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Hintergrund

Klimawandel und Entwicklung


Christiana Figueres
Wie Kolumbus damals sind wir Menschen unserer Zeit mit all den damit einher­gehenden Ein­schränkungen. Doch auch wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Welt! Ob wir den Stürmen des Klima­wandels erliegen oder zusammen­arbeiten, um das andere Ufer zu erreichen, ist unsere Entscheidung. Was auf dem Spiel steht, ist nichts weniger als die lang­fristige, nach­haltige Zukunft der Mensch­heit. (...) Wir müssen im vollen Bewusst­sein voran­schreiten, dass wir den Ozean nicht mit einer einzigen Windböe überqueren können.
Christiana Figueres, Exekutivsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC)

Der Klimawandel mit seinen weit­reichenden Folgen ist zu einer der größten Heraus­for­de­run­gen der Mensch­heit geworden. Häufigere Natur­katastrophen und Wetter­extreme, zunehmende Wasser­knappheit, überflutete Küsten­gebiete und ein beschleunigtes Arten­sterben sind seine unmittel­baren Folgen in fast allen Ländern, aber vor allem in den Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern.

Die Zeit drängt

Diese Prognose wurde zuletzt im November 2012 von der Weltbank bestätigt: "Kein Land ist gegen die Folgen des Klima­wandels gefeit. Aber die Ausprägung der Auswirkungen des Klima­wandels wird voraus­sicht­lich je nach Region sehr unter­schied­lich ausfallen, wobei die ärmsten Welt­regionen, die über die geringsten wirt­schaft­lichen, insti­tu­tio­nellen, wissen­schaft­lichen und tech­ni­schen Kapa­zi­täten zur Bewältigung der Klima­folgen ver­fügen, stärker betroffen sein werden", warnen die Autoren des Weltbank-Berichts "Turn Down the Heat" vor den katas­tro­phalen Folgen des Klima­wandels in Ent­wick­lungs­ländern. Für die Menschen in den Kooperations­ländern der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik bedeutet dies häufig die Gefährdung bisher erreichter Erfolge, wenn zum Beispiel Schulen oder Kranken­häuser von einer Flut weggespült werden.

Inzwischen ist klar: Der Verzicht auf Klima­schutz wird uns viel mehr kosten als der Klima­schutz selbst. Und die Zeit drängt.

Hinzu kommt: Klimapolitik funk­tio­niert nur, wenn sie die Ent­wick­lungs­chancen der Menschen wahrt. Die Menschen in den Ent­wick­lungs­ländern haben ein Recht auf Ent­wick­lung – und fordern es ein. Umgekehrt ist wirt­schaft­liche und soziale Ent­wick­lung weltweit ohne klima­freund­liche Ent­wick­lungs­pfade und erneuer­bare Energien nicht möglich.

Minderung und Anpassung

Satellitenaufnahme der Erde, Nutzung von elektrischem Licht. Urheberrecht: GIZDie Staaten­ge­mein­schaft strebt an, die glo­bale Tem­pe­ra­tur­erhöhung auf maxi­mal zwei Grad Cel­sius bezogen auf das vor­indus­trielle Zeit­alter zu be­gren­zen. Für uns in den Industrie­ländern steht dabei häufig die Min­de­rung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Vorder­grund. Die Aus­gangs­lage für Ent­wick­lungs­länder ist jedoch eine andere: Sie sind nur zu einem geringen Pro­zent­satz Ver­ursacher des Klima­wandels – doch sie sind bereits vielfach die Haupt­leid­tragenden und werden es zukünftig in noch viel stärkerem Maße sein.

Zu diesem Urteil gelangen auch die Autoren des Weltbank-Berichts "Turn Down the Heat", der neueste Forschungs­ergebnisse über die Risiken des Klima­wandels speziell für Ent­wick­lungs­länder zusammen­fasst: "Diese Regionen verfügen über die schwächsten Kapazitäten zur Bewältigung der Folgen des Klima­wandels und sind zugleich über­proportional von seinen Aus­wirkungen betroffen. Daher zählen sie zu den am stärksten gefährdeten Regionen weltweit."

Küstenzonen und Land­wirt­schaft der ärmsten Regionen der Welt sind akut bedroht. Vor allem kleine Insel­staaten und arme Ent­wick­lungs­länder brauchen Un­ter­stüt­zung. Umfang­reiche Maß­nahmen zur Anpassung an den Klima­wandel sind bereits jetzt erforderlich, zum Beispiel die Erhöhung und Festi­gung von Deichen als Hoch­wasser­schutz in Küsten­nähe, verbesserte Früh­warn­systeme und land­wirt­schaft­liche Ver­sicherungen bei Klima­schäden.

Anpassung ist für Ent­wick­lungs­länder also ebenso wichtig wie Emissions­minderung. In der globalen Partner­schaft gilt: Je früher bei der Anpassung gehandelt wird, desto geringer werden die klima­bedingten Schäden sein.

