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Menschenrecht Gesundheit

Kinder in einem Mutter-Kind-Heim in Burundi. Urheberrecht: Philipp Ziser

Kindergesund­heit för­dern

Etwa 21.000 Kinder sterben jeden Tag an Krankheiten, die größtenteils vermeidbar und heilbar sind. Millionen Menschen engagieren sich auf der ganzen Welt dafür, diese Tragödie zu beenden.

Mehr als ein Drittel der Kinder sterben schon in den ersten Lebens­wochen – meistens zu Hause und ohne medizinische Hilfe. Häufige Ursachen für ihren Tod sind Atemwegsinfektionen, Durch­fall­er­krankungen, Malaria und Masern. Sehr oft verlaufen diese Krankheiten tödlich, weil die erkrankten Kinder unterernährt sind, weil sie kein sauberes Trinkwasser haben und weil sie unter schlechten hygienischen Bedingungen leben müssen. Unter­er­nährung ist in mehr als einem Drittel der Fälle mit­ver­ant­wort­lich für den Tod.

Es wird geschätzt, dass mindestens zwei Drittel der Todesfälle im Kindesalter durch einfache und kostengünstige Maßnahmen verhindert werden könnten. Besonders in den ärmsten Ländern sind die Gesundheitsdienste aber nicht leistungsfähig genug, um diese Maßnahmen anbieten zu können.

Integriertes Management von Kinderkrankheiten

Ein Mädchen in Pakistan wird gegen Masern geimpft. Urheberrecht: Muzammil Pasha/UNICEFIm Rahmen der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit wird heute ein um­fas­sen­der Programm­ansatz, das "Inte­grier­te Management von Kinder­krank­hei­ten" (Integrated Management of Childhood Illnesses, IMCI), geför­dert. Die Strategie wurde 1992 vom Kinder­hilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) entwickelt und umfasst ein breites Spektrum von Maßnahmen, die auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Dazu gehören Krank­heits­vor­beu­gung und -verhütung im Kindesalter ebenso wie Aufklärung, Ver­bes­se­rung der Lebens­bedingungen und die Behandlung von Krankheiten.

IMCI wird von Gesundheits­diensten, Gemeinden und Familien gemeinsam umgesetzt. Dies bedeutet, dass zum Beispiel Schulen Gesundheits­erziehung in ihre Lehrpläne aufnehmen oder Was­ser­ver­sor­gungs­programme von Maßnahmen der Gesund­heits­bildung und Hygiene­erziehung begleitet werden, um die hygienischen Verhältnisse zu verbessern.

Internationale Organisationen wie UNICEF und die WHO plädieren für einfache Maßnahmen, die auch ohne aufwendige medizinische Versorgung maßgeblich zum Überleben von Kindern beitragen können. Dazu gehören beispielsweise

  • das ausschließliche Stillen von Kleinkindern in den ersten sechs Lebensmonaten,

  • das Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen und der Einsatz wirksamer Medikamente zur Behandlung von Malaria,

  • die Gabe einer speziellen wässrigen Trinklösung (orale Rehydratationstherapie) bei Durchfallerkrankungen,

  • die Behandlung mit Antibiotika bei Lungenentzündungen sowie

  • Impfungen gegen sechs wichtige Krankheiten.

Das deutsche Engagement

Die Bundesrepublik unterstützt vielfältige Maßnahmen zur Reduzierung der Kindersterblichkeit und Förderung der Kindergesundheit im Sinne der Verwirklichung des Rechts eines jeden Kindes auf Gesundheit. Die folgenden Beispiele verdeutlichen das Spektrum des Engagements:

  • Stärkung von Gesundheitssystemen
    Gesundheitsdienste zur Versorgung von Müttern und Neugeborenen, wie zum Beispiel Schwangerenvorsorge, Geburtsbegleitung und Neugeborenenversorgung, sind für die Senkung der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit unverzichtbar. Die Behandlung von Atemwegs- und Durchfallerkrankungen oder Malaria ist für Kinder unter fünf Jahren häufig lebensrettend. Gesundheitssystemstärkung und die Förderung eines universellen Zugangs zu einer Basisversorgung sind daher wichtige Ansätze.

  • Krankheitsbekämpfung
    Zur Bekämpfung von Krankheiten unterstützt Deutschland Organisationen wie die WHO und UNICEF. Die Organisationen führen gezielte flächendeckende Kampagnen durch, zum Bei­spiel Impf­pro­gramme gegen Kinder­lähmung. Auch Programme zur recht­zeitigen Be­handlung von Durch­fall­er­krankungen, von Malaria und von Atemwegsinfektionen werden von Deutschland mitfinanziert.

