedigen. Der einseitige Anbau und ein übermäßiger Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden stören das biologische Gleichgewicht erheblich.
Als Folge der Übernutzung und der Erosion der fruchtbaren Humusschicht geht die Vegetation zurück oder verschwindet sogar ganz. Der Boden trocknet aus und verkrustet, Wasser kann nicht mehr eindringen. Der Grundwasserspiegel sinkt, Brunnen versiegen und die Saat der Bauern geht nicht mehr auf.
Die Menschen in den ärmsten Ländern haben meistens keine Einkommensalternativen und versuchen daher weiter, dem Boden Nahrung abzuringen. Auf diese Weise geraten sie in einen Teufelskreis aus Naturzerstörung und Verarmung, der letztlich ihre Lebensgrundlage zerstört. Von Hunger bedroht, verlassen viele Menschen ihre Heimat. Oft enden sie in den Slums der Großstädte, leben dort in Armut, sind schlecht ernährt und von Krankheiten bedroht.
In vielen Ländern wird die ländliche Entwicklung zudem vom Staat vernachlässigt. Es gibt keine Planung für nachhaltige Landnutzung und das Management der Wasserressourcen ist mangelhaft. Den Kleinbauern fehlt Geld und Know-how, um ihre Flächen nachhaltig zu bewirtschaften. Häufig gibt ihnen das Bodenrecht auch nicht die nötige Rechtssicherheit, die sie für mittel- und langfristige Investitionen brauchen.
Folgen: Ernährungsunsicherheit, soziale Probleme, politische Konflikte
Nachhaltige Landnutzung ist eng mit Klimaschutz und dem Erhalt von Biodiversität und Ökosystemleistungen verbunden. Böden sind die größten Speicherorte im terrestrischen Kohlenstoffkreislauf. Ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) aus Landnutzungsänderungen und dem landwirtschaftlichen Sektor. Unangepasste Landnutzung fördert den Verlust von Biodiversität und mindert die Ökosystemleistungen, etwa die Bereitstellung von Trinkwasser, Brennholz oder Baumaterialien. Die Bewohner der Trockengebiete verlieren so ihre Lebensgrundlage.
Desertifikation ist aber nicht nur ein ökologisches Problem, sie verschärft auch die sozialen Probleme in den betroffenen Ländern und verhindert eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Die ökonomischen Verluste sind enorm: Allein die jährlichen Einkommensverluste der Betroffenen werden weltweit auf 42 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die indirekten Kosten, zum Beispiel durch Abwanderung, Krankheiten und Flüchtlingselend, gehen noch weit über diese Schätzung hinaus.
Der Mangel an produktivem Land und Wasserressourcen und die Abwanderung der Bauern und Viehzüchter sind auch immer wieder Ursache für politische Krisen und Konflikte. Die Bekämpfung der Desertifikation ist daher nicht nur ein Beitrag zur Armutsbekämpfung, sondern auch zur Konfliktprävention.
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