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Soziale Sicherung

Soziale Sicherung – wichtiges Instrument im Kampf gegen die Armut

"Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit."
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948

Fünfköpfige Familie. Urheberrecht: GTZ80 Prozent der Weltbevölkerung müssen ohne jegliche soziale Ab­sicherung leben. Sie sind Lebens­risiken wie Krank­heit, Arbeits­losigkeit oder Alters­armut schutzlos ausge­liefert, Schicksals­schläge wie Unfälle oder Miss­ernten stürzen sie in höchste Not. Für Milliarden Menschen ist es darum fast un­möglich, sich aus eigener Kraft aus ihrer Armut und aus ihrer sozialen Isolation zu befreien.

Soziale Sicherheit ist ein Menschen­recht. Es ist in zahlreichen inter­nationalen Vereinbarungen ver­ankert, zum Beispiel im Sozialpakt der Vereinten Nationen, in der Frauenrechts- und der Kinderrechts­konvention sowie in der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Soziale Sicherheit ist Voraus­setzung für nachhaltige Wirtschafts­entwicklung und erfolgreiche Armutsbekämpfung – und damit ein Schlüssel für das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele. Wer krank ist und in Armut lebt, kann sich nicht an der Ent­wick­lung von Wirtschaft und Gesell­schaft beteiligen. Das Fehlen von sozialer Sicherheit schwächt die wirtschaftliche Produktivität eines Landes erheblich. Umgekehrt zeigt sich, dass Länder ökonomisch erfolgreicher werden, wenn sie in soziale Sicherungs­systeme investieren.

In vielen Entwicklungsländern sind traditionelle Solidar­gemein­schaften – in erster Linie die Familien – die einzige Form sozialer Absicherung. Doch durch die demografische Entwicklung, die starke Verbreitung von HIV und AIDS und eine zunehmende Migration geraten diese Gemeinschaften immer häufiger an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Veränderte Lebensbedingungen, wachsende soziale Ungleich­heiten und neue Risiken, etwa durch den Klimawandel, führen dazu, dass soziale Sicherungssysteme in den Entwicklungs­ländern immer wichtiger werden. Sie tragen zu gesellschaftlicher Kohäsion bei und helfen so, Stabilität und Frieden zu erhalten. Konkret sollen sie

  • vor dem Eintritt von Notlagen bewahren,

  • individuelle Krisen und finanzielle Notlagen abfedern,

  • die Selbsthilfefähigkeiten und die Eigenvorsorge armer Menschen zur Bewältigung von Krisen nachhaltig stärken und

  • extrem arme Menschen und solche, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft erwirtschaften können, unterstützen und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Soziale Sicherung trägt somit sehr direkt und effektiv zur Vermeidung und Reduzierung von Armut bei.

Große Herausforderungen

Beim Auf- und Ausbau sozialer Sicherungssysteme stehen die Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vor großen Herausforderungen. Bis zu 85 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in diesen Ländern im informellen Sektor. Sie werden daher durch herkömmliche staatliche Sozialversicherungssysteme in der Regel nicht erreicht. Hinzu kommt, dass vorhandene Sicherungssysteme oft unterfinanziert sind und vorhandene Mittel zugunsten wohlhabender Bevölkerungsgruppen umverteilen.

Für die Entwicklung tragfähiger und sozial ausgewogener Sicherungsprogramme gibt es keine fertigen Vorlagen: Entscheidend ist, Systeme zu entwickeln, die an die spezifischen Bedürfnisse des jeweiligen Landes angepasst sind. Erfahrungen haben gezeigt, dass Reformprozesse nur dann nachhaltig wirksam sind, wenn Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft eng zusammenarbeiten. Dadurch können sie ein einheitliches soziales Sicherungssystem für die gesamte Bevölkerung schaffen, das die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

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