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Arbeitsfelder

Prävention: Nachhaltige Strategien entwickeln

Poster mit der Werbung für Kondome in Malawi. Urheberrecht: photothekWeil es noch keinen Impf­stoff gegen eine Infektion mit dem HI-Virus gibt und weil eine HIV-Erkrankung noch nicht geheilt werden kann, ist die Ver­mei­dung von Neu­infek­tionen nach wie vor das wich­tigste Ziel aller Maß­nahmen zur Ein­dämmung der HIV-Epidemie.

Im Vordergrund stehen dabei Auf­klä­rung und Infor­mation. Wer weiß, wie es zu einer Infek­tion kommen kann und wie man sie ver­meidet, kann sich selbst und andere schüt­zen. Durch die Nutzung von Kon­domen kann eine An­steckung ver­mieden werden – sofern das nicht durch so­zia­le Fak­toren ver­hin­dert wird. Zu diesen Fak­toren gehören man­gelnde Gleich­be­rech­ti­gung von Frauen, Stig­ma­ti­sie­rung von Infizierten, Dis­kri­mi­nie­rung be­nach­tei­lig­ter Bevöl­ke­rungs­gruppen, Krimi­na­li­sie­rung, Gewalt, Drogen- und Al­ko­hol­miss­brauch, Sex­arbeit, Flucht und Ver­treibung oder kulturelle Ent­wurzelung.

Weil die genannten Fak­toren eine be­deu­tende Aus­wir­kung auf den Erfolg von Auf­klä­rungs­kam­pagnen haben, reicht die reine Ver­mitt­lung von Fakten­wissen nicht aus; in Prä­ven­tions­pro­gram­men müssen auch kul­tu­rel­le Aspekte be­rück­sich­tigt werden. Sie sollten ein so­ziales Um­feld fördern, das es den Menschen er­mög­licht, sich vor der In­fek­tion zu schützen.

Gemeinsam mit Orga­ni­sa­tionen in den Partner­ländern unter­stützt die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit Pro­gram­me zur HIV-Prä­ven­tion in ganz unter­schied­lichen Be­reichen. Dazu gehört eine Fülle von unter­schied­lichen Ansätzen, die vom Aufbau von Stel­len, die Be­ratung und frei­wil­lige und ver­trau­liche HIV-Tests an­bieten, bis zur Ent­wick­lung von Unter­richts­ma­te­ri­a­lien für Schulen reicht.

Social Marketing

Verschiedene Sorten von Kondomen in einem Geschäft in Mombasa, Kenia. Urheberrecht: Julius Mwelu/IRINAls be­son­ders wirk­same Form der Prä­ven­tion hat sich das "so­zia­le Mar­ke­ting" von Ver­hü­tungs­mit­teln er­wie­sen. Dabei wird mit den Me­tho­den der kom­mer­zi­el­len Pro­dukt­ver­mark­tung für die Nut­zung von Kon­do­men ge­wor­ben. Ziel ist, die För­de­rung von gesund­heits­för­dern­dem Verhalten. Dabei werden Kon­dome meist zu sub­ven­tio­nier­ten Preisen verkauft, um eine mög­lichst breite Ver­füg­bar­keit der Produkte – auch für ärmere Bevöl­ke­rungs­schich­ten – zu ge­währ­leisten. Durch Fernseh- und Radio­wer­bung, Plakate, Hand­zettel und Straßen­theater werden die Menschen auf die Kondome auf­merksam gemacht. Gleich­zeitig werden sie dabei über deren An­wen­dung und ebenso über HIV und AIDS infor­miert. Social Marketing dient damit nicht in erster Linie dazu, Produkte zu ver­kaufen, sondern hilft, Ideen und Werte zu verbreiten.

Die KfW Entwicklungsbank fördert im Auftrag des BMZ mit großem Erfolg Social Marketing-Vorhaben. Zurzeit unter­stützt sie Projekte in 28 Ländern mit einem Gesamt­volumen von rund 350 Millionen Euro. Das En­gage­ment in diesem Bereich hat sich damit seit 2001 nahezu ver­dop­pelt. Ein Schwer­punkt der Zu­sam­men­arbeit liegt auf Subsahara-Afrika. Außerdem gibt es in­zwischen auch vier Regional­vor­haben, zwei in Latein­amerika und zwei in Afrika.

Die HIV-Prävention wird bei diesen Maß­nahmen eng mit anderen Be­reichen der se­xu­ellen Gesund­heit ver­knüpft, wie zum Beispiel mit Familien­planung oder dem Thema Genital­ver­stüm­me­lung. In einigen asia­tischen Ländern sind die Social Marketing-Agenturen inzwischen schon in der Lage, kosten­deckend zu arbeiten und werden un­ab­hängig von der deutschen Förderung.

Umfassende HIV-Bekämpfung auf lokaler Ebene

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit setzt eine Reihe erfolg­reicher Ansätze zur HIV-Prävention um, hier zwei Beispiele:

  • Umfassende HIV-Maßnahmen auf lokaler Ebene: Programme dieser Art unter­stützt die Bundes­regierung seit mehr als 15 Jahren in Tansania. Studien in der Mbeya-Region belegen für den Zeit­raum von 1994 bis 2000, dass in­ten­sive Prä­ven­tions­programme dort zu einem häu­fi­geren Gebrauch von Kondomen und zu einer ver­bes­ser­ten Be­hand­lung von Geschlechts­krank­hei­ten geführt haben. Diese Er­folge wurden von einem Rück­gang der HIV-Infek­tions­quote bei den 15- bis 24-jährigen Frauen von 21 auf 15 Prozent begleitet. Wesent­licher Bestand­teil dieser Pro­gramme sind partizipative und gender-orientierte Si­tu­a­tions­ana­lysen. Auf ihrer Basis werden über­grei­fende, lokal an­ge­passte Pro­gramme er­ar­bei­tet, die Prä­vention und Be­handlung verknüpfen.

  • Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für Risiko­gruppen: Ein wesentlicher Bestandteil der HIV-Prä­ven­tion ist auch die Scha­dens­min­de­rung bei Dro­gen­kon­sum (Harm Reduction). Der ge­mein­same Ge­brauch von Spritz­be­steck bei in­ji­zie­ren­dem Drogen­gebrauch ist ver­ant­wort­lich für 30 Prozent der HIV-Neu­in­fek­tionen außer­halb von Subsahara-Afrika. Von ge­schätz­ten 15,9 Millionen inji­zie­renden Drogen­kon­su­men­ten welt­weit sind bis zu drei Millionen HIV-positiv. Harm Reduction-Ansätze be­inhalten zum Bei­spiel den Zu­gang zu ste­ri­lem Spritz­be­steck, Anlauf- und Be­ra­tungs­stellen und Drogen­ersatz­therapie-Angebote. Deutsch­land unter­stützt Partner­länder in der Um­setzung dieser Ansätze, die von Deutsch­land maß­geb­lich mit­ent­wickelt wurden. In Nepal konn­ten so die Qualität, die Sicher­heit und die Kosten­ef­fek­ti­vi­tät des na­tio­nalen Metha­don­pro­gramms durch ein ge­mein­sames Projekt der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit und der Privat­wirt­schaft (Public Private Partnership, PPP) er­heb­lich ge­stei­gert werden. Durch eine Drogen­ersatz­therapie können sowohl das Risiko­ver­halten, als auch HIV- und Hepatitis-C-Neuinfektionen und Therapie­abbrüche drastisch reduziert werden.

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