Hauptinhalt
Gute Regierungsführung
Ausgewählte Arbeitsfelder: Förderung von Good Governance in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Good Governance fördern heißt, die Partnerländer bei der Schaffung von verlässlichen Rahmenbedingungen für eine soziale, ökologische und marktwirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen und den verantwortungsvollen Umgang des Staates mit politischer Macht und öffentlichen Ressourcen zu fördern. Staatliche Akteure und Institutionen sollen befähigt werden, Politikinhalte armutsorientiert, nachhaltig und an den Millenniumsentwicklungszielen ausgerichtet zu gestalten. Die Bevölkerung soll an allen Etappen des politischen Prozesses beteiligt werden.
Durch Finanzielle und Technische Zusammenarbeit unterstützt Deutschland seine Partnerländer bei der Umsetzung von entsprechenden Reformprozessen: Die Förderung politischer Teilhabe, Dezentralisierung, Kommunalentwicklung, der Aufbau von leistungsfähigen Institutionen im öffentlichen Sektor und die Bekämpfung von Korruption sind Aufgaben in diesem Bereich. Dabei bringt Deutschland seine eigenen Erfahrungen mit Veränderungsprozessen und politischen Reformen ein.
Mit inzwischen 33 Kooperationsländern – rund der Hälfte der deutschen Partnerländer – wurde der Förderschwerpunkt "Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung" vereinbart. Er ist damit der am zweithäufigsten gewählte Schwerpunktbereich der bilateralen Zusammenarbeit.
Neben staatlichen Institutionen wie Ministerien, Parlamenten, Ombudseinrichtungen, Antikorruptionsbehörden und Gemeindeverbänden arbeitet die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auch direkt mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. 2010 wurden für den Schwerpunkt mehr als 300 Millionen Euro zugesagt. Darüber hinaus wird die Förderung von Good Governance als Schlüsselthema auch in anderen Sektoren berücksichtigt.
Im Rahmen der multilateralen Zusammenarbeit setzt sich Deutschland ebenfalls für die Förderung von Good Governance ein. So finanziert die Bundesrepublik anteilig rund ein Viertel des EU-Haushalts im Bereich Demokratie und Menschenrechte. Neben Unterstützung für die Governance Incentive Tranche (GIT) des Europäischen Entwicklungsfonds (EEF), die Governance-Fazilität der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) sowie für das Europäische Instrument für Demokratie und Menschenrechte (EIDHR), leistet Deutschland auch Unterstützung für globale Initiativen, zum Beispiel den Democratic Governance Thematic Trust Fund (DGTTF) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP).
Auf regionaler Ebene unterstützt Deutschland beispielsweise die Initiative afrikanischer Regierungen "Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung" (NEPAD). Sie hat das Ziel, auf der Basis einer Verbesserung der Regierungsführung Wirtschaftswachstum, nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung in afrikanischer Eigenverantwortung (Ownership) zu erreichen. Ein wesentliches Element des NEPAD-Prozesses ist der "African Peer Review Mechanism", ein freiwilliges Instrument, in dessen Rahmen die afrikanischen Mitgliedsstaaten gegenseitig ihre Governance-Situation bewerten und sich untereinander bei der Verbesserung ihrer Governance unterstützen.
An den Kontext angepasste Strategien
Bei der Förderung von Good Governance können keine vorgefertigten Konzepte angewandt werden. Es geht darum, die soziokulturelle, historische, politische und wirtschaftliche Situation und die Bedürfnisse des jeweiligen Partnerlandes zu beachten und die dort vorhandenen Fähigkeiten zur Problemlösung zu verbessern ("Capacity Development").
Bei Staaten mit schlechter Regierungsführung müssen entwicklungspolitische Instrumente so eingesetzt werden, dass bestehende Machtstrukturen nicht ungewollt gerechtfertigt oder gefestigt werden. Gute Regierungsführung kann nicht von außen und gegen den Willen einflussreicher politischer und gesellschaftlicher Kräfte erzwungen werden. Um politische Reformprozesse zu unterstützen, sind daher die Zusammenarbeit mit Organisationen der Zivilgesellschaft und der Aufbau von konstruktiven Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft unverzichtbar.
Für jedes Partnerland muss stets die effektivste Kombination von kontinuierlichem und langfristigem Dialog, Unterstützung und Anreizen gefunden und weiterentwickelt werden. Dabei muss von lokalen Gegebenheiten ausgehend die Eigenverantwortung für Good Governance gestärkt und Governance als Schlüsselthema in allen Sektoren der Politik verankert werden.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter:
Informationen

Publikationen

-
Förderung von Good Governance in der deutschen Entwicklungspolitik
BMZ Konzepte 172
(PDF 336 KB, barrierefrei) -
Dezentralisierung und lokale Selbstverwaltung
Faltblatt
(PDF 347 KB, barrierefrei) -
Korruption vorbeugen – Transparenz fördern:
Was tut die deutsche Entwicklungspolitik?
(PDF 182 KB, barrierefrei)





