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Der deutsche Beitrag

Nahaufnahme eines Blattes. Urheberrecht: BMU / Bernd Müller

Neue Ansätze entwickeln

Die Natur stellt den Menschen eine Vielzahl von Leistungen und Ressourcen zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel sauberes Wasser, gesunde Böden, Schutz vor Überschwemmungen und Bodenerosion, Arzneimittel, Kohlenstoffspeicherung, Klima­regulierung und Erholung. Obwohl die Menschheit von diesen Leistungen der Natur abhängig ist, existieren für sie keine Preise oder Märkte. Sie werden als wirtschaftliches Gut kaum wahrgenommen und ihr Wert wurde lange nur als gering eingeschätzt.

Das hat dazu geführt, dass die biologische Vielfalt inzwischen durch Bevölkerungswachstum, Erhöhung des Lebensstandards, veränderte Ernährungsgewohnheiten, Urbanisierung und Klimawandel stark belastet wird. Viele Ökosysteme sind bereits deutlich geschädigt – mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit.

Deutschland engagiert sich dafür, neue Ansätze für die entwicklungspolitische Zusammenarbeit zum Biodiversitätserhalt zu entwickeln. Über das Bundesumweltministerium (BMU) hat Deutschland die international viel beachtete Studie zur wirtschaftlichen Bewertung von Biodiversität und Ökosystem­dienstleistungen initiiert und mitfinanziert (The Economics of Ecosystems and Biodiversity, TEEB). Anhand zahlreicher Beispiele zeigt die Studie, dass der wirtschaftliche Wert der Natur weitaus höher ist als von Ökonomen und Naturwissenschaftlern bisher angenommen. Indem sie den Wert der Natur klar beziffert, will die TEEB-Studie zur Entwicklung einer neuen Wirtschafts­philosophie beitragen, die den Wert der Ökosystem­dienst­leistungen bei politischen und ökonomischen Entscheidungs­prozessen berücksichtigt.

Beispielsweise scheint die kommerzielle Abholzung großer Waldflächen zunächst aus kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Gründen vernünftig und rentabel. Unternehmen können das Holz gewinnbringend verkaufen und die gerodeten Flächen für andere Zwecke, etwa die Landwirtschaft, nutzen. Dabei werden andere bedeutsame Funktionen des Waldes aber außer Acht gelassen. Beispielsweise spielen Wälder eine wichtige Rolle bei der Wasserfilterung und Bereitstellung von sauberem Trinkwasser. So stammt das Trinkwasser für 33 der 105 größten Städte der Welt – darunter New York, Rio de Janeiro, Wien, Barcelona, Kapstadt, Tokio und Sydney – ganz oder teilweise aus Waldschutzgebieten.

Wenn solche Zusammenhänge vernachlässigt werden, kommen für die indirekten, langfristigen Folgen der Entwaldung nicht die verursachenden Unternehmen auf. Vielmehr werden diese Kosten in der Regel der Gesellschaft angelastet – heutigen und auch künftigen Generationen. Neben der urbanen Wasserversorgung ist in vielen Fällen insbesondere in Entwicklungsländern die arme ländliche Bevölkerung betroffen, deren tägliches Überleben direkt von den Ressourcen des Waldes abhängt. Die Frage, welche Eingriffe und Belastungen die verschiedenen Ökosysteme tragen können, bevor sie irreversibel geschädigt sind, ist weitgehend ungeklärt. Die TEEB-Studie kommt daher zu dem Ergebnis, dass bei der Nutzung natürlicher Ressourcen das Vorsorgeprinzip angewandt werden muss.

Mechanismen zur gerechten Kostenverteilung

Um die für die Bewahrung von Ökosystemen entstehenden Kosten gerechter zu verteilen, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Mechanismen entwickelt. Zu den etablierten Verfahren gehören die "Zahlungen für Ökosystem­dienst­leistungen" (Payments for Ecosystem Services, PES). Dahinter steckt der Gedanke, dass diejenigen, die zur Erhaltung von Ökosystemen beitragen – die lokale Bevölkerung, oft auch indigene Gemeinschaften – von den Nutznießern der Ökosystem­dienstleistung dafür bezahlt werden sollen.

Dies kann auf regionaler Ebene stattfinden, zum Beispiel indem Einnahmen aus Ökotourismus den Anwohnern zugutekommen oder Wassernutzer am unteren Flusslauf Landwirte in ihrem Wassereinzugsgebiet für eine wasserschonende Wirtschafts­weise bezahlen. Daneben können auch Ökosystem­dienst­leistungen von länderübergreifender Bedeutung finanziert werden, beispielsweise der Erhalt von Lebensräumen für Wandervögel oder die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen über REDD-Programme.

Ein weiterer Mechanismus sind sogenannte "Offsets", die auf dem Verursacherprinzip beruhen. Es handelt sich dabei um Zahlungen und Leistungen von Firmen. Sie fangen zum Beispiel den Biodiversitätsverlust im Rahmen von Großprojekten durch Ausgleichsmaßnahmen auf oder kompensieren ihren über dem Emissionsziel liegenden Kohlendioxid-Ausstoß durch den Kauf von CO2-Zertifikaten. Auch geeignete Maßnahmen der Umwelt­steuerreform können, parallel zu den Steuereinnahmen, zu Schutz und nachhaltiger Nutzung von natürlichen Ressourcen beitragen.

Weitere neue Ansätze zum Thema ökologisches Wirtschaften werden von der Weltnachhaltigkeitskonferenz "Rio 2012" erwartet. 20 Jahre nach der ersten Rio-Konferenz, bei der wichtige Grundlagenpapiere wie die Biodiversitätskonvention und die Agenda 21 beschlossen wurden, wird die Konferenz 2012 wieder in der brasilianischen Metropole stattfinden. Zur besseren Integration von Umwelt- und Wirtschaftsthemen und zur Erarbeitung von Vorschlägen für die Rio-2012-Konferenz wurde im BMZ eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet.

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