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Arbeitsfelder

Gesundheitsversorgung:
Stärkung der Therapie

Ein Junge wartet vor einem medizinischen Zentrum in Burundi. Urheberrecht: Philipp ZiserIn vielen Regionen der Welt ist die Basis­gesund­heits­ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung nicht sicher­ge­stellt. Vor allem Arme und andere be­nach­tei­lig­te Be­völ­ke­rungs­gruppen haben dort kaum Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung. Die HIV-Epidemie ver­schlim­mert die ohnehin schwie­rige Si­tua­tion weiter. Dazu kommt ein großer Mangel an Fach­kräften: Nur in 5 der 49 ärmsten Länder stehen min­destens 23 medi­zi­nische Fach­kräfte (Ärzte, Kranken­schwestern, Heb­ammen) pro 10.000 Einwohner zur Verfügung; die Zahl 23 wurde von der WHO als Unter­grenze für eine aus­rei­chende Gesund­heits­ver­sor­gung von Müttern und Kindern de­fi­niert.

Die Bundesrepublik arbeitet darum mit vielen Ent­wick­lungs­ländern an Kon­zepten zur Ver­bes­se­rung ihrer Gesund­heits­ver­sorgung. Da­durch soll die all­ge­meine gesund­heit­liche Si­tu­ation der Men­schen ver­bessert und auch die Be­kämp­fung von HIV verstärkt werden.

Wichtige Komponenten dieses Arbeits­feldes sind die Beratung der ver­ant­wort­lichen Politiker­innen und Politiker, der Ausbau und die In­stand­haltung der medi­zi­nischen Infra­struk­tur und die Grund­ver­sorgung der Be­völ­ke­rung mit medi­zi­nischen Dienst­leistungen. Dazu gehört zum Beispiel die Mög­lich­keit, anonym und kosten­los einen HIV-Test durch­führen zu lassen. Auch der Zu­gang zu un­ent­behr­lichen Arznei­mitteln und die Betreuung durch qua­li­fiziertes medi­zi­nisches Fach­per­sonal müssen für jeden gewähr­leistet sein.

Damit auch arme Bevölkerungsgruppen medizinisch versorgt werden können, ist die Entwicklung und Erprobung von inno­va­tiven Sozial- und Kranken­ver­si­cher­ungs­systemen er­for­derlich.

Ausführliche Informationen über das deutsche Engagement für die Verbesserung der Gesundheitssysteme in Ent­wick­lungs­ländern finden Sie hier:

 

Verbesserung des Zugangs zu antiretroviraler Therapie

Bestimmte Wirkstoffe können eine Ver­meh­rung von HI-Viren unter­drücken. Therapien mit solchen anti­retro­viralen Sub­stan­zen (Stoffe gegen Retro­viren, wie das HI-Virus) können die Krank­heit zwar nicht heilen, aber sie können in sehr vielen Fällen ein Fort­schrei­ten der Er­kran­kung zum Immun­schwäche­syndrom AIDS verhindern.

Produktion von Medikamenten in Afrika. Urheberrecht: Photothek.net, ImoDie anti­retro­vi­ra­len Medi­ka­mente konnten in den letzten Jahren deut­lich im Preis gesenkt werden. Dadurch und durch die An­stren­gun­gen der inter­natio­nalen Ge­mein­schaft zur Fi­nan­zie­rung von HIV-Maßnahmen, zum Beispiel durch den Glo­ba­len Fonds zur Be­kämp­fung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM), konnte die Zahl der Menschen in Ent­wick­lungs­ländern, die eine anti­retro­vi­rale Be­hand­lung er­hal­ten, vervielfacht werden. Aller­dings ergeben sich durch neue Therapie­richt­linien der Welt­gesund­heits­orga­ni­sation (WHO) und zu­neh­mende Resistenzen des HI-Virus gegen Medi­ka­mente der ersten Be­hand­lungs­linie neue Herausforderungen.

