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Good Financial Governance

Mobilisierung eigener Einnahmen

Im Jahr 2002 haben sich Entwicklungs- und Industrie­länder auf der UN-Konferenz über Entwick­lungs­fi­nan­zierung im mexi­ka­nischen Mon­terrey zum ersten Mal mit allen denk­baren Fi­nan­zierungs­quellen der Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit be­schäftigt. Die In­dustrie­länder haben sich ver­pflich­tet, ihre Finanz­hilfen zu er­höhen. Es wurde außer­dem ver­ein­bart, in den Ent­wick­lungs­ländern selbst mehr in­län­dische Mittel zu mobilisieren.

Wie wichtig eigene staatliche Einnahmen für nachhaltige Entwicklung sind, wurde auch 2008 auf der zweiten Welt­kon­fe­renz zur Ent­wick­lungs­finanzierung in Doha (Katar) unter­strichen: Eigene Ein­nah­men sind eines der wichtigsten Instru­mente für Armuts­be­kämpfung und nach­hal­tige Ent­wicklung. Sie er­mög­lichen den Regierungen, öf­fent­liche Güter und Dienst­leis­tungen wie Gesund­heits- und Bildungs­systeme oder Straßen zu finanzieren.

Noch immer sind jedoch viele Niedrigeinkommensländer extrem von den Finanz­hilfen der Geber­länder abhängig. Ihre in­län­dischen Res­sour­cen werden in vielen Fäl­len nicht aus­reichend genutzt. Nach An­ga­ben des UN-Millenniums-Projekts von 2006 könnten die Entwick­lungs­länder jährlich vier Prozent ihres Brutto­inlands­produktes zu­sätz­lich für die Umsetzung der Millenniumsziele aufbringen. Auch der Inter­natio­nale Währungs­fonds (IWF) und die Weltbank sehen ein ähnlich großes Ein­nahmen­poten­zial der Ent­wick­lungs­länder. Es umfasst nicht nur Staats­ein­nah­men aus Roh­stoff­ex­por­ten wie Erd­öl, Gas und Mine­ra­lien, sondern auch Ein­künfte aus Steuern.

Problem: Steuervermeidung und Steuerhinterziehung

Die UN-Mitgliedsstaaten waren sich in Doha einig, dass ein funktions­tüchtiges, trans­pa­rentes und ge­rechtes Steuer­system die zen­tra­le Vor­aus­setzung für aus­reichen­de staat­liche Ein­nah­men ist. Durch il­le­gale Steuer­hinter­ziehung und le­ga­le Mi­ni­mierung der Steuer­schuld im Rah­men des jeweils gel­ten­den Steuer­rechts gehen Industrie- und Entwick­lungs­ländern jähr­lich hohe Summen verloren.

Ein großes Problem ist auch die Korruption: Oft ist Bestechung im Spiel, um der Steuer­pflicht zu ent­gehen. In manchen Staaten geben bis zu 85 Pro­zent der be­frag­ten Unter­nehmen an, solche Zah­lungen zu leisten. Ein­zel­ne Länder schätzen ihre Ver­luste durch Steuer­hinter­ziehung und Steuer­flucht auf mehr als zwei Drit­tel der tat­säch­lich eingenommenen Steuern ein.

Weil sie im Vergleich zu Industrieländern ohnehin weniger Steuern ein­neh­men, tref­fen solche Ein­bußen Ent­wick­lungs­länder be­sonders schwer. Die Mittel, die ver­loren gehen, fehlen in diesen Ländern vor allem für die Finanzierung von öf­fent­lichen Gütern und Dienst­leis­tungen. In vielen Fäl­len müssen sie durch die Aufnahme von Krediten kom­pen­siert werden, das be­lastet die öffent­lichen Haus­halte zusätzlich.

Steuerhinterziehung und Steuervermeidung trüben darüber hinaus das Ver­hält­nis zwischen Bürgern und Staat. Der trans­pa­rente, ver­ant­wortungs­volle und kom­pe­tente Um­gang mit öf­fent­lichen Mit­teln ist eine Vor­aus­setzung für die Le­gi­ti­mi­tät des Staates und das Ver­trauen der Be­völ­kerung in die öf­fent­lichen Insti­tutionen.

Nur durch ausreichende eigene Einnahmen können die Ent­wick­lungs­länder lang­fristig un­ab­hängig von ex­ter­ner Hilfe werden und Eigen­ver­ant­wortung für die Ver­wirk­lichung der Mil­len­niums­ziele über­nehmen. Deutsch­land unter­stützt seine Partner­länder des­halb bei der Re­form ihrer Steuer­systeme und en­ga­giert sich auch auf in­ter­na­tio­naler Ebene für die Ein­däm­mung von Steuer­hinterziehung und -vermeidung.

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