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Ländliche Entwicklung

Hintergrund: Ländliche Regionen fördern, Eigenverantwortung stärken

Ländliche Region in Mittelamerika. Urheberrecht: TransFairDie meisten Menschen, die weltweit unter Armut und Hunger leiden, leben auf dem Land. Sie sind nicht in der Lage, sich und ihre Familien ausreichend zu versorgen. Ein hohes Bevölkerungswachstum, mangelnde Bildungs­möglich­keiten, fehlende soziale Absicherung und die Auswirkungen des Klima­wandels erschweren ihre Lage. Von gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen sind sie häufig ausge­schlossen. Landflucht, Abholzung der Wälder, Desertifikation und gewaltsame Konflikte um Wasser, Acker- und Weideflächen haben in vielen Entwicklungsländern besorgniserregende Ausmaße angenommen.

Ländliche Räume haben viele Funktionen: Dort werden nicht nur Nahrungs- und Futtermittel produziert, sondern auch Rohstoffe wie Holz, Baumwolle, Pflanzenöl sowie Energiepflanzen für Biokraftstoffe. Die landwirtschaftlichen Erträge sind nicht nur für die Ernährungssicherung der Landbevölkerung bedeutsam, sondern auch für die Versorgung der Stadtbewohner. Ländliche Regionen tragen zudem entscheidend zur Reinhaltung von Luft und Wasser sowie zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.

Jahrzehntelang wurde die Entwicklung ländlicher Gebiete von der Politik stark vernachlässigt. Die Förderung ländlicher Räume konzentrierte sich bis in die 1980er Jahre auf staatliche Agrar­dienste und Ernährungssicherungsprogramme. Der Rückgang dieser Investitionen wurde nur punktuell durch private Investitionen aufgefangen, die sich vor allem auf den Anbau weniger international wettbewerbsfähiger Agrarprodukte wie Tee, Kaffee und Baumwolle konzentrierten.

Vor allem durch die Nahrungsmittelkrise 2008/2009 rückten ländliche Räume wieder stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen – auch entwicklungspolitischen – Interesses. Es wurde deutlich, dass ländliche Entwicklung ein Schlüssel für die Bekämpfung des Hungers ist und zur Erreichung sämtlicher Entwicklungsziele beiträgt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Unterstützung von außen reicht nicht aus, um Hunger und Armut in Entwicklungsländern wirksam und dauerhaft zu bekämpfen. Die Betroffenen müssen sich eigenverantwortlich darum bemühen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und eine Entwicklung anzustoßen, die sich langfristig selbst trägt. Leitgedanke der deutschen Entwicklungspolitik ist daher die Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Entwicklung ländlicher Räume ist ein Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Auf dem G8-Gipfel 2009 im italienischen L’Aquila hat die Bundesregierung zugesagt, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit von 2010 bis 2012 insgesamt 2,1 Milliarden Euro für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Ernährungssicherung bereitzustellen. Deutschland unterstützt seine Partnerländer dabei, die wirtschaftlichen Potenziale der ländlichen Räume besser zu nutzen, die Ernährung der Bevölkerung zu sichern und zugleich die natürlichen Ressourcen zu schützen.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht dabei meist die Landwirtschaft. Doch auch die Verbesserung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ist ein wichtiger Arbeitsbereich. So können Kleinbauern zum Beispiel nur dann erfolgreich wirtschaften, wenn die Land- und Wasserrechte eindeutig und fair geregelt sind. Deutschland fördert außerdem die Einrichtung dezentraler Verwaltungsstrukturen, da diese der Bevölkerung mehr Möglichkeiten geben, politisch mitzubestimmen. Auch den Aufbau einer lebendigen Zivilgesellschaft und die Stärkung der gesellschaftlichen Stellung der Frauen unterstützt das BMZ.

Damit die internationale Landwirtschafts-, Fischerei-, Handels- und Klimapolitik die Bemühungen der Entwicklungsländer nicht wieder zunichtemacht, setzt die deutsche Entwicklungspolitik zudem auf einen engen Dialog mit den anderen Bundesressorts und mit den anderen Gebern. Nur so können sie zur Reduzierung von Armut und zur Bekämpfung des Hungers beitragen.

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