  • Vorbeugung
    Die Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten fördert Deutschland in einer Reihe von Partnerländern im Rahmen der allgemeinen Stärkung von Gesundheitsdiensten. Bei so­ge­nannten "Mutter-Kind-Sprechstunden" in Gesundheitszentren finden zum Beispiel Mütter An­sprech­partner für ihre Fragen. Dort werden auch gezielt vorbeugende Maßnahmen für Mütter und Kinder durchgeführt. So können Probleme wie Mangel­er­nährung oder eine verzögerte Entwicklung von Kindern früh erkannt und behandelt werden.

  • Aufklärungsmaßnahmen
    Aufklärungsmaßnahmen zur Verbesserung der Neu­ge­borenen­ge­sundheit werden in Kampagnen zur sicheren Mutter­schaft integriert ("Safe Motherhood Programme"). Dadurch wird die Gefahr vermindert, dass Kinder zu früh oder mit Untergewicht geboren werden – ein Problem, das häufig auftritt, wenn die Mütter an Malaria oder Tuberkulose leiden oder wenn sie während der Schwangerschaft zu schwer arbeiten müssen. Aufklärung und Information sind auch wichtige Instrumente zur Vorbeugung gegen eine Infektion mit dem HI-Virus.

  • Beratung
    Durch Beratungsangebote kann auf traditionelle Vorstellungen und Praktiken eingewirkt werden. Zum Beispiel auf die ge­ringere Achtung, die in manchen Ländern Mädchen ent­ge­gen­ge­bracht wird oder auf die weibliche Genital­ver­stüm­melung. Auch Nahrungs­tabus und Verhaltensregeln, die schädlich für die Gesundheit von Kindern sind, werden in Beratungsgesprächen thematisiert.

  • Bildung
    Es ist erwiesen, dass ein guter Bildungsstand der Mütter wesentlich zur Reduzierung der Kindersterblichkeit beiträgt. Darum fördert Deutschland Grundbildung für Mädchen und Aufklärung im Bereich der sexuellen Gesundheit. Fort­bil­dungs­an­gebote zu Gesundheit, Menschenrechten und Managementfähigkeiten werden außerdem in Verbindung mit Einkommen schaffenden Maßnahmen durchgeführt.

  • Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)
    Circa 28 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren stehen in Zusammenhang mit unzureichender Wasser- und Sanitärversorgung sowie mangelnder Hygiene. Dabei sind viele wasserbezogene Erkrankungen mit einfachen präventiven Maßnahmen vermeidbar. Schulgesundheitsprogramme bieten die Möglichkeit, Kindern gesundheitsförderliches Verhalten (zum Beispiel Händewaschen mit Seife) nahe zu bringen. Schulkinder sind besonders sensibel für Verhaltensänderung und tragen erlerntes Wissen und Verhalten in ihre Familien, Gemeinden und später, als Erwachsene und Eltern, in nachfolgende Generationen. 

Projektbeispiel Kindergesundheit fördern: Schulgesundheit – "Fit For School" Philippinen

Auf den Philippinen unterstützt die deutsche Entwick­lungs­zusammen­arbeit gemeinsam mit der lokalen NRO Fit For School Inc. das Bildungsministerium bei der Umsetzung des Essential Health Care Program (EHCP), das als Antwort auf den alarmierenden Gesundheitszustand philippinischer Kinder entwickelt wurde.

Tägliches Händewaschen mit Seife, tägliches Zähneputzen und halbjährliche medikamentöse Entwurmung werden als evidenz­basierte präventive Maßnahmen im Schulkontext umgesetzt ("evidenzbasiert" bedeutet in diesem Zusammen­hang, dass die Wirksamkeit der Maßnahmen als erwiesen gilt). Nach der Erprobung in einer Provinz finanzieren mittlerweile mehr als 20 weitere Provinzen das Programm, das momentan circa 1,5 Millionen Kinder erreicht.

"Fit for School" wurde zum Flaggschiff-Programm des philip­pi­nisch­en Bildungs­ministeriums erklärt und soll innerhalb der nächsten Jahre landesweit eingeführt werden. Bei der Global South-South Development Expo 2009 wurde "Fit for School" durch die Weltbank, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als innovativster Ansatz im Bereich Gesundheit ausgezeichnet.

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