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Bildung

Lesesaal einer öffentlichen Bibliothek in Quito, Ecuador. Urheberrecht: Photothek.net

Hochschulbildung: Verantwortliche für morgen ausbilden

Bildung, Wissen­schaft und For­schung sind für die gesell­schaft­liche und wirt­schaft­liche Ent­wick­lung eines Landes un­ver­zicht­bar. Im Zuge der Globalisierung wird Wissen immer mehr zum ent­schei­denden Standortvorteil im inter­natio­nalen Wettbewerb. In vielen ärmeren Ländern sind die wissenschaftlichen Kapazitäten nicht aus­reichend ausgebildet, um das international verfügbare Wissen zu nutzen und eigenes aufzubauen und zu verbreiten. Die "digitale Kluft" zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ist ein zusätz­liches Entwicklungshemmnis: Für die Einführung von Informa­tions­technik mangelt es vielen Ländern an Geld, aber auch an Hard- und Softwarespezialisten. Wachsende Stu­denten­zahlen über­fordern die Auf­nahme­fähigkeit der Uni­ver­si­täten, viele Lehr­pläne sind veraltet und wenig praxis­relevant. Die Dozenten sind zum Teil un­zu­reichend ausgebildet, unterbezahlt und wenig motiviert.

Das Leitbild einer partnerschaftlichen Entwicklungspolitik ist jedoch nur umzusetzen, wenn auch die Bildungs- und Wissenskapazitäten in Entwicklungsländern gestärkt werden. Deutschlands Engagement im tertiären Bildungssektor konzentriert sich vor allem auf:

  • die Förderung der Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften, akademischem Lehrpersonal und Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern

  • die Förderung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen und Wissenschaft in Partnerländern

  • die gezielte Förderung der entwicklungsrelevanten Forschung

Neben dem BMZ unterstützen auch andere Ressorts der Bundes­regierung, besonders das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Auswärtige Amt, die internationale Bildungs- und Wissenschaftskooperation. Daneben nehmen die Bundes­länder eine wichtige Rolle ein. Sie finanzieren entwicklungs­politische Lehre und Forschung, Hochschul­kooperationen und Studienplatzkosten für Studierende aus Entwicklungsländern.

Qualifizierung von Fach- und Führungskräften, Lehrpersonal und Wissenschaftlern

Computerausbildung an der Universität von Aden, Jemen. Urheberrecht: Photothek.netAn Hochschulen werden Fach- und Führungskräfte ausgebildet, die in ihren Ländern Entwicklungs- und Veränderungs­prozesse anstoßen. Durch Forschung wird relevantes Wissen für ein Land geschaffen, Technologien werden bedarfs- und standortgerecht ausgewählt, angepasst und weiterentwickelt, Innovationen aus Forschung und Entwicklung schaffen neue Erwerbsmöglichkeiten.

Selbst die Tatsache, dass ein Teil der gut ausgebildete Hoch­schul­absolventen die Neigung hat, ihr Heimatland zu verlassen, um in reicheren Industrieländern für höhere Gehälter zu arbeiten ("Brain Drain"), kann laut Einschätzung des wissenschaftlichen Beirats beim BMZ langfristig positive Wirkungen haben. Denn die Geldüber­wei­sun­gen von Emigranten an Familienmitglieder im Heimatland erhöhen dessen Deviseneinnahmen. Die Verbunden­heit von Emigranten mit ihrem Heimatland hält zudem in der Regel über Jahrzehnte an. Durch diese Verbundenheit leisten viele Emigranten ihrem Herkunftsland oft wertvolle Dienste, zum Beispiel durch die Anbahnung von inter­natio­nalen Geschäfts­beziehungen oder Beratungsleistungen.

Dennoch bemüht sich das BMZ darum, die Rahmenbedingungen in den Heimatländern so zu beeinflussen, dass sie auch gut aus­ge­bil­de­ten Hochschulabsolventinnen und -absolventen ausreichend Anreize bieten, in ihren Ländern zu bleiben und von dort aus die Entwicklung ihres Landes voranzutreiben. Denn der weltweite Wettbewerb um Talente darf nicht zu Lasten der Entwicklungs­länder gehen.

Sehr wichtig ist die Weiterbildung und angemessene Bezahlung des Hochschulpersonals. Durch die Qualitätsverbesserungen im Primar­schul­bereich wird in den Entwicklungsländern in den nächsten Jahren die Nachfrage nach höherer Bildung steigen.

Leistungsfähigkeit der Hochschulen verbessern

Wegen der wachsenden Nachfrage nach weiterführender Bildung wurde der Hochschulbereich vieler Entwicklungsländer in der Vergangenheit bereits ausgebaut. Oft konnten jedoch die Qualität und das Management mit den zunehmenden Studenten­zahlen nicht Schritt halten.

