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Hintergrund

Bauer auf dem Hirsefeld bei Djibo in Burkina Faso. Urheberrecht: BMZ

Im Blickpunkt:
Ländliche Entwicklung als Schlüssel für mehr Ernährungssicherheit

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschafts­organisation der Vereinten Nationen (FAO) litten im Jahr 2010 weltweit etwa 925 Millionen Menschen an Hunger. Im Vergleich zu 2009 hat die Zahl der Hungernden zwar abgenommen, sie liegt aber immer noch höher als vor der Lebens­mittel­krise 2008, als die Weltmarkt­preise für Grund­nahrungs­mittel extrem anstiegen. Aufgrund des Bevölkerungs­wachstums ist der Anteil der Hungernden an der Ge­samt­bevölkerung in Entwicklungs­ländern von 20 Prozent im Jahr 1990 auf 16 Prozent im Jahr 2010 gefallen. Das Millenniumsziel 1 sieht vor, den Anteil der Hungernden zwischen 1990 und 2015 zu halbieren, also auf 10 Prozent zu senken.

Die meisten Menschen, die unter Hunger leiden, leben in länd­lichen Gebieten. Es sind vor allem Kleinbauern, Hirten und Tage­löhner. Was sie erwirtschaften, reicht oft nicht aus, um sich und ihre Familien zu ernähren. Mit schwerwiegenden Folgen: Hunger und Mangel­ernährung mindern die Arbeits­kraft von Er­wachsenen. Bei Kindern werden das Wachstum und die geistige Entwicklung gestört. Hungernde Menschen haben keine Chance, aus eigener Kraft der Armut zu entkommen.

Teufelskreis von Armut und Hunger durchbrechen

Auf die Frage "Warum müssen Millionen Menschen hungern?" gibt es keine einfache Antwort. Hunger hat vielfältige und komplexe Ursachen. Mangelndes Einkommen, Umwelt­zerstörung und Natur­katastrophen, schlechte Hygiene­verhältnisse und Krankheit, Kriege und Konflikte sind einige davon.

Ländliche Entwicklung durchbricht den Teufelskreis aus Armut und Hunger. Die deutsche Entwicklungspolitik unterstützt ihre Partner­länder dabei, die Landwirtschaft auf eine rentable, soziale und ökologische Basis zu stellen. Mit deutscher Hilfe werden um­fang­reiche Reformen angestoßen, etwa in Bezug auf politische Rahmen­bedingungen, Infra­struktur und Management der natürlichen Ressourcen.

Desertifikation

Bodenerosion in Kenia. Urheberrecht: BMZWährend der Be­darf an Nah­rungs­mitteln weltweit steigt, gehen immer mehr fruchtbare Anbau­flächen verloren. Sied­lungen breiten sich aus, Acker­flächen und Weide­land werden übernutzt, Wälder werden abgeholzt. Der Boden laugt aus und verliert seine Fähigkeit, Wasser zu speichern und Pflanzen zu ernähren. Nach und nach wird durch solche Prozesse der Boden­degradation aus ehemaligen Acker- und Weideflächen unfruchtbares Land. Besonders betroffen sind die Trocken­gebiete, die mehr als ein Drittel der Erd­oberfläche ausmachen. In diesen Gebieten wird bei fortschreitender Ver­schlechterung der Boden­qualität von Desertifikation gesprochen, also von Wüstenbildung.

Mehr als die Hälfte aller Kultur­böden sind bereits von vom Menschen verursachten Degradierungs­prozessen betroffen. Verschärft wird das Problem durch die Folgen des Klimawandels – Dürren, Überflutungen und Extrem­temperaturen nehmen zu und bedrohen die landwirt­schaftliche Produktion. Die wachsende Konkurrenz um Land und Wasser erhöht das Risiko gewaltsamer Konflikte in ländlichen Regionen.

Mit der Konvention zur Desertifikations­bekämpfung (United Nations Convention to Combat Desertification, UNCCD) haben die Vereinten Nationen einen rechtlichen Rahmen gesetzt, um Umwelt- und Ressourcen­schutz mit den Zielen der globalen Armuts­bekämpfung zu verbinden. Bislang bezieht sich die Konvention geografisch vor allem auf die besonders betroffenen Trockengebiete der Erde. Das BMZ bemüht sich darum, den Geltungs­bereich auf alle ländlichen Regionen zu erweitern, in denen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung Ernährungs­sicherung, Klima­schutz und der Erhalt der biologischen Vielfalt in Einklang gebracht werden müssen.

In den Jahren 2008 und 2009 förderte das BMZ mehr als 900 Projekte und Programme, die einen Beitrag zur Umsetzung der UNCCD leisteten. Dafür wurden Mittel in Höhe von rund 417 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Rund 700 Millionen Euro wurden in den beiden Jahren neu zugesagt. Damit ist Deutsch­land einer der größten Geber im Bereich der Desertifikations­bekämpfung.

Biokraftstoffe

Ein wichtiger Ansatz, um die inter­national vereinbarten Klima­schutz­ziele zu erreichen, ist der verstärkte Einsatz von Agrar­treib­stoffen an Stelle von klima­schädlichen fossilen Energie­trägern wie Erdöl. Viele Länder haben Beimischungs­quoten für Kraft­stoffe eingeführt. So sollen in der EU bis 2020 zehn Prozent der Kraftstoffe im Verkehrs­sektor aus erneuerbaren Quellen stammen. Neben diesen politischen Entscheidungen haben auch die steigenden Erdöl­preise einen Nachfrage­boom nach Bio­energie ausgelöst.

Viele der Agrar­treib­stoffe kommen aus Entwicklungs­ländern. Für den ländlichen Raum ist die Erzeugung von Energie­pflanzen sowohl eine Chance als auch ein Risiko. Wird die Produktion von Bio­kraft­stoffen in nachhaltige Entwicklungs­strategien ein­ge­bettet, besitzt sie ein hohes Potenzial zur ländlichen Wirt­schafts­förderung und damit zur Armuts­bekämpfung und Ernährungs­sicherung. Fehlen jedoch entsprechende regulierende Rahmen­bedingungen, kann das gravierende ökologische und soziale Folgen haben – zum Beispiel wenn Klein­bauern vertrieben werden, weil ein internationales Groß­unternehmen gewinn­trächtige Mais-, Raps-, Ölpalmen- oder Zuckerrüben­plantagen zur Kraftstoff­produktion anlegen will.

Das BMZ setzt sich in internationalen Gremien dafür ein, das Prinzip der Nachhaltigkeit bei der Herstellung von Bioenergie systematisch zu verankern. In der bilateralen Entwicklungs­zusammen­arbeit wird geprüft, ob die Produktion von Agrar­treib­stoffen eine sinnvolle Komponente einer Strategie zur Ländlichen Entwicklung sein könnte. Weiter Informationen dazu finden Sie auch in den folgenden Kapiteln:

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