Hauptinhalt
Hintergrund

Das internationale Engagement für Gesundheitsversorgung
Seit Jahrzehnten setzen sich neben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zahlreiche weitere internationale und nationale Institutionen und Nichtregierungsorganisationen für die Verbesserung der gesundheitlichen Situation in Entwicklungsländern ein.
Alle Organisationen der internationalen Staatengemeinschaft, wie zum Beispiel das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) oder das Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS (UNAIDS), verfolgen – so wie auch die Bundesrepublik Deutschland – Strategien der primären Gesundheitsversorgung. Die Bundesregierung unterstützt diese Organisationen und arbeitet vielfältig mit ihnen zusammen, besonders in den Bereichen, die überregionale Bedeutung haben.
In Zukunft werden weitere Anforderungen an die Entwicklungspolitik hinzukommen. Zum Beispiel die Bekämpfung nicht übertragbarer Krankheiten wie Diabetes oder Krebs. Auch der Kampf gegen die Folgen von Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum wird wichtiger. Relativ neue Themenfelder im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit sind außerdem die Umweltmedizin, die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen und die Sicherheit beim Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen.
Das Konzept der primären Gesundheitsversorgung
In den 1960er und 1970er Jahren standen der Bau, die Ausstattung und der Betrieb von Krankenhäusern im Mittelpunkt der Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Gesundheit. Es zeigte sich aber, dass damit nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung erreicht werden konnte, und zwar jene, die in der Nähe solcher Kliniken lebten und sich die Behandlung leisten konnten. Deshalb versuchte man ab Mitte der 1970er Jahre eine flächendeckende Versorgung zu erreichen. Seitdem wurden sehr viele Gesundheitszentren und kleine Krankenhäuser in ländlichen Regionen eingerichtet.
Auf Basis der Erfahrungen mit solchen dörflichen Gesundheitsdiensten und Gesundheitsprojekten, an denen sich die Menschen aktiv beteiligen konnten, wurde ein neues Gesundheitskonzept erarbeitet. 1978 organisierte die WHO gemeinsam mit UNICEF eine Konferenz in Alma Ata. Dort wurde das Konzept der Primären Gesundheitsversorgung (englisch: Primary Health Care, PHC) proklamiert.
PHC umfasst nicht nur medizinische Maßnahmen wie die Behandlung oder die medikamentöse Verhütung von Krankheiten. Zum Konzept gehören auch Maßnahmen, die indirekt zu einer Verbesserung der Gesundheitssituation führen: Armutsbekämpfung, Gesundheitserziehung, Ernährungssicherung, Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und vieles mehr. Das Ziel der PHC-Strategie ist, Zugang zu angemessener gesundheitlicher Versorgung für alle zu erreichen. Wichtige Bestandteile der Strategie sind die Beteiligung der Bevölkerung und die Stärkung der Selbsthilfe.
Herausforderungen der globalen Gesundheitsarchitektur
Insbesondere das Auftreten von AIDS und die damit einhergehende erhöhte Wahrnehmung von globalen, potenziell bedrohlichen Gesundheitsproblemen hat dazu geführt, dass seit Beginn der 90er Jahre erheblich mehr finanzielle Mittel für Gesundheit in Entwicklungsländern mobilisiert werden konnten.
Allein die Mittel für offizielle gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit stiegen seit dem Jahr 2000 jährlich um 17 Prozent auf 15,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007. Neue Instrumente wie der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM) wurden initiiert, gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren – und zwar parallel zu der bestehenden, klassischen bi- und multilateralen Struktur – eine wachsende Zahl von Organisationen entstanden, die über ein immenses Mittelvolumen verfügen und den privaten Akteuren zuzurechnen sind. Dazu zählen zum Beispiel die Bill and Melinda Gates Foundation und auch eine Vielzahl von weiteren Nichtregierungsorganisationen. Weit mehr als 100 international tätige Akteure zählen zur sogenannten globalen Gesundheitsarchitektur, die sich grob in folgende Kategorien einordnen lassen:
-
Multilaterale Organisationen, wie zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Weltbank, spezifische UN-Organisationen (UNAIDS, UNFPA und andere);
-
Bilaterale Geber-(Organisationen/Initiativen), Nationalstaaten wie Deutschland, aber auch Initiativen wie PEPFAR (The United States President‘s Emergency Plan for AIDS Relief), Gebergruppen wie die G8;
-
Globale Public-Private-Partnerships, wie zum Beispiel der GFATM und die Impfallianz GAVI;
-
Private Akteure, wie zum Beispiel Stiftungen, (internationale) NROs, Einzelpersonen, Glaubensgemeinschaften, Firmen/Konzerne und andere;
-
Koordinations-Partnerschaften/Initiativen, wie zum Beispiel die International Health Partnership (IHP+) oder die Partnership for Maternal, Newborn and Child Health (PMNCH).
