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Schutzgebiete

Phong Nha-Ke Bang Nationalpark als Weltnaturerbe erhalten

Der rund 86.000 Hektar große Nationalpark Phong Nha-Ke Bang liegt im Westen der vietnamesischen Provinz Quang Binh unmittelbar an der Grenze zu Laos. Wegen seiner einzigartigen Karstformationen wurde er im Jahr 2003 von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Die Karstformationen mit ihren mehr als 300 Tropfsteinhöhlen und unterirdischen Flüssen gehören zu den ältesten des Kontinents. Zudem bilden sie das größte zusammenhängende Kalksteingebirge in Südostasien.

Dank seiner Artenvielfalt zählt der Park zu den 200 wichtigsten Ökoregionen der Welt. Seine reiche Biodiversität ist durch eine große Anzahl endemischer (also nur in der Region vorkommender) Arten geprägt. Manche von ihnen wurden erst in diesem Jahrzehnt entdeckt. Die biologische Vielfalt des Parks ist jedoch durch illegale und unsachgemäße Nutzung gefährdet.

Piste durch den Regenwald. Urheberrecht: Matthias ReicheDie Provinz Quang Binh liegt in Zentral­vietnam, 500 Kilometer südlich von Hanoi. Sie gehört zu den ärmsten Land­strichen Vietnams. Die 65.000 Men­schen, die in der Randzone des Nationalparks leben, haben neben der Landwirtschaft kaum legale Einkommensquellen. Viele von ihnen sind abhängig von der Nutzung der natürlichen Ressourcen. Wilderei, illegales Abholzen und Brandrodungsfeldbau gefährden den Nationalpark und das fragile Ökosystem. Im Jahr 2008 wurde der Park um 32.000 Hektar erweitert, um einen Biodiversitätskorridor mit dem be­nach­barten Nationalpark Hin Nam No in Laos zu bilden. Dadurch ist der Druck auf die lokale Bevölkerung weiter gestiegen.

Gleichzeitig kommen jährlich mehr als 300.000 Touristen, vorwiegend Vietnamesen, in das Gebiet. Auf der einen Seite stellt der Tourismus für die Bevölkerung eine mögliche Einkommens­quelle dar, auf der anderen schädigt das wenig ausgeprägte Umweltbewusstsein der Besucher den Park.

Lange gab es kein abgestimmtes Entwicklungskonzept für den Nationalpark und sein Umfeld, das Naturschutzziele und Entwicklungsbedürfnisse miteinander verbindet.

Natur schützen – Entwicklung fördern

Tropenwald im Nebel. Urheberrecht: Matthias ReicheDie Situation ist also durch illegale Nutzung, man­geln­de Kontrolle und Rechts­durch­setzung der Naturschutz­behörden und durch die aus­ge­prägte Armut der lokalen Bevölke­rung geprägt. Diesen Problemen wirkt ein groß angelegtes vietnamesisch-deutsches Naturschutzvorhaben entgegen: Die Bundesrepublik unterstützt die Provinzregierung von Quang Binh und die Parkverwaltung Phong Nha-Ke Bang technisch und finanziell.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeiten die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die KfW Entwicklungsbank zusammen mit vietnamesischen Partnern daran, die Landschaft in der Randzone des Nationalparks besser und nachhaltiger zu bewirtschaften, der Bevölkerung eine verbesserte Lebensgrundlage zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen des Parks zu schonen.

Das Projektkonzept verknüpft Naturschutz und nachhaltige Entwicklung der Projektregion und ihrer Bevölkerung. Grundlage dafür sind ein Entwicklungsplan für den Nationalpark und dessen Randzone sowie eine umweltschonende Tourismusstrategie.

Die Wirkungen

Seit Herbst 2009 existiert eine Tourismusstrategie für den Park und die Region Phong Nha-Ke Bang. Ihr Schwerpunkt liegt auf nachhaltigem Tourismus. Als erstes wurde ein Ökopfad im Park angelegt, auf dem die Touristen nun von speziell dafür ausgebildeten lokalen Fremdenführern begleitet werden.

In der Phong-Nha-Höhle sollen künftig feste Gehwege eingeführt und die Beleuchtung neu ausgerichtet werden. Bislang hatten sich die Besucher ihren eigenen Weg durch die Höhle gesucht und richteten dadurch viele Schäden an. Außerdem sollen Touristen die Höhle bald nur noch in Begleitung zertifizierter Führer besuchen dürfen. Dahinter verbirgt sich ein weiterer Vorteil für die Region: Durch die fachliche Ausbildung der Touristenführer entstand eine alternative Einkommensquelle für die Bevölkerung. Schriftliche Besucherinformationen, die es vorher nicht gab, weisen die Besucher nun unter anderem speziell auf den Umweltschutz hin. Der Tourismusplan zeigt Wirkung – auch über den Phong Nha-Ke Bang Nationalpark hinaus: Die UNESCO hat angekündigt, den Plan als Beispiel für andere Weltnaturerbegebiete anzuerkennen.

Auch bei der Erarbeitung eines Entwicklungsplans für die Randzone des Nationalparks sind Fortschritte zu verzeichnen. Die Landnutzung wird Stück für Stück überdacht und an die lokalen Bedingungen angepasst. Begleitet durch deutsche Berater haben acht der insgesamt 13 Gemeinden nachhaltige Landnutzungs­pläne entwickelt, die restlichen werden diesen Prozess in der zweiten Jahreshälfte 2011 abschließen. Im Rahmen dieser Landnutzungspläne werden individuelle Landtitel an Dorf­bewohner vergeben. Anschließend unterstützt das Projekt die Aufforstung dieser Flächen. Mehr als 300 Hektar wurden bisher mit einheimischen Baumarten bepflanzt.

In allen 150 Dörfern der 13 Gemeinden wurden partizipative Dorf- und Gemeindeentwicklungspläne erarbeitet, die auf natur­schutz­relevanten Aspekten beruhen. Neu an dieser langfristigen Entwicklungsplanung ist die Beteiligung von Mitarbeitern des Nationalparks, die gemeinsam mit den Dorfbewohnern und der für die Planung verantwortlichen Gemeindeverwaltung die Schutzbedürfnisse des Parks aktiv in die Planung eingebracht haben.

Im Rahmen des umfassenden sozio-ökonomischen Entwicklungs­plans für die Parkrandzone, der alle Sektoren einschließt, werden sowohl konkrete Investitionsmaßnahmen identifiziert als auch strategische Naturschutzziele berücksichtigt. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, die in diesen Planungsprozess integriert werden, dienen dem langfristigen Schutz der Biodiversität und des Weltnaturerbes.

Deutscher Beitrag: 14,5 Millionen Euro

Geplante Laufzeit: 2007 bis 2016

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