Ziel der internationalen Bemühungen ist, bis 2015 sicher­zu­stel­len, dass welt­weit alle Be­trof­fe­nen um­fas­sen­den Zu­gang zu Be­hand­lung, Pflege und Unter­stüt­zung er­hal­ten. Die Bundes­re­gie­rung unter­stützt diese Bemühungen und setzt sich in ihren Part­ner­ländern für eine um­fas­sen­de nationale AIDS-Politik ein, die sich aus fol­genden Komponenten zusammensetzt:

HIV-Aufklärungskampagnen, Sexualerziehung, freiwillige und ver­trau­liche Test- und Beratungs­mög­lich­keiten, Pflege- und Be­treu­ungs­an­ge­bote sowie qualitäts­gesicherter Zugang zu anti­retro­viraler Therapie.

Förderung lokaler Produktion und Nutzung von Flexibilitäten beim Schutz geistiger Eigentumsrechte

Ein Wissenschaftler arbeitet in einem Labor mit einer Pipette. Urheberrecht: bpa, FaßbenderDie Bundes­re­pu­blik engagiert sich auf ver­schie­de­nen po­li­ti­schen Ebe­nen für die Ver­bes­se­rung der The­ra­pie­mög­lich­keiten. Eines der deutschen Ziele ist, dass die Preise über­le­bens­wich­ti­ger Medi­ka­mente für die Be­hand­lung von Menschen mit HIV weiter fallen.

Deutschland unter­stützt darum – direkt sowie in Zu­sam­men­arbeit mit der Welt­gesund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) und der Orga­ni­sa­tion der Ver­ein­ten Nationen für in­dus­tri­elle Ent­wicklung (UNIDO) – die Pro­duk­tion von qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen und kosten­güns­tigen Generika durch lo­kale Unter­nehmen und über Süd-Süd-Koopera­tionen in Afrika und Asien. Generika sind Präparate, die den gleichen Wirk­stoff enthalten wie Original­präparate, aber wesent­lich preis­werter sind. Dabei handelt es sich um er­laub­te Kopien (nicht zu ver­wech­seln mit ver­bo­tenen Nach­ahmer­prä­pa­raten oder Fälschungen).

Die hohe Qualität dieser Generika wird durch die Unter­stüt­zung der pro­du­zie­ren­den Unter­nehmen bei der Ein­füh­rung von Qua­li­täts­management­systemen gewähr­leistet. Außer­dem werden Zu­las­sungs- und Kontroll­be­hör­den und spe­zi­a­li­sier­te Labor­dienst­leister bei der Stär­kung ihrer Kapa­zi­täten gefördert. Darüber hinaus unter­stützt Deutsch­land die Aus­bil­dung von drin­gend be­nö­tig­tem tech­nischem und aka­de­mi­schem Fach­personal für die Medi­ka­men­ten­her­stel­lung sowie die dazu­ge­hö­rige Forschung.

2003 ist vom Allgemeinen Rat der WTO in der umstrittenen Fra­ge der "grenzüberschreitenden" Zwangslizenzen eine Ei­ni­gung erzielt worden. Der Be­schluss er­mög­licht es armen Län­dern ohne aus­rei­chende Pro­duk­tions­ka­pa­zi­tä­ten für Medi­ka­men­te, grenz­über­schrei­tend Zwangs­li­zen­zen zu nutzen. Sie dürfen also seit­her preis­werte Medi­ka­mente im­por­tie­ren, die in einem anderen Land unter Zwangs­li­zen­zen her­ge­stellt wurden. Die Bundes­re­pu­blik unter­stützt in Zu­sam­men­arbeit mit der WHO und der Kon­ferenz der Ver­ein­ten Nationen für Handel und Ent­wick­lung (UNCTAD) die volle Nutzung vor­han­de­ner Flexi­bi­li­täten beim Schutz geis­tiger Eigen­tums­rechte durch Beratungs- und Schu­lungs­maß­nahmen in Afrika und Asien.

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Lexikon der Entwicklungspolitik
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