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Sexuelle und reproduktive Gesundheit als Menschenrecht
Ein umfassendes Konzept der sexuellen und reproduktiven Gesundheit entstand 1994 bei der Internationalen Konferenz zu Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) in Kairo. In Kairo entschied sich die Staatengemeinschaft (mehr als 180 Länder waren vertreten) für einen entscheidenden Richtungswechsel: Von einem überwiegend bevölkerungspolitischen Verständnis hin zu einem Ansatz, der sich am einzelnen Menschen und den allgemeinen Menschenrechten orientiert.
Die Prinzipien und Definitionen des ICPD-Aktionsprogramms haben an Relevanz nichts eingebüßt und stellen bis heute die Grundlage des internationalen entwicklungspolitischen Engagements in diesem Bereich dar.
Im Jahr 1994 wurde von den beteiligten Staaten anerkannt, wie sehr die Entwicklung eines Landes von der sexuellen und reproduktiven Gesundheit abhängt – und damit auch von der Gleichstellung der Geschlechter. Seitdem stehen bei allen Entwicklungsbemühungen die Bedürfnisse und Rechte der Menschen im Vordergrund.
Ein umfassender und menschenrechtsbasierter Ansatz
Heute gilt das Recht auf einen "bestmöglichen Standard sexueller und reproduktiver Gesundheit" als Menschenrecht. Bestandteile dieses Rechts sind das Recht auf Entscheidung über die eigene Fortpflanzung und das Recht von Frauen, über ihre Sexualität selbstbestimmt und in Eigenverantwortung zu entscheiden – frei von Diskriminierung, Zwang oder Gewalt.
In Kairo wurden konkrete Ziele formuliert: Allen Menschen Bildung ermöglichen, die Sterblichkeit von Müttern, Säuglingen und Kleinkindern reduzieren, HIV/AIDS vorbeugen und – bis 2015 – allen Menschen Zugang zu einer entsprechenden umfassenden Gesundheitsversorgung ermöglichen.
Zu einer solchen Versorgung gehören die fachliche Betreuung von Müttern und Kindern, insbesondere während der Schwangerschaft und rund um die Geburt, sowie Familienplanung und Verhütung von sexuell übertragbaren Krankheiten.
Bevölkerung und nachhaltige Entwicklung
Mangelhafte Möglichkeiten der Familienplanung führen in vielen Entwicklungsländern noch heute zu einer hohen Kinder- und Müttersterblichkeit, zu ungewollt hohen Geburtenraten und zu Bevölkerungswachstum. Hochrechnungen zufolge wird sich in einigen Ländern Afrikas und Südasiens die Bevölkerungszahl innerhalb der nächsten Jahrzehnte verdoppeln. Demografische Faktoren wie das Bevölkerungswachstum, der hohe Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung sowie bereits bestehende Engpässe in der Versorgung mit Nahrungsmitteln werden zu einer ansteigenden Nachfrage nach Verhütungsmitteln in den betroffenen Regionen führen. Es gilt, diesen Bedarf zu decken, denn für eine weltweite nachhaltige Entwicklung ist es wichtig, das Wachstum der Weltbevölkerung abzuschwächen und demografischen Veränderungen Rechnung zu tragen. Die Verwirklichung sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechte ist Voraussetzung und Mittel zur Erreichung internationaler Entwicklungsziele.
Millenniumsentwicklungsziele
Viele Ziele des bei der Bevölkerungskonferenz 1994 in Kairo erarbeiteten Aktionsprogramms flossen im Jahr 2000 in die Millenniumserklärung ein. Vier der acht Millenniumsziele stehen im direkten Zusammenhang mit sexueller und reproduktiver Gesundheit.
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Ziel 3: Die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken
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Ziel 4: Die Kindersterblichkeit verringern
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Ziel 5: Die Gesundheit von Müttern verbessern
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Ziel 6: HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
Auch die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter (MDG 3) und Stärkung der Rolle und Rechte der Frauen haben einen wesentlichen Einfluss auf sexuelle und reproduktive Gesundheit. Ziel der deutschen Entwicklungspolitik ist es daher, den Status von Frauen und Mädchen innerhalb der Gesellschaft zu stärken und ihre Entscheidungsbefugnisse einschließlich ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu fördern.
Informationen

Siehe auch
- MDG 3: Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
- MDG 4: Senkung der Kindersterblichkeit
- MDG 5: Gesundheit von Müttern verbessern
- MDG 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten
- Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA)
Externe Links
- Homepage der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo (englisch)
- Implementing Decisions of the International Conference on Population and Development (englisch)
- Lexikon der Nachhaltigkeit:
Weltbevölkerungskonferenz, Kairo 1994 - Informationen über die Weltbevölkerungskonferenz in Kairo und ihre Nachfolgekonferenzen auf der Website des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (englisch)
- Informationen auf der Website der GTZ: Sexuelle und reproduktive Gesundheit ist Menschenrecht






