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Frieden

Kinder in bewaffneten Konflikten – Opfer und Täter zugleich
Rund zwei Millionen Kinder haben in den letzten zehn Jahren im Zuge gewaltsam ausgetragener Konflikte ihr Leben verloren. Die Zahl der verletzten und versehrten Kinder liegt noch um ein Vielfaches höher. Von den 5,8 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, sind schätzungsweise mehr als 40 Prozent Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Anders als früher sind Zivilisten, allen voran Kinder, inzwischen die Hauptleidtragenden gewaltsamer Auseinandersetzungen. Exzessive Gewalterfahrungen, Flucht und Vertreibung und das Zerreißen von Familienbanden traumatisieren Kinder schwer. Nicht selten sind sie durch die Folgen des Krieges auf sich allein gestellt. Die Zerstörung von Schulen und Krankenhäusern treffen Kinder besonders hart, sie stellt eine schwere Hypothek für ihre Zukunft dar.
Allzu oft werden Kinder auch zu Soldaten gemacht. 250.000 Minderjährige werden schätzungsweise weltweit von Armeen und bewaffneten Gruppen als Kämpfer und Arbeitskräfte – aber auch sexuell – missbraucht, viele von ihnen werden zu Gräueltaten gezwungen. Kinder sind anspruchsloser und billiger als erwachsene Soldaten, und sie sind leichter zu manipulieren. Viele werden zwangsrekrutiert, doch viele schließen sich auch freiwillig der Regierungsarmee oder bewaffneten Gruppen an. Sie glauben, für sich und ihr Leben keine andere Perspektive zu haben. Kindersoldaten werden ihrer normalen Entwicklung beraubt und durch die Erfahrung von Gewalt, Entbehrung und sozialer Isolation stark traumatisiert. Sie leiden unter großen psychischen Problemen – oft für den Rest ihres Lebens.
Viele Kindersoldaten sind im Krieg aufgewachsen. Sie kennen keine anderen Lebensumstände als den Krieg und keinen anderen Weg, Konflikte zu lösen, als die Gewalt. Auch nach dem Ende der Kämpfe bleibt die Armee oft ihr einziger Bezugspunkt. Die Rückkehr in ihre Heimatgemeinden ist für viele ehemalige Kindersoldaten unmöglich, weil sie dort nicht als Opfer, sondern als Täter angesehen werden. Diese Ablehnung treibt viele der Kinder erneut in die Arme von Soldaten, bewaffneten Gruppen oder in die Kriminalität.
Ein besonderes Problem stellt die Situation der Mädchen dar. Sie werden in den Armeen und Rebellengruppen häufig Opfer sexueller Gewalt. Mädchen benötigen besondere Hilfe, um sich aus der gesellschaftlichen Isolation zu befreien und wieder in ein normales Leben zurückzufinden.
In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind Kindersoldaten heute eine eigenständige Zielgruppe für Entwicklungsprojekte. Es wurde erkannt, dass entwicklungspolitische Maßnahmen speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein müssen, um ihre Reintegration in die Gesellschaft zu erreichen. Die Wiedereingliederung der Kindersoldaten ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von gesamtgesellschaftlichen Versöhnungs- und Wiederaufbauprozessen.
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