Hauptinhalt

Demokratie

Eine Frau wird von einem Wahlhelfer bei der Stimmabgabe unterstützt; Freetown, Sierra Leone. Urheberrecht: Tugela Ridley/IRIN

Hintergrund: Demokratie –
Voraussetzung für Entwicklung

"Die Demokratie ist die politische Form der Mensch­lich­keit."
Tomáš G. Masaryk, tschechischer Philosoph, Politiker und Schriftsteller

Demokratie ist das einzige System, das Menschen politische und bürgerliche Freiheiten und das Recht auf politische Teil­habe garantiert. Keine Staatsform hat sich als erfolgreicher, menschlicher und ent­wick­lungs­förderlicher erwiesen: Gefestigte Demokratien sind seltener in kriegerische Aus­ein­anders­etzungen verwickelt und die demokratische Kontrolle der Macht durch die Bevölkerung erschwert Menschenrechtsverletzungen und Amtsmissbrauch.

Die Wohlfahrt sichernde Kontrollfunktion der Demokratie betont auch Amartya Sen, der 1998 den Nobelpreis für Wirt­schaft erhielt: "Ohne Demokratie gibt es für die Herrschenden keine Anreize, die Inte­ressen der Mehr­heits­bevöl­kerung zu vertreten. Demokratie ist somit ein Schutz vor Armut und Hunger."

Sen konnte empirisch nachweisen, dass in Ländern, in denen grundlegende demokratische Freiheiten wie Meinungs- und Pressefreiheit verwirklicht waren, Hungersnöte niemals eine größere Zahl von Menschen­leben gekostet haben.

Wesentliche Merkmale von Demokratien sind Gewalten­teilung und -kontrolle, Rechts­staat­lichkeit, freie und faire Wahlen, Mehr­parteien­systeme, gesell­schaft­liche Beteiligung an politischen Entscheidungs- und Umsetzungs­prozessen, Meinungs- und Presse­freiheit sowie die Achtung der Menschen­rechte. Für eine funktio­nierende Demo­kratie bedarf es der gesell­schaft­lichen Ver­anke­rung und Insti­tu­tio­nalisierung demo­kra­tischer Prinzipien und Verfahren. Dies geht weit über die formale Abhaltung von Wahlen hinaus.

Dass soziale, wirtschaftliche und ökologische Fortschritte sowie breiten­wirksames Wachstum nur in demokratischen und rechts­staat­lichen politischen Systemen nach­haltig erreicht und gesichert werden können, hat auch die internationale Gemeinschaft anerkannt. In der Millenniumserklärung betonen die Staats- und Regierungs­chefs, dass das Recht aller, in Würde und Freiheit zu leben, am besten durch eine demokratische Staatsführung auf der Grundlage des Volks­willens gewähr­leistet wird. Die internationale Gemein­schaft ist sich darüber einig, dass in allen Ländern die Kapazi­täten gestärkt werden müssen, die zur Umsetzung demo­kra­tischer Grund­sätze und Verfahren sowie zur Achtung der Menschenrechte beitragen.

Demokratien im Aufbau

Viele Demokratien befinden sich noch im Aufbau, leiden unter schwachen oder korrupten Staats­strukturen, können den Menschen keine Rechtssicherheit gewährleisten und versagen beim Schutz der Menschen­rechte.

Laut Jahresbericht der Nichtregierungsorganisation Freedom House von 2010 (Freedom in the World 2010) wurden in 89 der 194 unter­suchten Länder (46 Prozent) die grund­legenden Menschen­rechte und politischen Freiheiten respektiert. Für weitere 58 Länder (30 Prozent) galt das zumindest teilweise. 47 Länder stufte Freedom House als "nicht frei" ein. In diesen Ländern kam es zu systematischen und tief greifenden Menschenrechtsverletzungen.

Nach Kriterien der Weltbank galten 2008 27 Staaten als fragil, davon viele auf dem afrikanischen Kontinent. Die meisten zählen zu den ärmsten Ländern der Welt, weisen extreme Defizite in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auf und sind damit weit von der Erfüllung der Millenniumsentwicklungsziele entfernt. Zu den besonders schweren Fällen zählt die Weltbank Afghanistan, die Komoren, Liberia, Myanmar, Simbabwe, Somalia und die Zentralafrikanische Republik.

Weitere Informationen finden Sie auch unter folgenden Themen:

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
Fenster schließen