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Wie "misst" man Good Governance?
Wesentliche Elemente von Good Governance werden durch einen speziellen Kriterienkatalog des BMZ definiert. Er ermöglicht eine qualitative Einschätzung der Governance-Situation in den Partnerländern der Bundesrepublik sowie eine Bewertung ihrer Entwicklungsorientierung:
Ein Staat handelt entwicklungsorientiert, wenn sich die Regierung darum bemüht, Politik armutsorientiert und nachhaltig zu gestalten sowie an den Millenniumsentwicklungszielen auszurichten. Ein entwicklungsorientierter Staat achtet alle Menschenrechte, schützt sie und ist ernsthaft darum bemüht, sie allen Menschen zu gewährleisten – unabhängig von Status, Geschlecht, Alter sowie ethnischer, religiöser oder kultureller Zugehörigkeit. Er richtet sein Handeln an demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien aus. Diese umfassen die politische Teilhabe der Bevölkerung an Entscheidungen, die verantwortliche Rolle des Parlaments, die Bindung staatlichen Handelns an Recht und Gesetz und eine ausreichende Gewaltenteilung. Darüber hinaus ist die Fähigkeit eines Staates, Konflikte konstruktiv und gewaltfrei beizulegen, sehr wichtig.
Weitere zentrale Elemente von Good Governance sind die Leistungsfähigkeit eines Staates und die Transparenz seines Handelns. Hierbei geht es insbesondere um eine bürgerorientierte Verwaltung sowie die Korruptionsfreiheit staatlicher Institutionen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung regionaler und internationaler Zusammenarbeit gehört ein kooperatives Verhalten in der Staatengemeinschaft ebenfalls zu den Merkmalen von Entwicklungsorientierung.
Veränderungen im Governance-Niveau vollziehen sich oft graduell und sind nur schwer "messbar". Verschiedene internationale Organisationen und Institutionen haben Instrumente entwickelt, mit denen das Governance-Niveau in einem Land erfasst wird. Ausgewählte Governance-Indizes werden im Folgenden vorgestellt:
Worldwide Governance Indicators der Weltbank
Die Governance-Indikatoren des "Governance Matters Index" des Weltbank-Instituts bewerten 213 Länder und Territorien. Zu diesen Indikatoren zählen: Mitspracherecht und Verantwortlichkeit, politische Stabilität und Abwesenheit von Gewalt, Leistungsfähigkeit der Regierung, staatliche Ordnungspolitik, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionskontrolle.
Bertelsmann Transformation Index (BTI)
Der Bertelsmann Transformation Index (BTI) der Bertelsmann-Stiftung bewertet 128 Entwicklungs- und Transformationsländer. Der BTI erstellt für die untersuchten Länder ein Management- und ein Status-Ranking. Der Status-Index bewertet, welche wirtschaftliche und politische Transformation die Länder auf dem Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft erreicht haben und beinhaltet eine Trend-Analyse der demokratischen Entwicklung. Der Management-Index bewertet die Management-Leistungen eines Staates: Wie konsequent konnten die politischen Akteure in den einzelnen Staaten Reformvorhaben umsetzen? Der BTI erscheint alle zwei Jahre.
Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International
Der Corruption Perception Index (Korruptionswahrnehmungsindex) von Transparency International erscheint jährlich. Anhand von Experteneinschätzungen und Meinungsumfragen listet er jedes Jahr etwa 180 Länder nach dem Grad der – bei Amtsträgerinnen und Amtsträgern sowie Politikerinnen und Politikern wahrgenommenen – Korruption auf.
Failed States Index des Foreign Policy Magazins und des Fund for Peace
Zur Ermittlung des Fragilitätsniveaus einzelner Staaten bewertet der Failed States Index des Fund for Peace (FFP) und des Foreign Policy-Magazins seit 2005 jährlich soziale, ökonomische und politische Indikatoren von derzeit 177 Ländern. Die untersuchten Länder werden dabei in die Gruppen "alert", "warning", "moderate" und "sustainable" eingeteilt.
CPIA – Bewertung des Regierungshandelns und der Effizienz der Institutionen eines Landes
Alle Empfängerländer von Weltbank-Krediten werden durch das "Country Policy and Institutional Assessment" (CPIA) hinsichtlich ihrer Politik im Bereich Wirtschaftswachstum und Armutsreduzierung bewertet. Dabei berücksichtigt der CPIA die Indikatoren Ökonomisches Management, Strukturpolitik, Politik für soziale Inklusion und Gerechtigkeit sowie Management des öffentlichen Sektors und Institutionen.
Die Bewertungen ergeben ein Länderranking und werden auch zur Klassifizierung fragiler Staatlichkeit herangezogen: Alle Niedrigeinkommensländer mit einem Wert von 3.0 oder niedriger auf der CPIA-Skala von 1 bis 6 zählen zur LICUS-Gruppe ("Low Income Countries Under Stress").
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