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Anpassung

Im Blickpunkt: Pazifische Inselstaaten – schutzlose Paradiese

In Workshops klärt Fakalelu Tuuta Vailea die Einheimischen ihrer Insel über die Auswirkungen des Klimawandels auf. Urheberrecht: Christine Fung/GTZ
"Der Klimawandel verschlechtert unsere Lebensbedingungen enorm. Die Frucht­barkeit unseres Landes nimmt rapide ab. Um fruchtbaren Boden zu finden, müssen wir inzwischen weite Wege zurück­legen oder gar umsiedeln. Uns erschien das wie eine Strafe Gottes! Wir erlebten die Probleme, aber wir wussten weder, was sie verursacht hat, noch wie wir sie bewältigen und uns anpassen können. Die Informationen darüber, was genau mit unserer Insel durch den Klima­wandel passiert, haben uns die Augen geöffnet."
Fakalelu Tuuta Vailea, die sich auf der Insel Eua in Tonga für die Aufklärung über den Klimawandel einsetzt

Klimawandel ist für die meisten Menschen hierzulande noch ein abstrakter Begriff, doch für manche Bewohner der pazifischen Inselstaaten bereits harte Realität.

Weil sie sehr klein sind und nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen, sind die oft weit verstreut liegenden Inseln Naturereignissen schutzlos ausgeliefert. Durch die Klima­erwärmung werden diese immer extremer: Regenschauer und Wirbelstürme verstärken sich und führen immer häufiger zu Überschwemmungen. Auch Dürreperioden werden immer länger. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Mensch und Umwelt: Ernten werden zerstört, Trinkwasser versalzt und Küsten erodieren. Die Existenzgrundlage der Bewohner, die haupt­säch­lich von Fischerei und Landwirtschaft leben, wird geschädigt oder gar vernichtet.

Ernährung, Einkommen und Traditionen gefährdet

Auch die etwa 170 Inseln des Staates Tonga im Südpazifik sind stark vom Klimawandel betroffen. "Früher bauten wir viele verschiedene Sorten an, heute gedeiht hier fast nur noch die Brotfrucht. Auch Kava, eine wichtige Einkommensquelle für uns, ist durch die Dürre zerstört", klagt die Bäuerin und Lehrerin Fakalelu Tuuta Vailea von der kleinen Insel Eua.

Immer mehr Bewohner von abgelegenen Inseln ziehen mittler­weile aufgrund der besseren Berufs- und Bildungssituation auf die Hauptinsel Tongatapu, wo sie häufig unter ärmlichen Bedingungen in niedrig gelegenen Küstenorten hausen. Dadurch sind sie der Gefahr von Stürmen und Überschwemmungen direkt ausgesetzt.

Das kulturelle Leben indigener Gemeinschaften ist ebenfalls beeinträchtigt: Traditionelle Stoffe können nur noch unter Schwierigkeiten hergestellt werden, da für die typische rote Farbe ein spezieller Lehm benötigt wird, der aufgrund der zunehmenden Bodenerosion immer seltener zu finden ist.

Stärkung von Regionalorganisationen

Um nachhaltig erfolgreich zu sein, setzt die Unterstützung durch die Bundesregierung auf allen Ebenen an – sowohl regional, als auch national und lokal. Ein Hauptziel der pazifisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es beispielsweise, das Sekretariat der Pazifischen Gemeinschaft (Secretariat of the Pacific Community, SPC) als regionale Beratungsorganisation zu stärken, indem den Mitarbeitern Wissen und Methoden zur Klimaproblematik vermittelt werden. In der Folge wird das SPC eigene Beratungsleistungen dazu bereitstellen und den Klima­wandel in alle Programme als Querschnittsthema integrieren.

Nationale Politiken "klimafest" machen

Auf nationaler Ebene berät die Bundesregierung die Projekt­länder Fidschi, Tonga und Vanuatu dabei, nationale Anpassungs­strategien zu erarbeiten und Reaktionen auf den Klimawandel in die wirtschaftlich essenziellen Bereiche Land- und Forstwirtschaft sowie in die Landnutzungsplanung zu integrieren. So wurden zum Beispiel 31 wesentliche Änderungen in die neue Forstpolitik Tongas eingebracht, die der veränderten Realität durch den Klimawandel Rechnung tragen. Damit ist Tonga ein Vorreiter im Pazifik.

Pilotprojekte durchführen

Gleichermaßen wichtig ist es, Pilotprojekte mit den Insel­bewohnern auf lokaler Ebene durchzuführen.

So gefährdet zum Beispiel die Übernutzung durch Wald- und Weidewirtschaft die Waldflächen sehr stark. Mit Unterstützung der lokalen Bevölkerung wird diese daher von der Forst­verwaltung umzäunt. Größere Hanglagen, denen Erosion droht, werden aufgeforstet und es wird ein klimafester Land­nutzungs­plan erarbeitet. In dessen Rahmen werden auch neue Techniken und Nutzpflanzen für die Landwirtschaft erprobt.

Insbesondere auf den abgelegenen und nur schwer erreichbaren Inseln wissen jedoch immer noch sehr wenige lokale Gemein­schaften vom Klimawandel. Groß angelegte Informations- und Aufklärungskampagnen sind daher äußerst wichtig. In Pilotvorhaben wird dazu klimarelevantes Unterrichtsmaterial hergestellt und in die Lehrpläne integriert.

Weitere Fördermittel zugesagt

Bereits seit 1977 engagiert sich Deutschland in den pazifischen Inselstaaten. Nicht zuletzt aufgrund der überregionalen Auswirkungen des Klimawandels umfasst die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nunmehr die gesamte pazifische Region und nicht mehr einzelne Inselstaaten. Für das derzeit laufende Vorhaben zur Anpassung an den Klimawandel stellt die Bundesregierung 14,2 Millionen Euro zur Verfügung.

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