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Hintergrund
Good Governance: Regionale Trends
Die 1990er Jahre waren eine Zeit des tief greifenden gesellschaftlichen Wandels – hin zu mehr Demokratie und Marktwirtschaft. Seitdem ist Ernüchterung eingekehrt: Einige Entwicklungsländer erlebten autoritäre Herrschaften oder staatliches Unvermögen. Mangelnde staatliche Legitimität führte zu Konflikten und niedrigem Governance-Niveau. Vergleicht man die Beurteilungen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung von Staaten im Bertelsmann Transformation Index (BTI) von 2003 und 2010 lassen sich folgende regionale Trends erkennen:
In Afrika südlich der Sahara zeichnet sich eine Verbesserung der Regierungsführung ab. Fast zwei Drittel der 37 untersuchten Länder wurden auf dem Status-Index im Vergleich zu 2003 besser bewertet.
Ähnlich sieht die Situation in der Region Nordafrika/Naher Osten aus. Die überwiegend autoritären Regierungssysteme haben eine öffentliche Diskussion über politische Reformen lange kontrolliert und beschränkt. Trotz dieser Widrigkeiten stellt der BTI-Status-Index erhebliche Verbesserungen in diesen Ländern fest.
In Asien hat sich das Governance-Niveau im Vergleich zu 2003 auf dem Status-Index nicht entscheidend verbessert. Die Hälfte der Länder blieb in ihrer Bewertung gleich oder verschlechterte sich. Diese Entwicklung zeigt, dass marktwirtschaftliche Erfolge nicht automatisch zu demokratischen Reformprozessen führen. Bestes Beispiel hierfür sind Staaten wie Singapur und Malaysia.
Lateinamerika hat sein relativ hohes Niveau bewahrt, das lediglich von den Transformationsländern Osteuropas übertroffen wird. Osteuropa und die GUS-Staaten schneiden von den im Bertelsmann Transformation Index 2010 berücksichtigten Entwicklungs- und Transformationsländern im regionalen Governance-Vergleich am besten ab. Vor allem die Aussicht, in die EU aufgenommen zu werden, ließ die Bemühungen einiger Staaten ansteigen. Zugleich verhindern jedoch zunehmende autoritäre Bestrebungen in den GUS-Staaten noch bessere Beurteilungen.
Insgesamt werden von 128 im BTI untersuchten Staaten nur 14 als konsolidierte oder weit fortgeschrittene rechtsstaatliche Demokratien sowie sozialpolitisch gestützte Marktwirtschaften eingestuft.
75 Staaten erfüllen die Grundanforderungen an eine rechtsstaatliche Demokratie. Während 23 Staaten keine wesentlichen Defizite aufweisen, werden jedoch 16 Staaten als "stark defekte Demokratien" bezeichnet. Zu den 52 vom BTI identifizierten Autokratien zählen auch die als "failing states" bezeichneten Länder Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Irak und Somalia.
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