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Reformprozesse

Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen

Ein Bauer bei der Arbeit auf dem Feld, Äthiopien. Urheberrecht: photothek.netLändliche Regio­nen verfügen in der Regel über einen großen Reich­tum an na­tür­lichen Res­sour­cen. Dieser ist jedoch in vielen Entwicklungs­ländern massiv bedroht. Ihre Armut zwingt die Menschen oft dazu, Raubbau an der Natur zu betreiben. Mit allen Mitteln versuchen sie, ihren Lebens­unterhalt zu sichern. Mangelnde Kenntnisse oder fehlende Handlungs­alternativen führen zu Überweidung, Übernutzung sowie falschen Bewässerungs- und Anbau­methoden.

Land-, Forst- und Fischerei­wirtschaft können die wirtschaftliche Grundlage in ländlichen Gebieten nur langfristig sichern, wenn sie nachhaltig betrieben werden. Dazu ist ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen erforderlich: Boden und Wasser müssen geschützt, die biologische Vielfalt und insbesondere die Agro­biodiversität müssen erhalten und das Gleich­gewicht der Ökosysteme gesichert werden.

Der Klima­wandel und seine Folgen stellen eine wachsende Heraus­forderung für die Land- und Forst­wirtschaft in Ent­wick­lungs­ländern dar. Einerseits ist die Bevölkerung ländlicher Räume und ihre land­wirt­schaft­liche Produktivität durch den Klima­wandel besonders gefährdet, denn extreme Natur­ereignisse wie Dürren und Überflutung nehmen zu. Andererseits bieten die ländlichen Räume weltweit ein großes Potenzial zur Einsparung von Treib­haus­gas­emissionen und zur Kohlenstoff­speicherung.

Der Schutz der natürlichen Ressourcen und eine nachhaltige Land­nutzung tragen also direkt dazu bei, die Auswirkungen der globalen Erwärmung zu mindern und die Anpassung an die Folgen des Klima­wandels zu erleichtern.

Agrobiodiversität

Besonders bedeutend für die heutige und zukünftige Welt­ernährung ist die biologische Vielfalt in der Land­wirt­schaft (Agro­biodiversität). Seit Beginn des 20. Jahr­hunderts geht sie jedoch stark zurück – vor allem in den Entwicklungs­ländern sind viele Pflanzen- und Tierarten verschwunden. Mono­kulturen haben vielerorts die traditionelle Land­wirt­schaft verdrängt. Zudem fehlen oft die ökono­mischen Anreize, die biologische Vielfalt zu sichern.

Für die Ernährungs­sicherung von Kleinbauern in Entwicklungs- und Transformations­ländern spielt Agro­biodiversität eine bedeutende Rolle. Etwa 75 Prozent der ärmsten Menschen der Welt leben in ländlichen Gebieten und sind von der Land­wirt­schaft abhängig. Dort, wo die Boden­fruchtbarkeit niedrig ist und es an Wasser mangelt, erbringen regionale Pflanzen­sorten oft bessere Ernten als Hoch­ertrags­sorten. Vielfältige Mischkulturen mindern das Risiko von Ertragsausfällen. Für die Anpassung der Land­wirt­schaft an die Folgen des Klima­wandels spielt die genetische Vielfalt ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Agro­biodiversität ist damit eine strategische Ressource für die Armuts­bekämpfung in Entwicklungs­ländern. Und auch die Industrie­länder sind mit Blick auf den Klimawandel und die künftige Ernährungs­sicherung auf eine breite Verfügbarkeit unterschiedlicher genetischer Ressourcen angewiesen. Die deutsche Regierung unterstützt daher unter anderem die Umsetzung des Internationalen Saatgut­vertrages der Vereinten Nationen. Sein Ziel ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der pflanzen­genetischen Ressourcen. Ein entwicklungs­politischer Schwerpunkt ist dabei die Sicherung der traditionellen Rechte der Bauern beim Umgang mit Saatgut (Saatgut aufbewahren, vermehren, austauschen, weiterentwickeln). Deutschland unter­stützt seine Partner­länder dabei, ihre nationale Gesetz­gebung entsprechend zu gestalten.

Ein weiteres Ziel der Entwicklungs­zusammenarbeit ist es, die Bewohner ländlicher Gebiete für das Thema Agro­biodiversität zu sensibilisieren und die kommunale und dörfliche Infrastruktur entsprechend zu stärken. So können die Bauern das Potenzial der biologischen Vielfalt nutzen, um neue Märkte zu erschließen.

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