Hauptinhalt

Instrumente

Maßnahmen nach der Entschuldung

Eine Muslimin in einem Betrieb zur Herstellung von Verbandsstoffen in Algerien. Urheberrecht: phalanxDie lang­fristige Ab­sicherung der Schulden­trag­fähigkeit in den ärmsten Ländern ist eine ge­mein­same Heraus­for­derung für Schuldner und Gläubiger. Sie ist wichtig, damit die Schulden­last in diesen Ländern nicht wieder zu einem Ent­wicklungs­hemmnis werden kann.

Im Einzelnen bedeutet dies:

  • Schuld­ner­länder, Gläu­biger und Finanz­institu­tio­nen müssen gemein­sam bei Kredit­vergabe beziehungs­weise Kredit­aufnahme die hohe Qualität der zu finan­zieren­den Maß­nahmen sicherstellen und dabei realistische Prognosen für das Wirtschafts­wachstum des Schuldner­landes zu Grunde legen. Dabei müssen auch eventuell mögliche Krisen­fälle berücksichtigt werden.

  • Kreditgeber und Kreditnehmer müssen sich gemeinsam für mehr Transparenz einsetzen und den Informations­aus­tausch verbessern. Denn nur wenn verlässliche Daten zur Verschuldungs­situation vorhanden sind, lassen sich Über­schuldungs­gefahren frühzeitig erkennen.

  • Das Schuldenmanagement in den Schuldnerländern muss weiter verbessert werden. Entwicklungsländer müssen darin unterstützt werden, verant­wor­tungs­volle Schulden­stra­te­gien zu entwickeln, die im Einklang mit der natio­na­len Ent­wick­lungs­strategie stehen. Zudem sollten interne Kontrollmechanismen gestärkt werden.

  • Der Aufbau transparenter und effizienter Systeme der öffentlichen Finanzen im Sinne von Good Financial Governance muss unterstützt werden, um zukünftig den tatsächlichen Bedarf der Kreditaufnahme abschätzen zu können und immanente Risiken der Einnahmen-Ausgaben-Struktur aufzuzeigen.

  • Größere Transparenz der Zahlungsströme im Rohstoffsektor und Transparenz in Wirtschaftssektoren mit hohen öffentlichen Finanzierungs­anteilen (Gesundheit, Infra­struk­tur) sind von entscheidender Bedeutung für eine gute Regierungsführung und nachhaltiges Wirtschafts­wachs­tum.

  • Alle Kreditgeber sind dazu aufgerufen, Aspekte der Schuldentragfähigkeit bei der Vergabe von Krediten zu berücksichtigen. Die Schuldentragfähigkeits­analysen von Weltbank und IWF bieten hierbei eine wertvolle Orientierung.

  • Die Märkte müssen für Produkte aus den Ent­wick­lungs­ländern geöffnet werden. Gleichzeitig müssen die Entwicklungsländer ihre Exportproduktion diversifizieren, um nicht von der Ausfuhr einiger weniger Rohstoffe abhängig zu sein.

Rahmenwerk für Schuldentragfähigkeit

2004 haben IWF und Weltbank ein Rahmenwerk für Schulden­trag­fähigkeit (Debt Sustainability Framework) entwickelt. Das Rahmenwerk dient der Weltbanktochter IDA und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF) als Entscheidungshilfe für die Mittelvergabe an die ärmsten Länder. Kernaussage ist, dass sich die Vergabe von neuen Mitteln an Niedrigeinkommensländer an der landesspezifisch festzustellenden Schuldensituation orientieren muss.

Zur Einschätzung der Schuldentragfähigkeit werden neben anderen wichtigen Indikatoren zum Beispiel die Qualität der Institutionen und der Politikgestaltung eines Landes berücksichtigt. Auch die Anfälligkeit gegenüber negativen Einflüssen, die von außen auf das Land wirken, wird berücksichtigt. Wird ein Land als überschuldungsgefährdet eingestuft, erhält es Zuschüsse anstelle von Krediten. Damit leisten IDA und AfDF einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung einer erneuten Überschuldung. Gleichzeitig bietet das Rahmenwerk Kreditgebern und Kreditnehmern wertvolle Orientierung bei der Einschätzung von Überschuldungsgefahren.

Gemeinsame Mindeststandards aller offiziellen Kreditgeber könnten helfen, eine hohe Qualität bei der Kreditvergabe zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, werden derzeit in verschiedenen internationalen Gremien Gespräche geführt. Zudem gilt es, den Austausch von Informationen über Vergabe und Aufnahme neuer Kredite weiter zu verbessern. Denn durch mehr Transparenz könnten die Beteiligten die Gefahr einer neuen Überschuldung früher erkennen und rechtzeitig gegensteuern.

In Ergänzung zum Rahmenwerk für Schuldentragfähigkeit haben sich die OECD-Mitgliedstaaten im Januar 2008 auf Leitlinien zur nachhaltigen Kreditvergabe bei der Übernahme von staatlichen Exportkrediten und -bürgschaften für die ärmsten Länder geeinigt. Die Leitlinien haben zum Ziel, Aspekte der Schulden­trag­fähigkeit noch systematischer in den Ent­schei­dungs­prozessen zu berücksichtigen.

Dass die Kreditgeber Richtlinien formulieren, reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist, dass die kreditnehmenden Länder eigene Strategien für den verantwortungsvollen Umgang mit diesem Finanzierungsinstrument festlegen.

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
Fenster schließen