In vielen Entwicklungsländern hat deshalb die Zahl von Bildungs­ein­richtungen in privater Trägerschaft zugenommen. Die Bildungspolitik der Partnerländer muss auf diese Expansion reagieren und Qualität und Zugang zu den Einrichtungen sicherstellen, ohne das private Engagement unnötig zu hemmen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich darauf, die Effizienz und das Management bestehender Hochschulen zu verbessern.

Wissenschaftsnetzwerke über Ländergrenzen hinweg können in kleineren Ländern die Effektivität der Forschung erhöhen. Regionale Kooperationen, die zugleich international vernetzt sind, sind dabei am effektivsten.

Förderung entwicklungsrelevanter Fachbereiche

Natur- und Agrarwissenschaften, Umweltschutz sowie Ingenieur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind Beispiele für Fach­bereiche, die für die Entwicklung eines Landes besonders relevant sind. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich in der Hoch­schul­förderung auf solche Disziplinen. Sie unterstützt die Uni­ver­si­tä­ten bei der Entwicklung von Lehrplänen und bei der For­schungs­pla­nung. Die Ausbildungs­inhalte sollen die Studierenden direkt auf ihre beruflichen Tätigkeiten vorbereiten und hierüber ihre Chancen beim Einstieg in das Berufsleben fördern. Um die Erkennt­nisse der Forscher für die Wirtschaft nutzbar zu machen, wird die Dienstleistungs- und Beratungsfunktion der Hochschulen verstärkt. So kann auch ihre Finanzsituation verbessert werden.

Universitätszugang erweitern

Die Anzahl der Hochschülerinnen und Hochschüler ist weltweit von etwa 93 Millionen im Jahr 1999 auf 150 Millionen im Jahr 2007 ge­stiegen. In den Entwicklungsländern stieg die Zahl der Studierenden von 47 auf 91 Millionen. Die deutsche Entwicklungs­zusammenarbeit unterstützt den Zugang zu Universitäten für Begabte aller Be­völ­ke­rungs­schichten – insbesondere auch für Frauen –, zum Beispiel durch die Vergabe von Stipendien. Um den Entwicklungs­ländern Zugang zu Wissen und die Teilnahme am internationalen Wissens­austausch zu ermöglichen, sind auch die Rahmen­bedin­gun­gen bedeutend, etwa die Verbreitung von Informations- und Kom­muni­kations­techno­logien und der Schutz geistigen Eigentums. Auch in diesen Bereichen unterstützt Deutschland seine Partnerländer.

Wissenschafts- und Hochschulkooperation

Wissenschaftlicher Austausch fördert die Intensität der außen­wirt­schaft­lichen und interkulturellen Beziehungen zwischen den Ländern. Durch Kooperationen kann die wissenschaftliche und technische Kluft zwischen Entwicklungsländern und Industrie­ländern langfristig über­wunden werden. Das BMZ fördert die Qualifizierung von Expertinnen und Experten in entwicklungs­relevanten Fachbereichen und die Anbindung der Partnerländer an die globalen Wissensnetze.

Die Programme der Wissenschafts- und Hochschulkooperation werden von drei Organisationen umgesetzt:

  • Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert jedes Jahr eine große Zahl von Studentinnen und Studenten aus Partnerländern und ermöglicht ihnen – zum Beispiel durch Stipendien – ein Aufbaustudium.

  • Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) fördert hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Bereich der Grundlagenforschung.

  • Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Entwick­lungs­ländern bei der Finanzierung von Forschungs­projekten, die sie gemeinsam mit deutschen Kolleginnen und Kollegen durch­füh­ren. Sie leistet so einen Beitrag zur internationalen Vernetzung.

Reintegrationsprogramme ergänzen die Maßnahmen. Fachkräften soll die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ihrer Heimat­länder erleichtert werden. Zurückkehrende Wissen­schaft­lerinnen und Wissen­schaft­lern werden zum Beispiel durch Sti­pen­dien der Alexander von Humboldt-Stiftung unterstützt.

Zur direkten Förderung von Hochschulen und Wissenschaft wird im Auftrag des BMZ beispielsweise das überregionale Projekt "Hoch­schul­kooperation" umgesetzt. Es unterstützt regionale Hoch­schul­netz­werke in Lateinamerika und im südlichen Afrika, insbesondere im Bereich Qualitätsmanagement und bei der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Zudem werden über ein Projekt der Technischen Zusammenarbeit hoch qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Führungskräfte aus Entwicklungsländern an der "Bonn Inter­national Graduate School for Development Research" (BIGS-DR) des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) gefördert.

Alumniportal Deutschland

Das "Alumniportal Deutschland" vernetzt Menschen aus aller Welt miteinander, die in Deutschland studiert oder eine Weiterbildung absolviert haben oder die über eine deutsche Organisation im Ausland aus- oder weitergebildet wurden. Herzstück des Portals ist eine Online-Community, in der die Alumni Kontakte aufbauen und pflegen können.

Das Portal wird vom Bundesentwicklungsministerium finanziert und von vier Institutionen mit Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit getragen: GIZ, DAAD, Goethe-Institut und Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM).

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