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Schutzgebiete schaffen und erhalten
Ein wichtiges Instrument zum Erhalt der biologischen Vielfalt sind nachhaltig gemanagte Schutzgebiete, Nationalparks und Biosphärenreservate. Sie tragen zum Wasser-, Boden- und Klimaschutz bei und bewahren genetische Ressourcen für zukünftige Generationen.
Für die Lebens- und Wirtschaftsgrundlage des Menschen erbringen sie wichtige Umweltdienstleistungen. Schätzungen gehen davon aus, dass die rund 100.000 Schutzgebiete der Erde Leistungen im jährlichen Gegenwert von 4,4 bis 5,2 Billionen US-Dollar erbringen. Investitionen in Schutzgebiete lohnen sich somit, denn die zunehmende Zerstörung biologischer Vielfalt verursacht enorme wirtschaftliche Kosten, die bisher nur unzureichend in der ökonomischen Gesamtrechnung abgebildet werden.
Diese große Bedeutung von Schutzgebieten spiegelt sich auch im strategischen Plan für die Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) wider, der 2010 im japanischen Nagoya beschlossen wurde. Das elfte der 20 ehrgeizigen Ziele sieht vor, weltweit bis zum Jahr 2020 mindestens 17 Prozent der terrestrischen Fläche (derzeit knapp 13 Prozent) und mindestens 10 Prozent der Küsten- und Meeresfläche (derzeit weniger als 1 Prozent) unter Schutz zu stellen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt ihre Partnerländer bei diesen Anstrengungen. Über bilaterale Vereinbarungen sowie über Regionalprogramme hat Deutschland 2010 über 70 Millionen Euro für Vorhaben in diesem Bereich zugesagt.
Interessen der Bevölkerung berücksichtigen
Der Ansatz für die Schaffung und Weiterentwicklung von Schutzgebieten hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Wurden früher staatliche Nationalparks oft als streng gesicherte "Inseln" in der Nutzlandschaft installiert, richtet sich der Blick heute verstärkt auf die Einrichtung zusammenhängender Netzwerke aus verschiedenen Schutzgebietstypen. Diese Systeme von Schutzzonen sollen effektiv und gerecht verwaltet werden, ökologisch repräsentativ und gut vernetzt und in die weitere Landschaft integriert sein.
Neben weiterhin streng geschützten Kernregionen gehören dazu besonders auch Rand- und Pufferzonen, die eine nachhaltige Nutzung erlauben. Denn damit ein Schutzgebiet seine Aufgaben erfüllen kann und langfristig bestehen bleibt, müssen die Interessen, Werte und Lebensweisen der lokalen Bevölkerung bei seiner Einrichtung berücksichtigt werden. Naturschutzmaßnahmen, die gegen den Willen der Einwohner durchgesetzt werden, sind nicht sinnvoll und können langfristig nicht erfolgreich sein.
Besonders in den landwirtschaftlich genutzten Randzonen von Schutzgebieten müssen die berechtigten Nutzungsinteressen der Menschen mit dem Schutz der Gebiete in Einklang gebracht werden. Bei den von Deutschland geförderten Naturschutzmaßnahmen wird darum die Bevölkerung von Anfang an in die Planung einbezogen. Gleichzeitig wird durch Beratung der verantwortlichen Institutionen und durch Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine kompetente Verwaltung der Schutzgebiete erreicht. Dies trägt zu einem wirksameren Management und einer verbesserten Steuerung der geschützten Flächen bei und erhöht dadurch die Qualität der Schutzgebietssysteme.
Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch die Sicherung der nachhaltigen Finanzierung von Schutzgebieten. Das BMZ engagiert sich daher im Rahmen der von Deutschland 2008 ins Leben gerufenen "LifeWeb" Initiative. Dabei handelt es sich um eine Kooperationsplattform, die Partnerschaften zwischen Staaten, die ihre nationalen Schutzgebietssysteme verbessern wollen, und potenziellen Geldgebern fördert und vermittelt. Dieses Instrument verbessert die Planung und Abstimmung von Aktivitäten, erhöht die Kohärenz. Auch schafft es Anreize für künftige finanzielle Unterstützung von Schutzgebieten durch innovative Quellen wie Privatstiftungen und Unternehmen.
Wissen und Kulturen bewahren
Biologische Vielfalt ist auch Grundlage von kultureller Vielfalt. Verschwindet sie, geht mit ihr auch das traditionelle Wissen über die Verwendung von natürlichen Ressourcen verloren. Insbesondere für indigene Gemeinschaften hat der Verlust von Biodiversität daher einschneidende Konsequenzen: In einem massiv veränderten Lebensraum und ohne die über Jahrtausende genutzten natürlichen Ressourcen ist eine traditionelle Lebensweise oft nicht mehr möglich.
Eine wichtige Rolle in der Entwicklungszusammenarbeit spielt die Anerkennung des Beitrags von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften. Auch wenn ihr Lebensraum keinen offiziellen staatlichen Schutzstatus genießt, setzen sie sich oftmals erheblich für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein.
Auf diese Weise trägt das deutsche Engagement auch zur Förderung bedrohter Kulturen bei. Damit der rechtliche Schutz ihres Wissens sichergestellt ist und die traditionellen Gemeinschaften außerdem einen gerechten Anteil an den Gewinnen aus der Vermarktung ihrer Ressourcen erhalten, werden die verantwortlichen nationalen Institutionen entsprechend beraten und unterstützt. Die so erzielten Gewinne können von den Institutionen wiederum in Projekte zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung der Ressourcen investiert werden.
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