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Frieden

Ein afghanischer Junge lugt zwischen zwei Soldaten der Friedenstruppe hervor. Copyright: photothek.net

Kinder in bewaffneten Konflikten – Opfer und Täter zugleich

Rund zwei Millionen Kinder haben in den vergangenen zehn Jahren durch gewaltsam ausgetragene Konflikte ihr Leben verloren. Die Zahl der verletzten Kinder ist noch um ein Vielfaches höher.

Anders als früher sind Zivilisten – und vor allem Kinder – inzwischen die Hauptleidtragenden gewaltsamer Auseinander­setzungen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), das sich weltweit um Flüchtlinge, Staatenlose, Asylsuchende und Binnenvertriebene kümmert, sind rund die Hälfte der 34,4 Millionen Betroffenen Kinder.

Exzessive Gewalterfahrungen, Flucht, Vertreibung und das Zerreißen von Familien traumatisieren Kinder schwer. Viele sind durch die Folgen von Kriegen auf sich allein gestellt. Besonders hart trifft Kinder auch die Zerstörung von Schulen und Krankenhäusern. Rund ein Drittel der 72 Millionen Kinder, die weltweit nicht zur Schule gehen, leben in nur 20 von Konflikten betroffenen Ländern.

Schätzungsweise 250.000 Minderjährige werden weltweit von Armeen und bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten und Arbeitskräfte missbraucht. Viele von ihnen werden zu Gräueltaten gezwungen. Kinder sind anspruchsloser und billiger als erwachsene Soldaten, und sie sind leichter zu manipulieren. Oft werden die Kinder mit Gewalt dazu gezwungen, Soldat zu werden, viele schließen sich aber auch freiwillig einer Armee oder bewaffneten Gruppe an. Sie glauben, für sich und ihr Leben keine andere Perspektive zu haben.

Kindersoldaten werden ihres Rechts auf eine normale Entwick­lung beraubt. Gewalt, sexueller Missbrauch, Entbehrungen und soziale Isolation traumatisieren die Kinder. Fast alle leiden unter großen seelischen Problemen – oft für den Rest ihres Lebens.

Kinder aus dem Slumgebiet Mathare Valley in Nairobi, Kenia. Urheberrecht: bpa, Bernd KühlerViele Kindersoldaten sind im Krieg aufgewachsen und kennen nichts anderes als Krieg. Die einzige Methode, die sie zur Lösung von Konflikten erlernen, ist Gewalt. Auch nach dem Ende der Kämpfe bleibt die Armee oft ihr einziger Bezugs­punkt. Die Rückkehr in ihre Heimat­gemeinden ist für viele ehemalige Kindersoldaten unmöglich, weil sie dort nicht als Opfer, sondern als Täter angesehen werden. Diese Ablehnung treibt viele der Kinder erneut in die Arme von Soldaten, bewaffneten Gruppen oder Kriminellen.

Besonders schlimm ist die Situation der Mädchen. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Belastungen werden sie in den Armeen und Rebellengruppen häufig Opfer sexueller Gewalt. Mädchen benötigen darum besondere Hilfe, um sich aus der gesellschaftlichen Isolation von Kindersoldatinnen zu befreien und wieder in ein normales Leben zurückzufinden.

In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind Kindersoldaten heute eine eigenständige Zielgruppe für Entwicklungsprojekte. Entsprechende entwicklungspolitische Maßnahmen müssen speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein, um ihre Reintegration in die Gesellschaft zu erreichen. Die Wiedereingliederung von ehemaligen Kindersoldaten und anderen von bewaffneten Konflikten betroffenen Kindern ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von gesamt­gesell­schaftlichen Versöhnungs- und Wiederaufbauprozessen.

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