Die Finanzierung von Klima­maßnahmen in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern sowohl zur Minderung von Treib­haus­gas­emissionen als auch zur Anpassung an den Klima­wandel ist daher bereits seit Längerem zentraler Bestand­teil der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Kooperations­ländern weltweit.

Die angestrebten In­ves­ti­tio­nen für Minderung und Anpassung sind nur wirksam, wenn sie in nationale Strategien für eine nach­hal­tige Ent­wick­lung der ärmsten Länder integriert werden. Die He­raus­for­de­rung des Klima­wandels hat für die Ent­wick­lungs­länder einschneidende Konse­quenzen beim Ausbau der Infra­struk­tur (Energie, Wasser, Stadt­entwicklung, Mobilität und Katastrophen­schutz), in der Land- und Forst­wirt­schaft und im Gesund­heits­sektor. Die jeweilige nationale Ent­wick­lungs­po­li­tik muss daher auf den not­wendigen Über­gang auf emissions­arme und wider­stands­fähige Volks­wirt­schaften aus­gerichtet werden. Hierzu benötigen die Ent­wick­lungs­länder die Un­ter­stüt­zung der in­ter­na­ti­o­nalen Gemeinschaft.

Ent­wick­lungs­po­li­tik basiert heute auf gemein­samer Ver­ant­wor­tung und gegen­seitigen Verpflichtungen der Kooperations­länder. Daher muss sich die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit konzeptionell auf die Strategien der Regierungen in den Kooperations­ländern beziehen und ihre Umsetzung – in Abstimmung mit anderen Entwicklungs­akteuren – unterstützen.

Die Schaffung eines ambitionierten, rechts­verbindlichen globalen Regel­werks, wie es bei den Ver­hand­lungen unter der Klima­rahmen­konvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll unter­nommen wird, hilft allen, diese enorme Aufgabe zu bewältigen und Lasten gerechter zu verteilen. Unabhängig hiervon liegt es jedoch in unserer Hand – bei Staaten, Unter­nehmen, der Zivil­gesellschaft und jedem Einzelnen –, die not­wendigen Maß­nahmen zu ergreifen, um die durch­schnitt­liche globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu be­gren­zen und die Folgen des Klima­wandels einzugrenzen. Die Zeit zu handeln wird knapp!

Ausbau des deutschen Engagements

Ent­wick­lungs­länder müssen in die Lage versetzt werden, Maß­nahmen zu Emissions­minderung und Anpassung durchzuführen und gleichzeitig in ihrer wirt­schaft­lichen und sozialen Ent­wick­lung voran­zuschreiten. Dazu benötigen sie – auch bei Aus­schöpfung ihrer eigenen Finan­zierungs­möglich­keiten – noch zusätz­liche finanzielle Un­ter­stüt­zung.

Deutsch­land ist seit Langem einer der größten Geber für den Klima­schutz in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern. In den letzten Jahren hat die Bun­des­regie­rung ihr En­gage­ment systematisch ausgebaut. Im Jahr 2005 lagen die Inves­ti­tio­nen in diesem Bereich noch bei 470 Millionen Euro. Innerhalb von nur sieben Jahren konnten sie auf mehr als 1,4 Milliarden Euro jährlich (2011) ver­drei­facht werden. Deutsch­land ist damit der zweit­größte Geber welt­weit nach Japan.

Ein Teil dieser Finanz­mittel entstammt einem inno­vativen Finan­zierungs­instru­ment: der Ver­steigerung von Emissions­handels­zertifikaten in Deutsch­land. Die Erlöse aus dem Emissions­handel sind neue und zusätz­liche Mittel, die nicht vom Steuer­zahler kommen, sondern unmittelbar von den Ver­ursachern des Schad­stoff­ausstoßes entrichtet werden müssen. Die Bun­des­re­gie­rung hat ihren 2009 auf der Klima­konferenz in Kopen­hagen zugesagten Beitrag in Höhe von 1,26 Milliarden Euro für die Jahre 2010 bis 2012 (Fast-Start-Finanzierung) geleistet. Und sie wird ihre In­ves­ti­tio­nen in Klimaschutz- und Anpassungs­maßnahmen in den kommenden Jahren – unter anderem durch Beiträge zum Grünen Klima­fonds (Green Climate Fund, GCF) – weiter ausbauen.

Zusätzlich will das BMZ möglichst viele Partner mit ins Boot holen. Die Wirt­schaft ist dabei besonders wichtig. Denn ohne die Zu­sam­men­ar­beit mit der Wirt­schaft ist erfolg­reiche Ent­wick­lungs­po­li­tik nicht möglich und ohne die Wirt­schaft wird auch erfolg­reicher Klima­schutz nicht gelingen. Das Kapital, die Kraft und das Fach­wissen des Privat­sektors sollen darum stärker für die Ent­wick­lung genutzt werden.

Links zu den Unterkapiteln

Klimagerechte Ent­wick­lung: Hand in Hand den Wandel gestalten

Im Blickpunkt: Klimawandel – Konsequenzen für Ent­wick­lungs­länder

Im Blickpunkt: Klimawandel gefährdet Men­schen­rech­te

Service-Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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