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Die Gesundheitssituation in Entwicklungsländern
Die gute Nachricht: Zwischen 1970 und 2010 ist die Lebenserwartung der Menschen in den Entwicklungsländern von 40 auf 68 Jahre angestiegen (Lebenserwartung von Kindern, die 2011 in Deutschland geboren wurden: 80 Jahre). Die Zahl der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sank zwischen 1990 und 2009 weltweit von 89 auf 60 je 1.000 Lebendgeburten (in Deutschland: 4 je 1.000).
Die schlechte Nachricht: Trotz dieser Fortschritte müssen sehr viele Menschen in Entwicklungsländern noch immer mit vermeidbaren und/oder behandelbaren Krankheiten leben. Tuberkulose, Malaria und parasitäre Infektionen wie Bilharziose und Onchozerkose sind bei Kindern und Erwachsenen sehr verbreitet und nehmen teilweise wieder zu. Weltweit waren 2010 rund 34 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, fast 23 Millionen davon in Subsahara-Afrika.
Situation der Kinder
Besonders gefährdet ist die Gesundheit von Kindern. In jedem Jahr sterben in Entwicklungsländernmehr als 7,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren. Millionen andere Kinder erleiden als Folge von Krankheiten körperliche und geistige Behinderungen. Etwa ein Drittel aller Todesfälle im Kindesalter werden in Entwicklungsländern durch Infektionen der Atemwege und Durchfälle verursacht.
Situation der Mädchen und Frauen
Die Gesundheit von Frauen und Mädchen wird auch von ihrer Stellung in Familie und Gesellschaft beeinflusst. Geschlechtsspezifische Diskriminierung kann das Gesundheitsverhalten und den Zugang zu Gesundheitsdiensten, Information und Bildung einschränken.
Belastend für die Gesundheit von Millionen Frauen sind schlechte Ernährung und häufige Schwangerschaften, schwere Arbeit, die überwiegend auf ihnen lastende Verantwortung für Kinder und Familie sowie mangelnde Möglichkeiten, über das eigene Leben selbst zu bestimmen.
Täglich sterben in den Entwicklungsländern Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt, weil sie nicht ausreichend medizinisch betreut werden. Zudem werden jedes Jahr mehrere Millionen Schwangerschaften abgebrochen, sehr viele von ihnen in Entwicklungsländern. Jeder dieser Abbrüche ist mit körperlichem und seelischem Leid verbunden. Durch unsachgemäß durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche erleiden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jährlich bis zu fünf Millionen Frauen in Entwicklungsländern schwere Komplikationen; in vielen Fällen führen sie zum Tod.
Krankheitsursachen in Entwicklungsländern
Eine der häufigsten Krankheitsursachen ist Armut. Sie gilt als mitverantwortlich für einen großen Teil aller Todesfälle.
Armut verhindert, dass Kranke medizinisch versorgt werden. Oft führt sie zu mangelhafter oder falscher Ernährung. Und auch wer sich kein sauberes Trinkwasser und keine Toilette leisten kann, wird häufiger krank und langsamer gesund. Auch andere Faktoren wie Arbeitslosigkeit, mangelnde Schulbildung und fehlende Möglichkeiten der Familienplanung können den Gesundheitszustand negativ beeinflussen.
Viele Arme erleiden zudem eine soziale Entwurzelung. Ihre möglichen Folgeerscheinungen – wie Prostitution, Gewalt, Kriminalität und Drogenkonsum – sind mit einem sehr großen gesundheitlichen Risiko verbunden. Weitere Risikofaktoren für die Gesundheit sind Bürgerkriege, andere militärische Konflikte und Naturkatastrophen. Auch ihnen sind besonders die Armen schutzlos ausgeliefert.
Mangelhafte Gesundheitssysteme
Vielen Menschen in Entwicklungsländern fehlt der Zugang zu einer effektiven Gesundheitsversorgung. Sie können die Kosten für Behandlung und Pflege oder medizinisch betreute Entbindungen nicht bezahlen. Jedes Jahr geraten weltweit rund 100 Millionen Menschen durch ruinöse Gesundheitsausgaben in absolute Armut. Auch effektive Vorbeugungsmaßnahmen gegen Krankheiten kommen dadurch zu kurz.
In vielen Ländern sind die Gesundheitseinrichtungen regional ungleichmäßig verteilt. Wichtige Angebote von medizinischen Dienstleistungen, auch aus dem privaten Sektor, sind hauptsächlich in den Städten verfügbar – und kommen oft nur der wohlhabenden Schicht zugute. Eine flächendeckende Grundversorgung aller Schichten der Bevölkerung gibt es in diesen Staaten nicht.
Besonders benachteiligt sind neben den Armen auch ethnische Minderheiten, Menschen mit Behinderungen sowie Frauen und Kinder. Ohne soziale Sicherungssysteme ist das Risiko für Familien hoch, durch Krankheitsfälle in die Armut abzurutschen.
Auch wenn der politische Wille zu Umstrukturierungen des Gesundheitssystems vorhanden ist: Den meisten Entwicklungsländern fehlt es sowohl an finanziellen Ressourcen als auch an Fachkräften. Engpässe gibt es auch bei der Transportinfrastruktur und Einrichtungen zum Aufbau eines funktionierenden und flächendeckenden Gesundheitssystems.
Ausführliche Informationen über das deutsche Engagement für die Verbesserung der Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern finden Sie hier:
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