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Biodiversität

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Biodiversität – Grundlage für nachhaltige Entwicklung
Der Begriff Biodiversität – oder auch biologische Vielfalt – hat sich seit etwa 20 Jahren in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion durchgesetzt, weil er den natürlichen Reichtum der Erde treffend umschreibt: Biodiversität umfasst die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Auch wir Menschen sind Teil davon. Die heutige biologische Vielfalt auf der Erde hat sich im Laufe von Millionen Jahren entwickelt. Sie wird ergänzt durch die landwirtschaftliche biologische Vielfalt, die über mehrere Jahrtausende von Ackerbauern, Viehzüchtern und Gärtnern geschaffen wurde.
Insgesamt gilt biologische Vielfalt als Voraussetzung für das Gleichgewicht in der Natur und in der Landwirtschaft. Außerdem bildet sie unsere natürliche Existenzgrundlage: Unsere verschiedenen Nahrungsmittel, aber auch zahlreiche Baumaterialien, Kleidungsstoffe oder Energiequellen sind ein Bestandteil der Biodiversität.
Biologische Vielfalt schwindet rapide
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Verlust von Arten aufgrund menschlicher Eingriffe dramatisch beschleunigt. Nach Schätzungen des World Wide Fund for Nature (WWF) ist die Aussterberate heutzutage durch menschlichen Einfluss bis zu zehntausendmal höher als unter natürlichen Bedingungen. Ganze Ökosysteme, oft Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen, werden vom Menschen vernichtet. Damit wird auch das natürliche Gleichgewicht zwischen dem Aussterben bisheriger und dem Entstehen neuer Arten massiv gestört.
Durch diese Eingriffe gehen unwiderruflich genetische Ressourcen und Nutzungsmöglichkeiten verloren, auch solche, die bisher noch nicht einmal erforscht sind. Bewährte Kulturpflanzen, Nutztiere und Heilpflanzen verschwinden, weil sie – scheinbar – nicht mehr gebraucht werden. Gemeinsam mit ihnen verschwinden traditionelles Wissen und ein Teil der Kultur, die von den verschwundenen Arten mit geprägt wurde. Davon besonders betroffen sind die indigenen Bevölkerungsgruppen, die ihr Leben über Jahrtausende an die natürliche Umgebung angepasst haben. Der Rückgang biologischer Vielfalt bedeutet daher eine direkte Bedrohung der indigenen Völker.
Situation in Entwicklungsländern
Rund 80 Prozent der heute auf der Erde vorhandenen biologischen und genetischen Ressourcen befinden sich in Entwicklungsländern. Für sehr viele der dort lebenden Menschen sind sie direkte Grundlage ihrer Ernährung und ihrer medizinischen Versorgung. Land- und Forstwirtschaft sind außerdem oft die wichtigsten Einkommensquellen. Wenn sie versiegen, verlieren die Menschen ihre Existenzgrundlage. Schon heute zwingt die Armut viele Menschen, ihre natürlichen Ressourcen so stark auszubeuten, dass diese sich nicht mehr aus eigener Kraft regenerieren können. Das zerstört die Umwelt und beschleunigt den Schwund der biologischen Vielfalt; Wirtschaftspotenziale gehen verloren und das ökologische Gleichgewicht wird gestört.
Nachhaltige Entwicklung
Die Verminderung der Biodiversität gefährdet nicht nur wirtschaftliche, soziale und kulturelle Existenzgrundlagen – sie bedroht auch die Entwicklungschancen aller zukünftigen Generationen auf der gesamten Erde.
Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt gehören darum zu den Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung: Biodiversität hilft, Armut zu beseitigen, Ernährung zu sichern, Wasservorräte und Böden zu schonen, die Gesundheit der Menschen zu verbessern und die Anpassungserfordernisse, die der bereits unvermeidbare Klimawandel mit sich bringt, zu bewältigen.
Die Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität tragen die Entwicklungs- und Industrieländer gemeinsam. Die Bevölkerung, die politischen Entscheidungsträger, die Privatwirtschaft und die internationale Gemeinschaft müssen sich langfristig gemeinsam engagieren, damit unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen nicht zerstört werden. Nur wenn die Menschen erkennen, welche Bedeutung die biologische Vielfalt hat und welche Chancen sich aus ihrer nachhaltigen Nutzung ergeben, wird es möglich sein, diesen natürlichen Reichtum wirksam zu schützen.
Um eine fundierte Grundlage für politische Entscheidungen zu bieten, soll die neu geschaffene Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik fungieren. Insbesondere wird sie sich mit übergreifenden Fragen zu Biodiversität, Ökosystemdienstleistungen und dem menschlichem Wohlbefinden beschäftigen. Die Bundesregierung misst diesen globalen Zukunftsfragen große Bedeutung zu. Daher bewirbt sich Deutschland auch um den Sitz des künftigen Sekretariats von IPBES am UN-Standort Bonn.
Deutsches Engagement
Deutschland berät im Rahmen seiner Entwicklungszusammenarbeit die Partner vor Ort dabei, angepasste und nachhaltige Nutzungskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist, die biologische Vielfalt einerseits zu schützen und andererseits zu gewährleisten, dass die Bevölkerung davon direkt profitieren kann – zum Beispiel durch Ökotourismus, die nachhaltige Vermarktung von Heilpflanzen oder durch eine schonende Nutzung der Wildtierbestände.
Das deutsche Engagement dafür ist vielfältig. Zum einen müssen geeignete Rahmenbedingungen und Voraussetzungen geschaffen werden. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung in den Partnerländern von Anfang an Verantwortung für die Maßnahmen übernimmt und sich an ihrer Planung und Umsetzung beteiligt. In diesem Kontext leistet Deutschland neben fachlicher Beratung, unter anderem zu rechtlichen Fragen, auch finanzielle Unterstützung.
Zum anderen gestaltet die deutsche Entwicklungspolitik auch Prozesse auf internationaler Ebene mit, die die nötigen Grundlagen für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt schaffen.
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