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Hintergrund

Junge in Mosambik wartet auf Nahrungsmittel nach der Flutkatastrophe. Urheberrecht: photothek.net

Die Ernährungssituation in den Entwicklungsländern

"Ich muss oft entscheiden, wer essen darf: ich oder mein Sohn",
sagt eine arme Frau aus der Ukraine.
Aus: Weltbank-Studie "Voices of the Poor" (Stimmen der Armen)

Im Jahr 2009 litten nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschafts­organisation der Vereinten Nationen (FAO) 1,02 Milliarden Menschen unter Hunger und Unterernährung – mehr als ein Sechstel der Menschheit, mehr Menschen, als insgesamt in der Europäischen Union, in den USA, Kanada und Japan wohnen.

Bis auf wenige Ausnahmen leben die Hungernden in Entwicklungsländern. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten gesunken (1969 bis 1971: 24 Prozent, heute: 15 Prozent). Doch diese Zahl täuscht. Der sinkende Prozentsatz beruht vor allem darauf, dass die Weltbevölkerung im gleichen Zeitraum stark gewachsen ist. Die absolute Zahl der unterernährten Menschen ist gestiegen: Seit Mitte der 1990er Jahre um fast 200 Millionen auf ihren heutigen Höchststand von über einer Milliarde.

Besonders viele Menschen hungern in Asien und in den Staaten des Pazifischen Ozeans. In dieser dicht besiedelten Region sind 642 Millionen Menschen betroffen. Gemessen am Anteil der Hungernden an der Gesamtbevölkerung ist Afrika südlich der Sahara am schlimmsten betroffen. Dort hungern 32 Prozent der Menschen. Besonders stark stieg die Zahl der Unterernährten zwischen 2008 und 2009 im Nahen Osten und in Nordafrika (plus 13,5 Prozent), aber auch in allen anderen Weltregionen – einschließlich der entwickelten Länder – lag der Zuwachs über 10 Prozent.

Was ist Hunger?

Laut Definition der Vereinten Nationen hungert ein Mensch, wenn er weniger zu essen hat, als er täglich braucht, um sein Körpergewicht zu erhalten und zugleich leichte Arbeit zu verrichten. Je nach Größe, Alter, Geschlecht, beruflicher Tätigkeit und den klimatischen Bedingungen ist die täglich benötigte Nahrungsmenge unterschiedlich. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) liegt sie im Durchschnitt bei etwa 2.100 Kilokalorien. Alles, was darunter liegt, führt langfristig zu Unterernährung. Bei weniger als etwa 1.400 Kilokalorien pro Tag spricht man von extremer Unterernährung und chronischem Hunger. Diese Menge braucht der Körper im Durchschnitt, um seinen Stoffwechsel und seine Organfunktionen aufrecht zu erhalten, ohne zu zusätzlichen körperlichen Aktivitäten in der Lage zu sein.

Kurze Zeit zu hungern, schadet einem gesunden Menschen normalerweise nicht. Dauert dieser Zustand jedoch an, kommt es zu Gewichtsabnahme und fortschreitender Schwächung des Körpers. Stark unterernährte Menschen sind nicht in der Lage, die einfachsten Dinge zu tun. Auch die Abwehrkräfte gegenüber Krankheiten nehmen ab.

Größtes Gesundheitsrisiko

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Hunger weltweit das größte Risiko für die Gesundheit. Unter den Todesopfern sind besonders viele Kinder. Sie leiden noch stärker als Erwachsene unter mangelhafter Versorgung mit Nahrungsmitteln, die ihnen genügend Energie, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente liefern. Ihre geistige und körperliche Entwicklung bleibt zurück und ihr Organismus wird so geschwächt, dass normalerweise harmlos verlaufende Krankheiten tödlich sein können. Besonders Erkrankungen der Atemwege und Durchfallerkrankungen sind bei unterernährten Kindern weit verbreitet und verlaufen oft sehr schwer.

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