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Der deutsche Beitrag

Ein Farmer in Vietnam. Urheberrecht: David Gough/IRIN

Ernährung sichern durch landwirtschaftliche Vielfalt

Einen wichtigen Bereich der biologischen Vielfalt stellt die Agrobiodiversität dar. Sie umfasst die zahlreichen land­wirt­schaftlich genutzten Pflanzen- und Tierarten sowie Ökosysteme. Dabei handelt es sich zu großen Teilen um ein von Menschen geschaffenes Kulturgut und somit um eine Sonderform der Biodiversität.

Die ursprünglich vorhandene Vielzahl von regionalen Nutz­pflanzen und -tieren ist jedoch seit über 100 Jahren weltweit stark rückläufig. In den Industrieländern fand dieser Prozess hauptsächlich im 20. Jahrhundert statt. Während sich hier diese Entwicklung inzwischen abgeschwächt hat, ist die Dynamik in den Entwicklungsländern nach wie vor ungebremst. So wurden beispielsweise in China im Jahr 1949 noch 10.000 lokale Weizensorten angebaut, heute sind es weniger als 1.000, die in großem Umfang genutzt werden. Mit anderen Worten: 90 Prozent der dortigen Weizensorten wurden innerhalb eines halben Jahrhunderts aus dem Anbau verdrängt.

Die Gründe für den Verlust von Artenvielfalt in der Landwirtschaft sind vielfältig und komplex. In erster Linie hat die moderne Landwirtschaft selbst durch Intensivierung, Rationalisierung, Spezialisierung und Konzentration der Produktion maßgeblich zur Verringerung der landwirtschaftlichen Vielfalt beigetragen. Auch die Einführung gentechnisch veränderter Sorten, fehlende ökonomische Anreize für den Biodiversitätserhalt sowie die zunehmende Privatisierung genetischer Ressourcen sind ein wichtiger Grund für den Arten- und Sortenschwund.

Beitrag zur Ernährungssicherung

Auch und gerade zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind wir jedoch auf die landwirtschaftliche Vielfalt angewiesen. Zum einen leistet sie einen entscheidenden Beitrag zur Ernährungssicherung, vor allem für Menschen in Entwicklungsländern. Auf weniger fruchtbaren Standorten schneiden regionale Landsorten oft besser ab als Hochertragssorten, Mischkulturen verhindern die Risiken von Ertragsausfällen. Sie eröffnen der ländlichen Bevölkerung nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und damit auch eine Chance, Armut und Hunger zu überwinden. Auch das Wissen um essbare Wildpflanzen und regionaltypische Nutzpflanzen muss in Anbetracht von Missernten und Krisenzeiten erhalten werden, um die Nahrungsgrundlage der ländlichen Bevölkerung zu sichern.

Zum anderen erleichtert ein großer Genpool die Anpassung der Landwirtschaft an globale Umweltveränderungen, wie zum Beispiel den Klimawandel und die Wüstenbildung. Durch ihn steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ausreichend Pflanzen- und Tierarten auch unter veränderten klimatischen Bedingungen, wie längeren Trockenzeiten, überleben – beispielsweise durch eine in ihnen genetisch verankerte Hitze- und Trockenresistenz.

Von zunehmender Bedeutung ist die Agrarbiodiversität auch für die Industrie, etwa bei der Produktion von Lebensmitteln, als Rohstoff für Medikamente und Kosmetika oder als Grundlage zur Erzeugung erneuerbarer Energien.

Deutschland fördert ländliche Entwicklung

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert den Erhalt der landwirtschaftlichen Vielfalt durch zahlreiche Maßnahmen im Bereich der ländlichen Entwicklung. So wird zum Beispiel die ländliche Bevölkerung in Partnerländern dabei unterstützt, bedrohte Agrarpflanzen anzubauen oder traditionelle Nutztiere zu züchten und zu vermarkten. Viele dieser Produkte werden in den Industrieländern als Delikatessen, Heilmittel oder Wellness-Artikel sehr geschätzt und erzielen hohe Preise.

Weiterhin müssen die Rechte von Landwirten gestärkt werden, ihr lokales Saatgut erhalten, vermehren und verbreiten zu können. Vor allem kleinbäuerliche Betriebe sollen bei der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion unterstützt werden.

Auch die Biodiversität in Meeren, Küstenzonen und Feucht­gebieten dient, ähnlich wie die Agrobiodiversität, in hohem Maße der menschlichen Ernährungssicherung. Deutschland fördert daher international zum Beispiel Vorhaben zum Erhalt von Mangrovenwäldern und Korallenschutzgebieten. Diese bieten zahlreichen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum und schützen die Küsten gleichzeitig auf natürliche Weise vor Sturmfluten und Erosion.

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