Diese Vielfalt unterschiedlicher Akteure und Strukturen hat dazu geführt, dass weitere Ressourcen für den Gesundheitssektor mobilisiert werden konnten. Gleichzeitig schafft sie aber auch große Probleme in der Koordinierung – besonders für Partnerländer, die mit unterschiedlichsten Antragsverfahren und Umsetzungsmodalitäten konfrontiert werden.
Auf globaler Ebene ist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legitimiert, normative Aufgaben und Koordinationsfunktionen zu erfüllen, zum Beispiel beim Ausbruch von Seuchen. Allerdings existiert kein legitimiertes Organ, das für die Koordination von Finanzströmen oder die Umsetzung von Maßnahmen zuständig sein könnte. Deshalb muss Koordinierung in anderer Form gestaltet werden. Dies ist angesichts der Heterogenität, Komplexität und Interessenslagen der oben genannten Akteure jedoch schwierig bis unmöglich.
Dennoch gibt es Ansätze, um die Effizienz und Effektivität der internationalen Unterstützung zu verbessern, unter anderem durch die Umsetzung der Paris-Deklaration und der Accra Agenda for Action. Diese internationalen Erklärungen stellen Vereinbarungen zur Verbesserung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit dar. Da der Gesundheitssektor überdurchschnittlich komplex ist, wurde er als sogenannter "tracer sector" definiert, das heißt, dass diesem Sektor besondere Beachtung bei der Umsetzung der Ziele der Paris Deklaration und der Accra Agenda geschenkt wird und Lernerfahrungen möglichst auch anderen Sektoren zugute kommen sollen.
Eine wichtige Rolle spielt auch die vom norwegischen Premierminister im Jahr 2007 initiierte "Global Campaign for the Health Millennium Development Goals". Sie ist der strategische Rahmen, innerhalb dessen zahlreiche Akteure und Initiativen agieren, die auf eine effektivere Erreichung der gesundheitsbezogenen MDGs abzielen. Die International Health Partnership (IHP+) ist im Rahmen dieser Kampagne entstanden und umfasst mittlerweile fast 50 Mitglieder, darunter Entwicklungsländer, Geberländer und internationale Gesundheitsinitiativen und -organisationen. IHP+ ist der Versuch, den Bemühungen zur Erreichung der gesundheitsbezogenen Millenniumsentwicklungsziele neue Dynamik zu verleihen und die Prinzipien zur Verbesserung der Wirksamkeit (Aid-Effectiveness) konkret im Gesundheitsbereich umzusetzen. IHP+ sieht im Wesentlichen vor:
-
Eine verbesserte Abstimmung/Arbeitsteilung zwischen den Gebern und den großen internationalen Institutionen im Gesundheitsbereich; Harmonisierung und Einbindung anderer wichtiger Initiativen im Gesundheitssektor.
-
Koordinierte länderbezogene Prozesse zur Unterstützung von nationalen Plänen zur Stärkung von Gesundheitssystemen in Partnerländern.
Deutschland hat als einer der größten Geberstaaten eine besondere Verantwortung und engagiert sich daher unter anderem in der International Health Partnership und setzt sich auch als G8-Mitglied sowie im Rahmen von Steuerungsgremien (wie zum Beispiel im GFATM) für die Verbesserung der Wirksamkeit und Effizienz der Hilfe im Gesundheitsbereich ein.







